Köln

Mit Gottes Hilfe

Lernen: Was Eltern nicht vormachen, können sie auch von ihren Kindern nicht erwarten. Foto: Fotolia

Köln

Mit Gottes Hilfe

Rebbetzins beantworten Fragen zur Kindererziehung

von Graf Constantin von Hoensbroech  17.01.2012 15:52 Uhr

Was tun, wenn ich mein Kind beim Rauchen erwische? Wann beginnt die Erziehung zu religiösen Aktivitäten? Wann beginnt überhaupt Kindererziehung? Wann bin ich möglicherweise zu streng mit dem Nachwuchs, wann zu locker? Welche Grenzen soll ich setzen? Und was sagt eigentlich die Tora dazu?

Diese und viele weitere Fragen diskutierten zahlreiche Mütter aus der Synagogen-Gemeinde Köln in einem intensiven Dialog mit den beiden Rebbetzins der Ge- meinde, Liba Schtroks und Hanna Engelmayer. »Kindererziehung ist wichtig, denn Kinder sind unsere Zukunft« war der Nachmittag in der Judaica überschrieben, den sie am vergangenen Sonntag gestalteten.

»Kinder sind wie Blumen, und damit sie gut wachsen und sich entfalten können, müssen wir gute Bedingungen schaffen«, fasste Hanna Engelmayer den lebhaften Austausch als Bild zusammen. Liba Schtroks hob den Vorbildcharakter der Eltern hervor und betonte: »Was ich nicht mache, kann ich nicht von meinen Kindern erwarten.«

Vorbilder Dabei beginnt die Kindererziehung eigentlich für jede Person im eigenen Elternhaus, noch vor der Heirat und der eigenen Aufgabe, Kinder zu erziehen. »Wir geben das weiter, was wir sind, wo wir stehen«, so Schtroks. Mit anderen Worten: Zum einen werden wir durch unsere Vorfahren und Eltern geprägt. Zum zweiten gibt uns die Tora einen festen Halt.

In der Praxis bedeutet das eben erst einmal, bestimmte Verhaltensweisen einzuüben und zu erklären und nicht umgekehrt: Kinder rufen ihre Eltern nicht mit Vornamen, sie widersprechen nicht, sie respektieren den angestammten Platz des Vaters. »Es gibt Dinge, über die lässt sich nicht diskutieren«, unterstreicht Schtroks und ergänzt zugleich: »Aber natürlich wollen wir den Kindern auch beibringen, selbstständig zu denken und zu verstehen, überhaupt: selbstständig zu werden.«

Dass das in der Praxis mitunter anders abläuft, machte der Hinweis einer jungen Mutter deutlich, die in diesem Zusammenhang meinte, dass »Kinder bestimmt werden, durch das, was wir tun, und daher widersprechen sie dann auch«. Es ist offenkundig, dass jedes Kind seine eigenen Wege hat und gemäß seines Charakters, Vermögens und Individuums erzogen werden muss.

Einflüsse Und es ist ebenfalls offenkundig, dass viele Einflüsse wie die Umwelt oder auch die verschiedenen Phasen der Kindheit und Jugend definitive Antworten oder gar absolute Wahrheiten kaum zulassen. Gleichwohl lassen sich bestimmte Kriterien und Aspekte und Linien herausarbeiten, die der Orientierung für die große Herausforderung der Kindererziehung dienen.

»Wir haben die Kinder, wenn sie klein sind, wie ein unbeschriebenes Blatt vor uns, und alles, was wir auf dieses Blatt schreiben, bleibt«, berichtete Liba Schtroks. Als Mutter von elf Kindern weiß sie weiter zu berichten, dass Kindern, auch wenn sie älter sind, noch vieles beigebracht werden kann. »Unsere Arbeit als Eltern besteht darin, Kopf und Herz, Gedanken und Emotionen zusammenzubringen und am Charakter zu arbeiten.«

Das sei nicht immer leicht, denn immer wieder müsse man auch mit sich selber kämpfen, die eigenen Emotionen zurückstellen oder die eigene Begeisterung und Motivation, gerade beispielsweise im Religiösen, neu entfachen. Ein zustimmendes Kopfnicken war in der Runde der Teilnehmerinnen zu bemerken.

Ehre Dass in der Kindererziehung aber nicht alles planbar ist und es keine letztgültigen Antworten gibt oder geben kann, machte Schtroks deutlich an der manchmal nur als Redensart dahingesagten Flos-kel »mit Gottes Hilfe«. Sie bedeute aber vielmehr: »Nicht alles liegt in unseren Händen, und wir müssen darum beten, dass unser Bemühen um die Kinder auch Erfolg hat.«

Und auch Hanna Engelmayer stellte den religiösen Aspekt der Kindererziehung am Beispiel des fünften Gebots in den Mittelpunkt ihrer Antworten. »Du sollst Vater und Mutter ehren. Fürchte Deine Mutter und Deinen Vater« stehe genau in der Mitte der zehn Gebote, weil es sowohl für die Beziehung von Mensch zu Mensch wie auch von Mensch zu Gott gelte. »Wer seine Eltern ehrt, dessen Lebenstage werden länger«, verwies die Rebbetzin auf die Tora.

Pflichten »Das fünfte Gebot steht konstant und stabil im Mittelpunkt beim Aufbau familiärer Beziehungen – egal, unter welchen familiären und gesellschaftlichen Bedingungen.« In der Praxis sind das bestimmte Verpflichtungen, die die Eltern an ihren Kindern zu erfüllen haben. Die Beschneidung bei Jungen, das Lernen der Tora für Jungen, bei Mädchen wenigstens das Wissen um die Tora, das Erlernen eines Berufs oder Handwerks sowie die Fähigkeit zum Schwimmen.

»Insgesamt kommt es darauf an«, so die dreifache Mutter Hanna Engelmayer abschließend, »frühzeitig die Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern aufzubauen und zu gestalten. Das ist für uns Eltern die Kraftquelle und Motivation, denn an die Liebe und Zugehörigkeit zu ihren Eltern werden sich die Kinder immer erinnern.«

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