München

Mit Charme und Chic

Die Münchner WIZO-Damen mit WIZO-Deutschland-Präsidentin Simone Graumann (5.v.l.) und Moderatorin Ilanit Spinner (4.v.r.) Foto: Marina Maisel

Halsschmerzen und dadurch bedingte »Wortlosigkeit« hin oder her, die WIZO-Gala »One Night For Children« wollte sich Oberbürgermeister Dieter Reiter in Begleitung seiner Frau Petra auf keinen Fall entgehen lassen.

Er und alle anderen Gäste, darunter Israels Generalkonsul in München, Dan Shaham, erlebten im neuen Spiegelsalon einen perfekt organisierten Abend: Show, feines Essen von »Käfer«, etwas Nachdenklichkeit, vor allem aber den über allem schwebenden guten Zweck. Schirmherrin Charlotte Knobloch zitierte nicht umsonst mit David Ben Gurion einen wahrlich großen Mann: »Wenn es die WIZO nicht gäbe, müsste man sie erfinden.«

einmalig Frauenpower war für die WIZO schon eine Selbstverständlichkeit, als es dieses Wort im Sprachgebrauch noch gar nicht gab. 1920 in England mit dem Ziel gegründet, Hilfe zu leisten, wo Hilfe benötigt wird, ist WIZO heute eine weltumspannende, überparteiliche Frauenorganisation mit 250.000 ehrenamtlichen Helfern in etlichen Ländern. Das Ergebnis der gebündelten Kräfte rund um den Globus ist mehr als außergewöhnlich.

WIZO betreut in Israel 800 Projekte für Kinder, Jugendliche, Frauen und Senioren, betreut 14.000 Kleinkinder in 172 Kindertagesstätten, betreibt 11 Schulen und Jugenddörfer, 54 Jugendklubs, 80 Zentren für Frauen und ältere Menschen, 30 Beratungsstellen und eine Hotline. Tagtäglich werden in den Einrichtungen mehr als 900.000 Mahlzeiten verteilt. »Dieses Netzwerk ist einmalig«, unterstrich IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch.

Geballte Frauenpower bestimmt auch den Takt der WIZO München. Eine Präsidentin gibt es nicht, »nur« gleichberechtigte Vorstandsmitglieder: Gabi Grüngras, Sarah Baumöhl, Merav Borenstein, Lilli Steinberg, Raquel Ryba, Nani Drory, Sara Schmerz, Simone Weissmann und Gisa Pultuskier. Sie agieren auf Augenhöhe, stimmen sich untereinander ab – und sind erfolgreich. Das hob in ihrem Grußwort auch WIZO-Deutschland-Präsidentin Simone Graumann hervor, in deren Terminkalender das gesellschaftliche Gala-Glanzereignis in München einen festen Platz hat.

Patenschaften Denn auch in diesem Jahr haben sich die Münchner WIZO-Frauen selbst übertroffen. Die über 200 Patenschaften, die sie mit unermüdlichem und selbstlosem Einsatz vermitteln konnten, sind für die Betroffenen weit mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein. »Die WIZO-Damen«, betonte Charlotte Knobloch, »vermitteln nicht nur diese wichtigen Patenschaften, sie verstehen sich selbst als Paten, als Patinnen für ganz Israel sowie für jeden Einzelnen, der ihre Hilfe braucht. Sie tun alles, um die Menschen zu unterstützen, und sie setzen genau dort an, wo Hilfe nötig ist. Dafür opfern sie nicht nur ihre Freizeit, sie nutzen ihre Kontakte und sind sich nicht zu fein, um unbeirrt an Türen anzuklopfen und an ihre Mitmenschen zu appellieren, sich ihnen anzuschließen. Gemeinsam stark – das ist ihr Leitbild.«

Wie wichtig ist die WIZO? »Heute mehr denn je!«, brachte Charlotte Knobloch die übereinstimmende Meinung der Gala-Gäste auf einen Nenner. »Bei meinem letzten Besuch in Israel«, sagte sie vor dem Hintergrund der vielen Krisenherde und des Aufflammens des Antisemitismus, »habe ich zum ersten Mal gespürt, wie sehr Angst und Verzweiflung inzwischen unter den Menschen herrschen.« Umso bemerkenswerter sei es, dass WIZO dem Terror und Hass nichts anderes als Menschlichkeit und Nächstenliebe in Form ganz konkreter Hilfe entgegensetzt. »Sie leisten Herausragendes«, so die IKG-Präsidentin.

Auf die schwierige Lage und den seit Jahrzehnten herrschendem Terror, dem die Menschen in Israel ausgesetzt sind, ging auch Sara Schmerz vom WIZO-Vorstand in ihrer Begrüßungsrede ein. Einen Tag, bevor sie bei der schon lange geplanten Gala ans Mikrofon trat, hatten Terroristen die schrecklichen Anschläge in Paris verübt.

Schwung Die Betroffenheit darüber ließ sich auch bei der glanzvollen »One Night For Children« nicht unter den Teppich kehren, aber Sara Schmerz sprach auch im Namen ihrer WIZO-Mitstreiterinnen, als sie sagte: »Wir weinen, wir trauern, aber wir lassen uns nicht unterkriegen. Das ist unser Selbstverständnis.«

Den Beweis dafür lieferte die Gala mit ihrem Programm selbst. Ein Cocktail-Empfang und Käfers Galadinner, das diesen Namen verdiente, lieferten die Grundlage für einen abwechslungsreichen Abend, dem Showstar Shirel aus Israel einen besonderen Glanzpunkt verlieh. Ihr Duett mit Kantor Moshe Fishel begeisterte alle Gäste. Zusätzlichen musikalischen Schwung lieferte die »Style Music Band«, durch das Programm führte Moderatorin Ilanit Spinner.

Münster

Jüdische Gemeinde wehrt sich gegen israelfeindliche Kundgebung

Gemeindechef Fehr: »Die Antizionisten wollen israelfeindliche Stereotype im öffentlichen Bewusstsein festigen«

 24.07.2020

Gespräch

Bedrohung und Staatsversagen

Der zweite »Jüdische Salon« des Zentralrats der Juden widmet sich Ronen Steinke und seinem neuen Buch

 02.07.2020

Würzburg

Gepäckstücke erinnern

Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde der »DenkOrt Deportationen 1941–1944« eingeweiht

von Stefan W. Römmelt  18.06.2020

Gemeinden

Aktiv und engagiert

Die Zentralwohlfahrtsstelle veröffentlicht ihre Statistik für 2019 – die Zahlen geben wichtige Hinweise

von Heide Sobotka  18.06.2020

Nachruf

Zeitzeuge, Wissenschaftler, Gabbai

Der Medizinhistoriker Gerhard Baader starb im Alter von 91 Jahren in Berlin

von Christine Schmitt  16.06.2020

Hannover

Tausende spenden für Familie

Im Internet wird für Witwe und Kinder von Rabbiner Wolff sel. A. gesammelt – über eine Million Euro sind schon eingegangen

von Michael Thaidigsmann  30.04.2020 Aktualisiert

Jahrestag

In kleinem Rahmen

Zum 75. Jubiläum sollte es große Feiern geben, doch wegen Corona wurde es ein stilles Gedenken

von Eugen El  23.04.2020

Fraenkelufer

Mufleta mit Schwarzwälder Kirsch

Zum Mimounafest treffen sich die Beter virtuell statt in der Synagoge – und backen zusammen

von Ralf Balke  23.04.2020

München

Alle Hände voll zu tun

Steven Guttmann tritt sein Amt als IKG-Geschäftsführer in schwieriger Zeit an. Ein Porträt

von Helmut Reister  23.04.2020