München

Mehr als nur ein Gefühlssozialist

Eine Ausstellung im Stadtmuseum versucht, Kurt Eisner jenseits aller Klischees gerecht zu werden

von Helmut Reister  21.05.2017 20:38 Uhr

Bayerns erster Ministerpräsident Kurt Eisner (1867–1919) Foto: Münchner Stadtmuseum

Eine Ausstellung im Stadtmuseum versucht, Kurt Eisner jenseits aller Klischees gerecht zu werden

von Helmut Reister  21.05.2017 20:38 Uhr

Kurt Eisner, Bayerns erster Ministerpräsident, war nur 105 Tage im Amt, als er am 21. Februar 1919 einem Attentat zum Opfer fiel. In diesen Tagen nun wäre der jüdische Politiker 150 Jahre alt geworden. Die Landeshauptstadt München nimmt den Jahrestag zum Anlass, der Person Eisners und den historischen Ereignissen unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg in einer Veranstaltungsreihe nachzuspüren. Das Münchner Stadtmuseum und die Kuratoren Ingrid Scher und Günter Gerstenberg machten in der vergangenen Woche mit der an Eisners Biografie orientierten Ausstellung Revolutionär und Ministerpräsident – Kurt Eisner (1867–1919) den Anfang.

Das Ziel der Schau beschreiben die Organisatoren wie folgt: Bis in die 90er‐Jahre hinein sei die Person Eisners im historischen Gedächtnis als Idealist und Utopist hängen geblieben, als Mann, der von Politik nichts verstanden habe. »Die Ausstellung hingegen«, so die Kuratoren, »nutzt die Gelegenheit, den gesamten Lebensweg Eisners aufzubereiten und die 105 Tage der Regierung Eisner an der Spitze des Volksstaates Bayern zu thematisieren.«

Tatsächlich zeigt die Schau Kurt Eisner als engagierten Journalisten und Politiker und macht so seinen Weg vom »Gefühlssozialisten« zur prägenden Persönlichkeit der Revolution vom November 1918 nachvollziehbar. In Schlaglichtern gehen die Kuratoren auf die Zeit der politischen Auseinandersetzung ein, die sich um die Frage »Repräsentativer Parlamentarismus oder Räterepublik?« drehte.

Friedensschluss Die Verbindung von sozialer Reform und radikaler politischer Umgestaltung prägte das Denken Eisners, der 1888 der SPD beitrat. 1910 kam er nach München und arbeitete für die SPD‐Zeitung »Münchner Post«. Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs begann er, sich gegen die Kriegsführung des Deutschen Reiches zu engagieren, in der SPD fand er dafür jedoch keinen Rückhalt und wurde schließlich 1917 Mitglied der neu gegründeten Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), die sich für einen sofortigen Friedensschluss einsetzte.

Mit den Stichworten »Frieden« und »Revolution« setzte sich Eisner nach dem Krieg an die Spitze einer Protestbewegung aus Arbeitern und Soldaten, die am 7. November 1918 bei einer Kundgebung auf der Theresienwiese ihre Bereitschaft zum Umsturz zum Ausdruck brachte. Noch in der gleichen Nacht proklamierte Eisner die Gründung der Bayerischen Republik. Damit wurde er der erste Ministerpräsident des Volksstaates Bayern.

Mit seinen außen‐ und friedenspolitischen Vorstellungen konnte sich Eisner im Kabinett allerdings nicht durchsetzen und brachte sowohl bürgerlich‐konservative und rechte Gruppierungen als auch weit links stehende Politiker gegen sich auf. Die Ära Eisner endete am 21. Februar 1919: Auf dem Weg zum Bayerischen Landtag wurde er von Anton Graf von Arco auf Valley erschossen. Arco gehörte zum Umfeld des nationalistischen und antisemitischen Geheimbunds »Thule‐Gesellschaft«.

»Revolutionär und Ministerpräsident – Kurt Eisner (1867–1919)«. Bis 8. Oktober im Münchner Stadtmuseum

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