Frankfurt am Main

Makkabäer in Partylaune

Tanz auf engstem Raum Foto: Rafael Herlich

Wenn 64 Quadratmeter als Tanzfläche nicht ausreichen – dann ist Makkabi-Time! Rund 600 feierfreudig Gäste – vor allem aus Frankfurt, aber auch aus der näheren und weiteren Umgebung von Heilbronn bis Nürnberg – waren am vergangenen Samstagabend zur Makkabi-Chanukka-Gala ins Frankfurter Marriott Hotel gekommen. Bereits von außen weithin sichtbar: zwei überdimensionierte Makkabi-Flaggen.

Alon Meyer, der Vorsitzende des TuS Makkabi Frankfurt und frisch gewählter Präsident von Makkabi Deutschland, freute sich über diese demonstrative jüdische Präsenz: »68 Jahre nach den Gräueltaten der Nazis ist es schön, einen jüdischen Verein hier so versammelt zu sehen«, sagte er in seiner Eröffnungsansprache.

Allzu sentimental wurde Meyer in seiner Rede allerdings nicht. Schließlich ging es darum, Makkabi zu feiern: »Wir haben immer mehr Sportarten im Programm und auch etliche sportliche Erfolge zu verzeichnen!«, lobte Meyer und verwies besonders auf die Leistungen der Basketballer und der Schachspieler. Stolz ist der dreifache Vater auch auf die Präsenz »seiner« Makkabäer beim Europa-League-Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Tel Aviv: »Mit 350 Zuschauern haben wir allen gezeigt, dass wir da sind.«

fussballprofi Als Ehrengäste der diesjährigen Makkabi-Chanukka-Gala begrüßte Alon Meyer den ehemaligen Eintracht-Erstligaprofi und Ex-Makkabäer Faton Toski und den hessischen Starkoch Mirko Reeh – allen voran aber »die Makkabäer selbst«. Besonders dankte er den Trainern, von denen allein in der Fußball-Abteilung 20 ehrenamtlich mitarbeiteten. Dass der Makkabi-Chef sich selbst ebenfalls zu den Ehrengästen zählen durfte, wurde spätestens nach Mitternacht klar, als die Makkabäer rhythmisch »Es gibt nur einen Alon Meyer!« skandierten.

(Mit)gesungen wurde an diesem Abend ohnehin viel – dank der glänzend aufgelegten Showband »Festival«: Vom israelischen Hit Abanibi des Eurovision Song Contest 1978 über Nenas Partyklassiker 99 Luftballons und den Gangnam Style bis hin zu russischen Hits wie Kalinka erschien das Repertoire der Pariser Musiker nahezu unerschöpflich. Und die Gäste gingen mit – auf der Tanzfläche, zogen in einer langen Schlange zwischen Tischen hindurch und um den Saal herum.

Stammpublikum Dass auch Alter nicht vor Bewegungsdrang schützt, bewies Azriel Neumark. Der 67-jährige »Makkabäer der ersten Generation«, wie er sich selbst bezeichnete, und seine Frau Tami waren kaum zu stoppen. Früher habe er Fußball gespielt, erzählte Neumark, jetzt Schach. Die Eheleute sind treue Gäste beim Makkabi-Ball: »Wir feiern damit auch unseren Hochzeitstag«, verrät Tami Neumark.

Rund 200 bis 300 solcher »Stammgäste« gebe es, bestätigt Meyer. Werbung für die Gala habe Makkabi in diesem Jahr kaum machen müssen: »Die Nachfrage ist groß und die Platzkapazität begrenzt – wir wollten nicht zu viele abweisen müssen«, erklärt Alon Meyer die Zurückhaltung. Die Organisation dieser »Prestigeveranstaltung«, wie der Makkabi-Chef sie nennt, weil »finanziell nichts hängen bleibt«, sei zwar »sehr aufwändig«, aber er könne fest auf Helfer mit langjähriger Erfahrung zählen. »Wir sind ein eingespieltes Team. Jede und jeder kennt seine und ihre Aufgaben.«

Sportarten Makkabi Frankfurt ist neben München und Düsseldorf eine der größten Gruppen in der deutschen Makkabi-Familie. Von Ballsportfrühgewöhnung für Kinder über Dart, Judo, Krav Maga bis Qigong und Zumba bietet der jüdische Sportverband in der Mainmetropole 40 unterschiedliche Sportarten an. Im Bereich Jugendfußball sind die Makkabäer auch über die Stadtgrenzen hinaus erfolgreich. Trainiert wird zu allen Jahreszeiten, zum Beispiel schon bald beim Tennis-Wintercamp vom 6. bis 10. Januar 2014.

Deutlich größere Aufgaben als diese Gala erwarten Alon Meyer bei der Vorbereitung für den August 2015: Dann nämlich werden – unter seiner Ägide als deutscher Makkabi-Präsident – in Berlin die European Maccabi Games stattfinden. Und eines ist jetzt schon klar: Zur Abschlussfeier dann muss die Tanzfläche deutlich größer sein als die in Frankfurt, und die rund 1000 Sportler müssen Ausdauer mitbringen. Es ging bis drei Uhr nachts.

Münster

Jüdische Gemeinde wehrt sich gegen israelfeindliche Kundgebung

Gemeindechef Fehr: »Die Antizionisten wollen israelfeindliche Stereotype im öffentlichen Bewusstsein festigen«

 24.07.2020

Gespräch

Bedrohung und Staatsversagen

Der zweite »Jüdische Salon« des Zentralrats der Juden widmet sich Ronen Steinke und seinem neuen Buch

 02.07.2020

Würzburg

Gepäckstücke erinnern

Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde der »DenkOrt Deportationen 1941–1944« eingeweiht

von Stefan W. Römmelt  18.06.2020

Gemeinden

Aktiv und engagiert

Die Zentralwohlfahrtsstelle veröffentlicht ihre Statistik für 2019 – die Zahlen geben wichtige Hinweise

von Heide Sobotka  18.06.2020

Nachruf

Zeitzeuge, Wissenschaftler, Gabbai

Der Medizinhistoriker Gerhard Baader starb im Alter von 91 Jahren in Berlin

von Christine Schmitt  16.06.2020

Hannover

Tausende spenden für Familie

Im Internet wird für Witwe und Kinder von Rabbiner Wolff sel. A. gesammelt – über eine Million Euro sind schon eingegangen

von Michael Thaidigsmann  30.04.2020 Aktualisiert

Jahrestag

In kleinem Rahmen

Zum 75. Jubiläum sollte es große Feiern geben, doch wegen Corona wurde es ein stilles Gedenken

von Eugen El  23.04.2020

Fraenkelufer

Mufleta mit Schwarzwälder Kirsch

Zum Mimounafest treffen sich die Beter virtuell statt in der Synagoge – und backen zusammen

von Ralf Balke  23.04.2020

München

Alle Hände voll zu tun

Steven Guttmann tritt sein Amt als IKG-Geschäftsführer in schwieriger Zeit an. Ein Porträt

von Helmut Reister  23.04.2020