Streit

Machlojkes in Mainz

Raus oder rein? Stella Schindler-Siegreich an der Eingangstür des neuen Gemeindezentrums Foto: ddp

Bereits seit einem Vierteljahr ziehen sich nun schon die Querelen um den Vorsitz der Jüdischen Gemeinde Mainz hin. Zunächst war der Wahltermin am 30. Juni wegen eines Fehlers im Prüfbericht und den anschließenden Diskussionen geplatzt. Ein neuerlicher Termin war für den 25. August anberaumt und die Vorsitzende Stella Schindler-Siegreich dabei mit 137 zu 122 Stimmen in ihrem Amt bestätigt worden.

Als Gegenkandidat war Peter Waldmann, der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, angetreten. Die Diskussion während der Mitgliederversammlung, bei der gewählt wurde, so schrieb die beobachtende Mainzer Allgemeine am nächsten Tag, sei »über weite Strecken geprägt von Aggression und Anschuldigungen« gewesen. Nicht zuletzt der Grund, warum Schindler-Siegreich wohl den Frankfurter Rechtsanwalt Marc Grünbaum gebeten hatte, als »neutrale« Person die Sitzung zu leiten.

Teilnahme »Sie hatte mich im Vorfeld gefragt, und nachdem ich meine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert hatte, hat sie die anderen Vorstandsmitglieder darüber informiert, die alle ihr Einverständnis gaben«, sagte Grünbaum der Jüdischen Allgemeinen. Aber genau dieser Umstand wird nun von einem »langjährigen Vorstandsmitglied« moniert. Grünbaum gehöre nicht der Mainzer Gemeinde an und habe laut Satzung an der Versammlung nicht teilnehmen dürfen. Der Anwalt des Klägers, Stephan Kern, habe daher Klage erhoben. Ziel ist es, die Mitgliederversammlung vom 25. August, bei der Schindler-Siegreich im Amt bestätigt worden war, für nichtig zu erklären.

Kern forderte laut Bericht der Mainzer Allgemeinen das Schiedsgericht des Landesverbands auf, sich »schnellstmöglich« mit der Angelegenheit zu befassen. In der Klageschrift werde außerdem darauf hingewiesen, dass sich statt der 253 ausgegebenen Wahlzettel einer mehr in der Wahlurne befunden habe. Da ein Gemeindemitglied seinen Wahlzettel auch noch mit nach Hause genommen habe, seien »in der Wahlurne mindestens zwei Wahlzettel mehr gewesen«, als es hätten sein dürfen. Außerdem seien die Einladungen zu der Versammlung nicht ordnungsgemäß erfolgt.

Amtszeit
Stella Schindler-Siegreich war 2004 erstmals zur Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Mainz gewählt worden. Auch dieser Wahl waren jahrelange Streitigkeiten um den Gemeindevorsitz vorangegangen. In ihrer Amtszeit konnte Schindler-Siegreich den Synagogenbau verwirklichen und zwischenzeitlich einen Rabbiner einstellen. Peter Waldmann führt den Landesverband seit 2002. Der Kulturwissenschaftler, Komparatist, Philosoph und Privatdozent sagte, dass er lange glaubte, sich loyal verhalten zu müssen. In letzter Zeit habe er aber zunehmend Entscheidungen von Schindler-Siegreich missbilligt.

 

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