Jom Haschoa

»Kampf um die Ehre«

Kränze vor dem Gemeindehaus Foto: Susanne Tessa Müller

Die Jüdische Gemeinde in Berlin hat am Montag an den 70. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto im Frühjahr 1943 erinnert. Der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland (SPD), würdigte während der Gedenkstunde im Gemeindehaus in der Fasanenstraße den Mut der Juden, die den Aufstand wagten, obwohl jeder Widerstand gegen die deutschen Besatzer im Ghetto zwecklos erscheinen musste. »Die Juden wollten bestimmen, wie sie sterben wollten – als freie Menschen«, sagte Wieland.

Der SPD-Politiker betonte, obwohl die deutsche Nachkriegsgeneration keine Schuld an der Schoa treffe, sei die historische Verantwortung der Deutschen für den Völkermord bleibend, »gestern, heute, morgen«. Er forderte neue Strategien gegen Antisemitismus. Gerade an den Schulen sei Arbeit in dieser Richtung wichtig. Dass man in Umfragen bei etwa 20 Prozent der Deutschen auf latent antisemitische Einstellungen treffe, sei »nicht hinnehmbar«, so Wieland.

Ehre Gemeindevorsitzender Gideon Joffe erinnerte an die letzte Reichstagsrede des SPD-Politikers Otto Wels, der sich am 23. März 1933 geweigert hatte, dem Ermächtigungsgesetz der Nazis zuzustimmen: »Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.« Die aufständischen Juden im Warschauer Ghetto hätten nicht um ihr Leben, sondern um ihre Ehre gekämpft. Es sei »der gerechteste Kampf in der Geschichte der Menschheit« gewesen, sagte Joffe.

Zu der Gedenkstunde im Großen Saal des Gemeindehauses kamen etwa 250 Menschen. Die Toten- und Gedenkgebete hielten Rabbiner Yitshak Ehrenberg und Kantor Isaac Sheffer. Im Anschluss an die Feier wurde vor dem Gemeindehaus begonnen, die Namen aller 55.696 ermordeten Berliner Juden zu verlesen.

Holocaust-Gedenktag Der Jom Haschoa (hebräisch für »Tag der Schoa«) ist seit 1951 der Holocaust-Gedenktag in Israel. Wegen des jüdischen Kalenders variiert sein Datum. Er liegt aber immer um den 19. April herum, den Beginn des Aufstands im Warschauer Ghetto 1943. Damals waren rund 1100 der im Ghetto lebenden Juden in der Lage, sich mit Gewalt gegen den Abtransport in die nationalsozialistischen Vernichtungslager zu wehren. Der Aufstand wurde schließlich von den Nazis durch Massenerschießungen und Großbrände niedergeschlagen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) forderte anlässlich des Jahrestages des Ghetto-Aufstandes mehr Einsatz für Demokratie. »Allein der demokratische Staat und eine engagierte Zivilgesellschaft sind Gewähr dafür, dass sich Ähnliches niemals wiederholt«, sagte Wowereit am Montag in Berlin. (mit epd)

Gespräch

Bedrohung und Staatsversagen

Der zweite »Jüdische Salon« des Zentralrats der Juden widmet sich Ronen Steinke und seinem neuen Buch

 02.07.2020

Würzburg

Gepäckstücke erinnern

Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde der »DenkOrt Deportationen 1941–1944« eingeweiht

von Stefan W. Römmelt  18.06.2020

Gemeinden

Aktiv und engagiert

Die Zentralwohlfahrtsstelle veröffentlicht ihre Statistik für 2019 – die Zahlen geben wichtige Hinweise

von Heide Sobotka  18.06.2020

Nachruf

Zeitzeuge, Wissenschaftler, Gabbai

Der Medizinhistoriker Gerhard Baader starb im Alter von 91 Jahren in Berlin

von Christine Schmitt  16.06.2020

Hannover

Tausende spenden für Familie

Im Internet wird für Witwe und Kinder von Rabbiner Wolff sel. A. gesammelt – über eine Million Euro sind schon eingegangen

von Michael Thaidigsmann  30.04.2020 Aktualisiert

Jahrestag

In kleinem Rahmen

Zum 75. Jubiläum sollte es große Feiern geben, doch wegen Corona wurde es ein stilles Gedenken

von Eugen El  23.04.2020

Fraenkelufer

Mufleta mit Schwarzwälder Kirsch

Zum Mimounafest treffen sich die Beter virtuell statt in der Synagoge – und backen zusammen

von Ralf Balke  23.04.2020

München

Alle Hände voll zu tun

Steven Guttmann tritt sein Amt als IKG-Geschäftsführer in schwieriger Zeit an. Ein Porträt

von Helmut Reister  23.04.2020

Dortmund

Jüdische Grundschule geplant

Stadtverwaltung hat Projekt bereits gebilligt – schon kommendes Jahr könnte Einrichtung für 180 Kinder öffnen

von Michael Thaidigsmann  22.04.2020