Max Mannheimer

In der Tradition Kandinskys

Max Mannheimer übergibt Brigitte Salmen vom Schloßmuseum Murnau seine Hinterglasmalerei. Rechts: Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting Foto: Marina Maisel

Max Mannheimer, der das nationalsozialistische Höllenfeuer in mehreren Konzentrationslagern, darunter Auschwitz, überlebt hat, kämpft bis zum heutigen Tag gegen das Vergessen. Er veröffentlicht Texte, hält Vorträge, besucht Schulen und engagiert sich in vielfältiger Weise, zum Beispiel im Internationen Dachau-Komitee, dessen Vizepräsident er ist. Zu den vielen Facetten, die die Persönlichkeit von Max Mannheimer prägen, gehört aber auch sein großes, von der Öffentlichkeit erst spät entdecktes künstlerisches Talent.

Wie viele Gemälde Max Mannheimer in seinem Leben angefertigt hat, weiß nicht einmal er selbst genau. »Angefangen damit habe ich in den 50er-Jahren. Seitdem mögen es etwa 2000 Werke geworden sein«, lautet seine Über-den-Daumen-Schätzung. Eines dieser Bilder, eine Hinterglasmalerei, die in den 80er-Jahren entstand, hat er in der vergangenen Woche dem Schloßmuseum Murnau – genauer: der Privatstiftung des Museums – als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Dem Wunsch, es zu überlassen, ist Max Mannheimer gerne nachgekommen.

Expressionismus Ein Grund, der seine Bereitschaft beflügelt hat, dem Schloßmuseum das Werk zu überlassen, ist die Tatsache, dass dort auch ein Werk von Wassily Kandinsky hängt, Mannheimers großes Vorbild. »Jetzt trennen uns nur ein Stockwerk und ein paar Meter voneinander«, sagt der Künstler schmunzelnd über die plötzliche Nähe zum weltbekannten Expressionisten. Die Art seines eigenen künstlerischen Schaffens beschreibt Mannheimer mit einfachen Worten: »Ich male nicht, ich vermähle Farben.« Das macht er unter dem Künstlernamen Ben Jakov – als Hommage an seinen von den Nazis ermordeten Vater.

Max Mannheimer macht kein Geheimnis daraus, was die Triebfeder für seine ersten Versuche mit Pinsel und Leinwand war: »Für mich war Malen eine überlebensnotwendige Therapie. Meine Erinnerungen bestanden damals, wenige Jahre nach Ende des Weltkriegs, nur aus Schrecken, Gräueltaten und Tod. Malen eröffnete, wenigstens kurzzeitig, eine andere gedankliche Ebene und war ein Weg aus Schmerzen und Depression.«

Rund 20 Jahre dauerte es, bis Werke von Max Mannheimer 1975 in München zum ersten Mal öffentlich zu sehen waren. Danach stellte er sie in Zürich aus, ein paar Mal noch in München, in seiner Geburtsstadt Novy Jicin und im ehemaligen KZ Dachau. Seine Bilder, erwachsen aus den persönlichen Erlebnissen, der Verarbeitung des Traumas und der Inspiration durch Kandinsky, sind von leuchtender Kraft. Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting, der Mannheimer um Eintragung ins Goldene Buch bat, hob einen Punkt besonders hervor: Das versöhnliche Element, das die Person Mannheimers ausmache, sei auch in seinen Werken erkennbar.

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