Frankfurt

Im Herzen des deutschen Sports

Unter Mithilfe von Makkabi-Chef Alon Meyer bringen die Rabbiner Avichai Apel (2.v.l.) und Julian-Chaim Soussan (r.) die Mesusa am neuen Büro von Makkabi an. Foto: Rafael Herlich

Die Farben Blau und Weiß dominieren an diesem Morgen den Empfangssaal im »Haus des Deutschen Sports« in Frankfurt. Die Räume sind mit blau-weißen Fähnchen dekoriert, und selbst eine stattliche Anzahl Kippot in den Farben und mit dem Emblem von Makkabi liegen für die Feierlichkeit bereit. Ein Klarinettist begleitet das Eintreffen der Gäste.

Makkabi Deutschland hat eine neue Adresse: Otto-Fleck-Schneise 12. Gleich hinter der Frankfurter Commerzbank-Arena hat der Verein sein neues Büro bezogen. Eine prestigeträchtige Adresse: Hier residieren der Deutsche Olympische Sportbund, die Deutsche Olympische Akademie und die Deutsche Sportjugend. Die Zentrale des Fußballbundes ist gleich um die Ecke. »Makkabi Deutschland ist angekommen«, freut sich sein Präsident Alon Meyer, »jetzt auch physisch«.

Selbstverständnis Das neue Büro ist für Alon Meyer mehr als nur ein Umzug innerhalb Frankfurts. Makkabi verlasse den Hinterhof, der Einzug in das »Haus des Deutschen Sports« stehe für ein neues offenes, deutsch-jüdisches Selbstverständnis – für die Ankunft in der Mitte und als Teil der deutschen Sportlandschaft. Mit seinen 37 Vereinen sei Makkabi die Heimat der deutschen jüdischen Sportler. Gefeiert wurde das mit dem Anbringen der Mesusa am Türrahmen der neuen Geschäftsstelle. Eine Bitte um den Haussegen und öffentliches Bekenntnis zum jüdischen Glauben. »Das ist wieder möglich in Deutschland«, sagt Meyer.

Michael Vesper, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes, ist stolz auf die neuen Mieter im Haus und heißt sie herzlich willkommen. Auch er betont, dass Makkabi im »Herzen des deutschen Sports« angekommen sei. »Das ist ein Stück Normalität, die außergewöhnlich ist und der Beginn für eine tolle Zusammenarbeit«, so Vesper.

Teamgeist Für Uwe Becker, Bürgermeister der Stadt Frankfurt und Freund der jüdischen Gemeinde, ist es ein »Tag zum Feiern«. Sport baue auf einem Fundament aus Teamgeist und Miteinander auf und bedeute immer auch Integration. »Makkabi trägt dazu bei, dass Frankfurt seinen Namen als Sportstadt zu recht trägt«, unterstreicht Becker.

Über die neuen Nachbarn freut sich Rainer Koch, Vertreter des Deutschen Fußballbundes. Es sei wichtig, dass Makkabi an diesem, für den Sport so bedeutsamen Ort, neue Räume bezogen habe, erklärt er und bringt als Geschenk ein Trikot der Fußballnationalmannschaft mit den Unterschriften der Spieler mit.

Mit einem derartigen Geschenk, scherzt Katharina von Schnurbein, könne die EU nicht aufwarten, aber immerhin ist sie als Vertreterin der Europäischen Kommission extra aus Brüssel angereist. Von Schnurbein ist Antisemitismus-Beauftragte der EU. Für sie liegt die »Wiege der jüdischen Sportbewegung in Deutschland«, und in die Mitte dieser Sportlandschaft sei sie zurückgekehrt, freut sich von Schnurbein.

Vorbild Makkabi sei ein Vorbild für den Sport in Europa und 2016 für seine Arbeit mit Flüchtlingen mit dem Europäischen Preis für soziale Integration durch Sport ausgezeichnet worden. Der Anstieg antisemitischer und antieuropäischer Kräfte bedrohe jedoch die Gemeinschaft. Die EU-Beauftragte bezeichnet es als schockierend, dass Juden – vor allem in Frankreich oder auch Belgien – wieder darüber nachdenken, ob sie in Europa noch eine Zukunft haben.

Dass Makkabi die Mesusa an der Tür zu seinem neuen Büro anbringen lässt, bezeichnet Rabbiner Julian-Chaim Soussan als das »richtige Zeichen« und ein öffentliches Bekenntnis zu religiösen Werten. Zusammen mit seinem Rabbiner-Kollegen Avichai Apel begleitet Soussan die Zeremonie. Sport stehe für Respekt, Freundschaft und die Fähigkeit, »dem Gegner die Hand zu schütteln«, betont Julian-Chaim Soussan. Das sei ein Symbol für Toleranz und ein gemeinsames Ziel.

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