Düsseldorf

Hip und bunt an Rhein und Ruhr

Für die gute Stimmung bei der Eröffnung sorgte unter anderem das Jugendzentrum »Kadima«. Foto: Simon Vilk

Mit stimmungsvollen Musikeinlagen, modern gestalteten Kurzfilmen, abwechslungsreichen Reden und einer Location, die dem Motto der Kulturtage gerecht wurde, starteten am vergangenen Donnerstag die Jüdischen Kulturtage Rhein-Ruhr 2019. Gefeiert wurde der Auftakt des mehr als zwei Wochen dauernden Festivals in einem Veranstaltungssaal mitten in der Düsseldorfer Altstadt, wo sich sonst Jugendliche zum Tanzen und Düsseldorfer Brauchtums- und Karnevalsvereine zum Feiern treffen. Der Auftakt des Kulturfestivals nahm auf der Ratinger Straße neben Brauhaus und Museen, nah am Rhein, mitten drin im Düsseldorfer Leben, Fahrt auf.

»Wir bringen die Kulturtage in die Stadt«, sagte Oded Horowitz, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein, in seiner Ansprache. »Zuhause – Jüdisch. Heute. Hier.« lautet das selbstbewusste Motto der fünften Kulturtage für die Region mit der größten jüdischen Gemeinschaft bundesweit.

Das fünfte Kulturfestival in NRW setzt auf Vielfalt jüdischen Lebens und jüdischer Kultur.

Ministerpräsident Knapp 400 Gäste waren geladen, darunter Vertreter der beteiligten jüdischen Gemeinden sowie der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), der die Schirmherrschaft übernommen hatte. Der Kulturattaché der Israelischen Botschaft, Tsach Saar, Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel, Gisèle Spiegel, Witwe des früheren Zentralratspräsidenten und Mitglied im Gemeinderat der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, waren einige der prominenten Gäste.

Ministerpräsident Armin Laschet nahm in seiner Ansprache Bezug auf das wachsende Interesse junger Juden aus Israel und den USA, nach Berlin auszuwandern. »Die Welt hat noch nicht verstanden – das viel hippere, buntere Leben findet an Rhein und Ruhr statt!«, sagte Armin Laschet mit Schmunzeln und ergänzte als NRW-Landesvater nicht ohne Stolz: »Auch dieses Land ist zunehmend ein Ort für Kreative.« Das zeigt sich in dem mehr als 100 Seiten starken Programmheft der Jüdischen Kulturtage Rhein-Ruhr mit 220 Veranstaltungen in 15 Städten.

Die Jüdischen Kulturtage
haben das Potenzial, Menschen
über Orts- und Religionsgrenzen
hinweg zusammenzuführen.

Ob Begegnungsfest mit Klezmermusik oder koschere Weinverkostung, ob muslimisch-jüdisches Begegnungsprojekt oder Lesungen mit Autoren wie Irene Dische oder Max Czollek, ob Party, klassische Musik oder Schabbatfeier – das fünfte Kulturfestival in NRW setzt auf Vielfalt jüdischen Lebens und jüdischer Kultur.

Potenzial Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel betonte in seiner Ansprache, dass die Jüdischen Kulturtage das Potenzial hätten, Menschen über Orts- und Religionsgrenzen hinweg zusammenzuführen, und wünschte dem Festival nicht nur für die Düsseldorfer Veranstaltungen zahlreiche Gäste. Allein in der Landeshauptstadt Düsseldorf finden 67 Veranstaltungen statt.

Zu Beginn seiner Rede ging Geisel auf einen aktuellen Vorfall des Tages ein: Unbekannte hatten ein Hakenkreuz auf die Gedenktafel geschmiert, die an die in der Pogromnacht zerstörte Alte Synagoge in der Kasernenstraße erinnert. Ein ukrainisches Filmteam, das über die Eröffnung der Jüdischen Kulturtage berichtete, hatte diese antisemitische Schmiererei entdeckt. OB Geisel verurteilte den Vorfall: »Das ist ein ganz beschämender Vorgang.« Er forderte die Stadtgesellschaft auf, zusammenzustehen gegen solche Vorkommnisse.

Thomas Geisel betonte des Weiteren das »gute, vertrauensvolle Verhältnis zwischen der Stadt, der Stadtgesellschaft und der hiesigen jüdischen Gemeinde«, das ihm ein besonderes Anliegen sei. Dieses Miteinander habe sich auch beim »Wagen der Toleranz« gezeigt, dem gemeinsamen Karnevalswagen beim Rosenmontagszug in diesem Jahr, den die verschiedenen Religionsgemeinschaften gemeinsam initiiert hatten.

Insgesamt elf Filme werden bis zum 14. April zu sehen sein, darunter sind fünf Deutschlandpremieren.

Zum Auftakt und zur Auflockerung des Abends spielte die Band »Polly Flow«; sie wird im Rahmen des Festivals weitere Auftritte haben. Zum Abschluss präsentierte eine Gruppe des Düsseldorfer Jugendzentrums »Kadima« ihren musikalischen Beitrag zur letzten Jewrovision, mit dem sie in Frankfurt den zweiten Platz erreicht hatten, erstmals in Düsseldorf – ihr Lied »It’s Jewish Life« erzählte aus ihrem Leben und passte gut zur Festivalintention. Zu jedem Buchstaben des Alphabets war ein Plakat gestaltet worden – von A wie Angekommen bis Z wie Zuhause.

Filmfestival Dazwischen auch F wie Filmfestival. Denn das 14. Paul-Spiegel-Filmfestival »Jüdische Welten« ist in diesem Jahr fester Bestandteil der Jüdischen Kulturtage. Das von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf organisierte Filmfestival startet am 4. April mit dem preisgekrönten ungarischen Film 1945, der sich mit dem Antisemitismus nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzt.

Insgesamt elf Filme werden bis zum 14. April zu sehen sein, darunter sind fünf Deutschlandpremieren. »Da ist sehr viel Entertainment dabei, ob Kriminaldrama, Liebeskomödie oder Zeichentrickfilm, sehr verschieden, sehr interessant«, machte die Kuratorin Polina Ivanova Werbung für das Festival.

Zum Beispiel die deutsch-israelische politische Komödie Nach 90 Minuten Abpfiff: Hier soll ein Fußballspiel zwischen Israelis und Palästinensern entscheiden, wem das Land zugesprochen wird – eine ungewöhnliche, karikierende Annäherung an den Nahostkonflikt mit dem Schauspieler Detlev Buck in der Rolle des Trainers.

Zum Abschluss des Festivals laufen unter dem Titel »Zeitzeugen« drei Kurzfilme, die inhaltlich miteinander verwoben sind.

Frauen Die israelische Tragikomödie Frauenempore befasst sich mit der Stellung der Frau in der Gemeinde. »Ein Frauenbewegungsfilm, der in einer kleinen religiösen Gemeinschaft spielt«, fasst Polina Ivanova zusammen.

Eine Frau steht auch im Mittelpunkt des Films Äpfel aus der Wüste, einer Liebesgeschichte, die den Konflikt zwischen Eltern und Kindern sowie den Konflikt zwischen religiöser und säkularer Welt behandelt. Zum Abschluss des Festivals laufen unter dem Titel Zeitzeugen drei Kurzfilme, inhaltlich miteinander verwoben, ebenso in Vergangenheit und Gegenwart, in besonderer Machart aus der Perspektive von Schuhen, einem Hund und einer Geige gedreht. Alle drei Filme waren für den Oscar nominiert.

Ausstellung

Neue Heimat

»¿¡Angekommen!?« widmet sich zugewanderten jüdischen Künstlern

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Dresden

Gedenken an Pogromnacht

Nora Goldenbogen appelliert, Erinnerung an die Gräueltaten der Nationalsozialisten mahnend wachzuhalten

 10.11.2019

Konstanz

Neue Synagoge eingeweiht

Zentralratsvizepräsident Lehrer: »Zeichen für jüdische Zukunft«

 10.11.2019

Porträt der Woche

»Ich bin der Letzte«

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von Tobias Kühn  10.11.2019

Saarbrücken

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