Stuttgart

Harfe, Cello, Violine

Maria Molchanov errang einen ersten Preis. Foto: Brigitte Jähnigen

Musik trägt über alle Grenzen. Zum 13. Mal fand in der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) der Internationale Karl-Adler-Jugend-Musikwettbewerb statt. Während der Jahre der Weimarer Republik war Karl Adler (1890–1973) eine prägende Persönlichkeit des Stuttgarter Musiklebens und einer der bekanntesten Musikwissenschaftler.

Mehr als 60 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus Israel, der Schweiz und Moldawien sowie aus Deutschland, unter ihnen die Stuttgarterinnen Anna und Maria Molchanov, präsentierten in diesem Jahr einer internationalen Jury ihr Können. Ihr gemeinsames Motiv fasst Samuel Amadeus Weilacher zusammen: »Man erhofft sich immer einen Preis.« Bei den Preisträgern zu sein, präzisiert der 17-jährige Cellist, bedeute, noch mehr Bekanntheit zu erlangen, zu anderen Wettbewerben eingeladen zu werden.

Schostakowitch Samuel Amadeus Weilacher hatte Kompositionen von Györgi Ligeti, Luigi Boccherini und Dmitri Schostakowitsch mitgebracht. Für Zuhörer mag sich das Cellokonzert Nr. 1 Op. 107 von 1959 etwas sperrig anhören – Cellisten lieben es. »Ich bin sehr von Schostakowitschs Musik angetan, es macht so viel Freude, sie zu spielen«, sagt Weilacher und präsentiert Zuhörern und Jury den 4. Satz aus dem Cellokonzert.

In der ersten Reihe im Vortragssaal sitzt Emmanuel Grigori Schulze. Der Elfjährige ist aus Frankfurt an der Oder nach Stuttgart gekommen. Auch er spielt Violoncello, ist ebenso fasziniert von Schostakowitschs Werk und gibt sich dem Vortrag von Samuel Weilacher hin. »Das, was der Samuel jetzt spielt, ist mein Lieblingsstück«, bekennt Emmanuel.

Emmanuel Grigori Schulze ist elf Jahre alt und spielt Violoncello.

In Frankfurt wird er von Thomas Georgi unterrichtet. »Der ist so nett und kommt oft zu mir nach Hause, manchmal üben wir auch in der Konzerthalle«, erzählt der Elfjährige. Das Cello kam in sein Leben, als er fünf Jahre alt war. »Alle in meiner Familie haben ein Instrument gespielt, ich wollte unbedingt Cello spielen und wusste damals noch nicht richtig, was das ist«, erzählt der Junge. Die Familie kam seinem Wunsch nach. »Ich hab’s probiert und gespürt, wie frei das klingt, wie es brummt«, sagt er. Jetzt gibt es außer der Schule eigentlich nur noch das Cello in seinem Leben.

Freizeit Zwei Meisterkurse bei Professor David Grigorian hat er schon besucht, ein dritter steht im Oktober dieses Jahres an. Mit seinem Violoncello ist Emmanuel »eins«. Er spüre das Klopfen des Herzens, genießt das Spiel. Dafür verzichtet er auf andere Freizeitbeschäftigungen. Dass ein Musiker wie er keinen Sport machen kann, ist klar: Die Verletzungsgefahr ist einfach zu groß.

Für seinen überzeugenden Vortrag, zu dem auch das Allegro aus der Sonate Op. 40 von Dmitri Schostakowitsch gehört, bekommt Emmanuel Grigori Schulze einen 1. Preise für außergewöhnliche Leistungen – ein weiterer Schritt zu einer vermutlichen Profikarriere.

Samuel Amadeus Weilacher aus Filderstadt hat seine Konzertreife schon vor Jahren bewiesen. Er ist Mitglied im Bundesjugendorchester und gehört zum Streicherensemble LGT Young Solists in der Schweiz. Als nächste Konzerte stehen Auftritte beim Rheingau Musikfestival und in der Elbphilharmonie Hamburg an. »Ich liebe das Reisen«, sagt der 17-Jährige. Parallel dazu bewirbt er sich gerade über eine Begabtenprüfung für das Bachelorstudium an der Musikhochschule Trossingen, Hauptfach Violoncello.

Musikakademie »Wir haben so viele hoch begabte Bewerber für den Internationalen Karl-Adler-Jugend-Musikwettbewerb«, resümiert Margarita Volkova-Mendzelevskaya, künstlerische Leiterin des Wettbewerbs seit 2006. Den Wettbewerbsvortrag von Samuel Weilacher belohnte die Jury mit dem Preis der Internationalen Musikakademie Nigun e.V.

Samuel Amadeus Weilacher darf gemeinsam mit dem Kammerorchester Nigun auftreten.

Gemeinsam mit dem Kammerorchester Nigun und Taisia Schuk (Violine) wird der 17-Jährige als Solist bei einem Konzert auftreten. Der Zentralrat der Juden in Deutschland und die IRGW beteiligen sich neben vielen weiteren Sponsoren am Preisträger-Fonds. »Ohne den«, sagt Volkova-Mendzelevskaya, »kann der Wettbewerb nicht stattfinden.« Er sei aus der musikalischen Landschaft nicht mehr wegzudenken, eine wunderbare Möglichkeit zur Förderung musikalischer Talente, sagt die leidenschaftliche Künstlerin.

Das Konzert der Preisträger findet am 14. Juli um 15 Uhr im Gemeindesaal der IRGW statt.

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