Konstanz

Getrennt marschieren, vereint beten

Aufbruchstimmung: Sonnenaufgang im Hafen von Konstanz Foto: imago

»Die Sache ist durch.« Diese optimistische Einschätzung wagt Wolfgang Fuhl, Oberrats‐Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft (IRG) Baden in Karlsruhe, angesprochen auf den geplanten Synagogen‐Neubau in Konstanz. Denn nachdem im vergangenen Herbst nochmals neue Probleme aufgetaucht waren, weil sich die beiden jüdischen Gemeinden, die Israelitische Kultusgemeinde Konstanz (IKG) und die Jüdische Gemeinde Konstanz (JGK), entgegen den Plänen aus Karlsruhe nicht fusionieren lassen wollten, erging nun das Urteil des seinerzeit von der IRG angerufenen Schiedsgerichts des Zentralrats der Juden in Deutschland. Das Gericht erlaubte in seinem Spruch die Vereinigung der beiden Gemeinden, gegen die sich vor allem die JGK aus grundsätzlichen Bedenken ausgesprochen hatte.

Damit soll sich vereinen, was sich in einem Streit getrennt hatte. Denn die Gründung der liberalen JGK war Folge des Diskurses, den der Oberrat vor einigen Jahren mit den damaligen IKG‐Präsidenten Gideon und Benjamin Nissenbaum ausgetragen hatte. Heute sagt Fuhl dazu, schon damals habe man den Mitgliedern der JGK reinen Wein eingeschenkt: Zwei Gemeinden am Bodensee für 400 Juden, »das kann und darf kein Dauerzustand sein«.

Fusion Entsprechend zügig möchte Wolfgang Fuhl schon im ersten Quartal auch die in beiden Gemeinden getrennten Wahlen für einen fusionierten Vorstand zu einer neuen Gemeinde in Konstanz durchführen lassen. Kommt das nötige Quorum bei der Wahlbeteiligung nicht zustande, wäre es theoretisch auch möglich, dass die neue Synagoge von Mitgliedern der beiden Gemeinden genutzt wird, sagte Fuhl laut online‐Ausgabe des Konstanzers Südkuriers.

Parallel dazu sollen nun aber auch die Bauvorbereitungen ohne Verzug vorangetrieben werden. Bis zum 30. April erwarte das Bauamt der Stadt Konstanz, dass der Antrag für die neue Synagoge in der Grenzstadt am Bodensee eingereicht wird. Das bestätigen die zuständigen Stellen der Stadt Konstanz.

Am ersten Tag von Channuka, am 21. Dezember, wurde der entsprechende Vertrag von Vertretern der verschiedenen Parteien unterzeichnet. Der zugegebenermaßen zeitlich sehr ehrgeizige Fahrplan würde eine feierliche Grundsteinlegung noch in der ersten Hälfte dieses Jahres ermöglichen.

Unverändert Bei den Plänen, die seit Jahren vorliegen, soll es keine entscheidenden Änderungen geben: Knapp 100 Menschen sollen, wie geplant, im jüdischen Gotteshaus Platz finden. Darüber hinaus ist eine koschere Küche vorgesehen. Außerdem sind im Gebäude ein Kulturzentrum und ein Raum für öffentliche Veranstaltungen geplant.

Und auch bei den Finanzen gilt, was schon seit Langem besprochen war. Das bedeutet, dass 1,8 Millionen der insgesamt 2,8 Millionen Euro, die der Neubau kosten wird, vom Oberrat beigesteuert werden. 845.000 Euro muss die hoffentlich neufusionierte Gemeinde in Form eines Kredits vom Oberrat aufnehmen. 730.000 Euro kommen von der Stadt. 615.000 Euro davon machen den Wert des Grundstücks aus, das kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Die Bauleitung in Konstanz soll das Lörracher Architekturbüro Wilhelm und Hovenbitzer erhalten, das bereits die Lörracher Synagoge errichtet hatte.

Zukunft Man ist ein wenig in Eile. Zum einen möchten die Partner bei Oberrat und Stadt die Pläne vorantreiben, um dem endlosen, jahrelangen Streit um die Synagoge nun endlich ein positives Ende zu setzen. Man will den rund 400 Konstanzer Jüdinnen und Juden eine rosigere Zukunft bieten.

Der zweite Grund ist ein politischer: Der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank (Grüne) hatte sich seit Jahren für das Synagogen‐Projekt stark gemacht. Er sollte noch in seiner Amtszeit wenigstens symbolisch den Bau einweihen können. Franks Regierungszeit endet im Juli dieses Jahres nach 16 Jahren.

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