Kiel

Geld für den Norden

Mehr Geld geht auch nach Lübeck. Foto: Gemeinde

Der Landtag Schleswig‐Holstein hat beschlossen, die finanzielle Unterstützung für die zwei jüdischen Landesverbände ab 2018 auf der Basis eines Vertrags im Rang eines Staatsvertrags auf jährlich 800.000 Euro zu erhöhen. »Die Jüdinnen und Juden unseres Landes sind Teil einer gemeinsamen, toleranten, demokratischen und friedlichen Zukunft, denn Deutschland wäre arm ohne die wunderbare jüdische Kultur«, betonte Schleswig‐Holsteins Bildungs‐ und Kulturministerin Karin Prien (CDU) nach dem Beschluss. Finanziert wird unter anderem die Bereitstellung einer religiösen Infrastruktur der Gemeinden, etwa Mietkosten und die Bezahlung von Rabbinern und Kantoren.

Signalwirkung Sie sei glücklich über jedes Zeugnis jüdischen Lebens in Schleswig‐Holstein. Gerade in einer Zeit, in der es immer wieder antisemitische Anfeindungen gebe, sei dies »ein ganz wichtiges Signal«, sagte die Ministerin. »Ich stehe als deutsche Politikerin mit in der Verantwortung für unsere schreckliche Vergangenheit. Diese Verantwortung hört niemals auf. Und zugleich empfinde ich es als zutiefst ermutigend zu erleben, wie das jüdische Leben in Schleswig‐Holstein wieder neu erblüht.«

Die Landesregierung sehe den Vertrag gerade in Zeiten des ansteigenden Rechtspopulismus und Antisemitismus als ein wichtiges Zeichen. »Wir wollen jüdischem Leben in Schleswig‐Holstein eine solide Grundlage geben und ein lebendigeres Gemeindewesen ermöglichen. Ich denke, das ist uns gemeinsam gelungen«, sagte Prien weiter.

gleichbehandlung Mit dem neuen Vertrag werde zudem eine Gleichbehandlung mit den Kirchen erreicht. So würden Regelungen aufgenommen, die bereits in den beiden Staatskirchenverträgen enthalten seien, insbesondere zu den Rundfunk‐ und Medienanstalten des Landes, zur Seelsorge, zur Befreiung von Gebühren des Landes und zur Parität zwischen den Religionsgemeinschaften. Außerdem verpflichte sich das Land, zu prüfen, ob jüdischer Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach in Schleswig‐Holstein in den Vertrag aufgenommen werden kann.

Die Gemeinden in Schleswig‐Holstein wurden viele Jahre lang
von der Hamburger Gemeinde betreut.

Jüdisches Leben hatte im Norden nach der Schoa nur zaghaft wieder Fuß gefasst. 1968 wurden die jüdischen Gemeinden sogar vollständig aufgelöst, und die wenigen Juden wurden von der Jüdischen Gemeinde Hamburg betreut. Erst die Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sow­jetunion in den 90er‐Jahren führte auch in Schleswig‐Holstein zu neuen jüdischen Gemeinden. Der Staatsvertrag mit der Jüdischen Gemeinde Hamburg wurde 2005 durch den »Vertrag über die Förderung jüdischen Lebens in Schleswig‐Holstein« ersetzt.

Die Folge: Die neuen jüdischen Gemeinden Schleswig‐Holstein, die liberalen Gemeinden in Ahrensburg, Elmshorn, Kiel, Segeberg und Pinneberg, konnten durch das Fördergeld ihre Gemeinden gründen und ausbauen. Neben den liberalen Gemeinden gibt es die Jüdische Gemeinschaft Schleswig‐Holstein, zu der die eher orthodox geprägten Einheitsgemeinden von Lübeck, Flensburg, Kiel und Region gehören. Heute leben im nördlichsten Bundesland mehr als 3000 Juden, 1800 von ihnen sind Mitglieder einer jüdischen Gemeinde.

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