München

Garantie für Qualität

Für sie ist nach den Filmtagen vor den Filmtagen: Ellen Presser, Leiterin der IKG-Kulturabteilung Foto: Marina Maisel

Filme gehören seit Langem zum kulturellen Angebot der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. In gebündelter Form und nach Art und Inhalt auf ein Schwerpunktthema ausgerichtet, werden Filmproduktionen am Anfang eines jeden Kalenderjahres bei den Jüdischen Filmtagen gezeigt. In diesem Jahr war ein kleines Jubiläum angesagt. Das Event am Jakobsplatz, das gerade zu Ende gegangen ist, fand bereits zum zehnten Mal statt.

Ellen Presser, die Leiterin der IKG‐Kulturabteilung und Organisatorin des Filmfestivals, freut sich über den großen Zulauf, den die Jüdischen Filmtage in diesem Jahr zu verzeichnen hatten. »Dieses Mal kamen besonders viele Besucher«, sagt sie begeistert und weist auf mehrere Veranstaltungen hin, die ausverkauft waren.

Die sieben Beiträge
widmeten sich dem
Genre »Dokumentation«.

Ein Zufall ist das große Interesse an den Filmtagen, das weit über die jüdische Gemeinde hinausgeht und schon Tausende Besucher angelockt hat, indes nicht. Denn hinter dem Erfolg stecken ein hoher organisatorischer Aufwand, oftmals langwierige Verhandlungen und bis in die letzten Feinheiten festgelegte Vereinbarungen. »Irgendwie begleitet mich die Organisation der Filmtage das ganze Jahr über«, beschreibt Ellen Presser das damit zusammenhängende Arbeitspensum. Und sie ist ein wenig stolz auf das effektive Netzwerk, das sie im Lauf der Jahre aufbauen konnte und das ein Garant für die hohe Qualität der Jüdischen Filmtage ist.

grusswort »Die aufregendsten, unglaublichsten, schlimmsten und schönsten Geschichten schreibt immer noch das wahre Leben«, hielt IKG‐Präsidentin Charlotte Knobloch im Grußwort zur Eröffnung der Filmtage fest. Ihr Hinweis ist der Tatsache geschuldet, dass die sieben Veranstaltungen im Rahmen des Events diesmal sämtlich dem Genre »Dokumentation« gewidmet waren.

Selbst der Spielfilm Die Berufung zum Abschluss der Veranstaltungsreihe, der die beruflichen Anfänge der amerikanischen Juristin Ruth Bader Ginsburg thematisiert, machte in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Der Kampf gegen Diskriminierung und um eine emanzipiertere Rolle der Frau in der amerikanischen Gesellschaft war schon in den 50er‐Jahren für sie ein brennendes Thema. Seit über einem Vierteljahrhundert ist RBG, wie sie genannt wird, Richterin auf Lebenszeit am Supreme Court, am Obersten Gerichtshof.

Das Stilmittel der Dokumentation, deren Vielfältigkeit die IKG‐Präsidentin im Grußwort angesprochen hatte, schlug sich sehr konkret auch im Programm der Jüdischen Filmtage nieder.

Völlig anderer Natur und anderen Inhalts als eine Lebensgeschichte, aber ebenfalls dokumentarisch aufgebaut, fiel der filmische Ausflug in israelische Küchen aus. Der Magie von Hummus, wie der Film von Oren Rosenfeld schlicht und einfach heißt, konnten sich die Besucher der Filmtage gleich in mehrfacher Hinsicht nicht entziehen. Nach der Filmvorführung gab es für sie Hummus aus dem Restaurant »Einstein« auch zum Genießen.

vorträge Nicht nur Filme zu zeigen, sondern auch die Hintergründe und Zusammenhänge in Form von Gesprächen und Vorträgen mit Protagonisten aufzubereiten, ist fester Bestandteil der Filmtage. In diesen Rahmen passte besonders gut ein Vortrag des Thomas‐Mann‐Experten Dirk Heißerer, der mit Filmbeispielen angereichert wurde. Der Literaturwissenschaftler widmete sich dem Schriftsteller Thomas Mann, der 1929 wohl als erster Literat von Rang überhaupt in einem Tonfilm auftrat und die Möglichkeiten des neuen Mediums sehr früh erkannte.

Eine Perle in cineastischer und musikalischer Hinsicht erlebten die Filmtage‐Besucher mit der Filmbiografie Itzhak Perlman – Ein Leben für die Musik des Regisseurs Alison Chernick. Neben aufschlussreichen Interviews mit Perlman, seiner Frau und Menschen aus seinem direkten Umfeld waren in dem Film sowohl aktuelle als auch ganz alte Aufnahmen zu hören. In der Ankündigung hatte Ellen Presser geschrieben: »Dieser Film ist eine einzige Liebeserklärung an das Leben und an die Musik.« Nicht anders sahen es die begeisterten Besucher.

Wie in jedem Jahr
wurde ein Film mit Bezug
zum Jiddischen gezeigt.

Einem selbst auferlegten »Muss«, einen Film mit Bezug zum Jiddischen zu zeigen, ist Ellen Presser auch in diesem Jahr wieder gerecht geworden. Und zwar in Form einer Dokumentation über Abraham Sutzkever, einen der wichtigsten jiddischsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. In seinen Gedichten beschäftigt er sich intensiv mit der Zeit vor und nach dem Holocaust. Direkt dorthin führte gleich der Auftakt der Filmtage mit Die Stille schreit. Darin wird die Geschichte der jüdischen Familien Friedmann und Oberdorfer aus Augsburg erzählt, die die »Arisierung« ihres Betriebs und ihrer Immobilien erleben mussten und ermordet wurden.

zeitzeugen Der Dokumentarkurzfilm 116 Cameras und das anschließende Podiumsgespräch, eine gemeinsame Veranstaltung von IKG‐Kulturabteilung und NS‐Dokumentationszentrum, widmete sich einem Thema, auf dessen Bedeutung Charlotte Knobloch bei verschiedensten Anlässen schon seit Jahren hinweist. »Wer«, fragt sie, »erzählt die Geschichte von NS‐Verfolgung und Holocaust, wenn keine Zeitzeugen mehr da sind?« Die auf den Filmtagen gezeigte Dokumentation berichtete über die Möglichkeiten, Zeitzeugen als dreidimensionale Projektion »weiterleben« zu lassen.

Nach den Filmtagen ist vor den Filmtagen – dieser aus dem Fußball stammende, etwas modifizierte Satz ist auch für Ellen Presser zutreffend. Denn sie hat schon jetzt die eine oder andere Idee, unter welchem Titel die Filmtage im kommenden Jahr stehen könnten. Doch verraten will sie noch nichts.

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