Otto-Hirsch-Auszeichnung

Für das Erinnern

Für ihr Engagement um Toleranz und gegen das Vergessen sind der »lernort gedenkstätte«, der Stadtjugendring und der Verein »Zeichen der Erinnerung« am vergangenen Donnerstag von der Stadt Stuttgart, der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) mit der Otto-Hirsch-Auszeichnung gewürdigt worden.

»Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen«, zitierte Barbara Traub, IRGW-Vorstandssprecherin, den italienischen Schriftsteller und Schoa-Überlebenden Primo Levi bei der Feierstunde im Rathaus. Das sei angesichts von bundesweit 644 antisemitischen Straftaten im Jahr 2016 kein übertriebener Pessimismus.

Daher könne und dürfe es keinen Schlussstrich geben. »Aber wir müssen keinen Schlussstrich befürchten, solange es einen solchen Einsatz für die Erinnerungskultur und die Herzensbildung junger Menschen gibt«, würdigte Barbara Traub zuversichtlich die Adressaten der Auszeichnung.

Nichts kann die Geschichte lebendiger und eindrücklicher werden lassen als die Begegnung mit Zeitzeugen. Der Stadtjugendring Stuttgart e. V. (SJR), ein Dachverband von Jugendverbänden, Gruppen und Initiativen, gibt Jugendlichen zusammen mit den Stuttgarter Stolperstein-Initiativen diese Möglichkeit. Für die Filmreihe »Fragezeichen« konnten sie ehemalige jüdische Stuttgarter befragen.

Emotionen
Der SJR organisiert zudem Stadtrundgänge zu den Spuren des jüdischen Lebens und zu denen des NS-Regimes wie der ehemaligen Gestapo-Zentrale im »Hotel Silber« oder an den Ort der Deportation am ehemaligen Nordbahnhof. Dass diese Gleise, die von 1941 bis 1944 für mehr als 2000 Juden aus Stuttgart und Württemberg den Weg in den Tod bedeuteten, seit 2006 als Gedenkstätte mit den Namen aller Opfer gestaltet und bewahrt sind, ist dem Verein »Zeichen der Erinnerung« zu verdanken. »Diese Gedenkstätte berührt junge Menschen tief und eröffnet einen Zugang auf emotionaler Ebene«, sagte Michael Kashi vom IRGW-Vorstand.

Den Bezug zur heutigen Zeit will der »lernort gedenkstätte«, der seit Januar »lernort geschichte« heißt, herstellen. Schüler und junge Erwachsene können sich dort politisch und historisch informieren. »Die Erinnerungsarbeit ist unerlässlich«, betonte auch der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Bündnis 90/Die Grünen). »Wir sind es den Opfern schuldig, die Erinnerung an sie hochzuhalten.« Die Otto-Hirsch-Auszeichnung ging zum ersten Mal an drei Institutionen.

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Grünen-Ministerin Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit

 14.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026