Ohel-Jakob-Medaille

Freundschaft in Gold

Kennen und schätzen einander seit den 90er-Jahren: Charlotte Knobloch und Angela Merkel Foto: Marina Maisel

Die Ohel-Jakob-Medaille in Gold ist die höchste Auszeichnung, die die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern zu vergeben hat. Am 9. November wird sie im Rahmen eines feierlichen Festakts im Gemeindezentrum am Jakobsplatz aus den Händen von IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch an Bundeskanzlerin Angela Merkel verliehen. Für die jüdische Gemeinde steht damit ein großer Tag bevor.

In den Statuten der Ehrung ist nachzulesen, wer für die Auszeichnung infrage kommt: nämlich Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht haben. Auf dieser Grundlage könnte es nach Ansicht von Charlotte Knobloch wohl kaum eine geeignetere Persönlichkeit als Bundeskanzlerin Merkel geben. »Noch nie«, sagt die IKG-Präsidentin, »habe ich eine Politikerin oder einen Politiker wahrgenommen, der sich mit dem Herzen so sehr für Israel und für die jüdische Gemeinschaft einsetzt wie sie.«

engagement Die freundschaftliche Beziehung zwischen der IKG-Präsidentin und der Kanzlerin reicht schon viele Jahre zurück. »Ich habe sie kennengelernt, als sie noch auf der Oppositionsbank im Bundestag saß«, erinnert sich Charlotte Knobloch noch ganz genau an ihre erste Begegnung mit Angela Merkel, die Jahre später den Gipfel ihrer Karriere erreichte und seitdem die Geschicke des Landes maßgeblich mitbestimmt.

Der ersten Begegnung sollten noch viele weitere folgen. »Sie hat stets ein offenes Ohr für die Belange der jüdischen Gemeinde«, gibt die IKG-Präsidentin ihre Erfahrungen mit der Kanzlerin wieder. Das wurde auch nach außen hin immer wieder deutlich – etwa dadurch, dass sich Angela Merkel bei einem Besuch in München das neue Gemeindezentrum im Herzen der Stadt zeigen ließ. Ein Zusammentreffen der beiden auf bayerischem Boden gab es auch im vergangenen Jahr, als auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau der 70. Jahrestag der Befreiung begangen wurde.

Der Rat von Charlotte Knobloch, die etliche Ämter und Aufgaben wahrnimmt und auch schon Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland war, wird von Bundeskanzlerin Merkel sehr geschätzt. Deshalb gehörte Knobloch zu den wenigen Persönlichkeiten, die Angela Merkel 2008 bei ihrem ersten Besuch in Israel als Kanzlerin begleiten durften. Auch dadurch festigte sich für die bekannteste Vertreterin der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland die Überzeugung: »Ich kann mir keine israelische Regierung vorstellen, egal von wem sie gebildet wird, die auf einen solchen Freund wie die Bundesregierung unter Frau Merkel verzichten könnte. Für solche Freunde muss man dankbar sein«, stellt Charlotte Knobloch seitdem ohne jeglichen Abstrich fest.

Die Person der Kanzlerin als Empfängerin der Ohel-Jakob-Medaille in Gold verleiht der Auszeichnung ohnehin ein ganz besonderes Gewicht. Es ist aber auch der Tag der Preisverleihung, der 9. November, der die Bedeutung der Würdigung noch weiter vertieft. Vor genau 78 Jahren, 1938, wurde in der Pogromnacht von den Nazis das Tor zur Hölle aufgestoßen. Charlotte Knobloch erlebte diese Schreckensnacht an der Hand ihres Vaters Fritz Neuland mit und wird den Hass, der Juden damals entgegenschlug, niemals vergessen.

9. November Für die jüdische Gemeinschaft, nicht nur in München, aber besonders hier in der ehemaligen »Hauptstadt der Bewegung«, ist der 9. November allerdings auch zu einem Tag geworden, der Anlass zur Freude gibt. Vor genau zehn Jahren wurde die neue Hauptsynagoge am Jakobsplatz feierlich eröffnet. Sie erhielt den Namen jener Synagoge in der Herzog-Rudolph-Straße, die 1938 von den Nazis zerstört wurde – genauso wie die Medaille, die jetzt an Angela Merkel verliehen wird.

Ebenjene Ohel-Jakob-Medaille zeugt damit von der Ambivalenz der Geschichte von Juden in München, zu der neben Vertreibung und Auslöschung auch Heimkehr und Neuanfang gehören. »Die Verleihung der Medaille ist ein Ausdruck der tief empfundenen Dankbarkeit, die die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern verlässlichen Partnern und Freunden in unserer freiheitlichen Demokratie entgegenbringt«, erklärt Charlotte Knobloch, der es außerordentlich wichtig ist, Persönlichkeiten auf diese Weise zu auszeichnen.

Bisherige Preisträger der Ohel-Jakob-Medaille in Gold, die nunmehr zum achten Mal verliehen wird, sind in chronologischer Reihenfolge: Edmund Stoiber, bayerischer Ministerpräsident a.D., Christian Ude, Altoberbürgermeister Münchens, Günther Beckstein, bayerischer Ministerpräsident a.D., Professor Hubert Burda, Verleger, Harald Strötgen, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse München, Hans-Jochen Vogel, Altoberbürgermeister der Landeshauptstadt München und Bundesminister a.D., sowie im vergangenen Jahr Horst Seehofer, amtierender bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender.

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Grünen-Ministerin Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit

 14.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026