Religion

»Fitness hilft auch beim Torastudium«

Sportlich zu jeder Jahreszeit: Rabbiner Shlomo Afanasev Foto: Gregor Zielke

Religion

»Fitness hilft auch beim Torastudium«

Der Berliner Rabbiner Shlomo Afanasev über Sport, Halacha und die Fußball-WM 2018

von Ayala Goldmann  09.07.2018 18:41 Uhr

Rabbiner Afanasev, eine Studie hat festgestellt, dass sich Eltern und Kinder in Deutschland zu wenig bewegen: Für jede dritte Familie spielt körperliche Aktivität in der Freizeit überhaupt keine Rolle. Sie sind passionierter Marathonläufer – sorgen Sie auch für Sport in Ihrer Familie?
Meine kleineren Kinder kann ich noch nicht mit einbeziehen, aber meine beiden Söhne schon. Sie sind sieben und neun Jahre alt und laufen zwar noch keinen Marathon, aber schon etwa zehn Kilometer in der Woche.

Warum haben Sie selbst mit dem Sport angefangen – um sich fit zu halten oder auch, um einer religiösen Pflicht nachzukommen?
Als ich damals mit dem Laufen angefangen habe, wollte ich einfach abnehmen und fitter und beweglicher werden. Wenn man den ganzen Tag als Rabbiner im Sitzen unterrichtet, nimmt man sehr schnell zu. Aber unbewusst ging es sicherlich auch um eine halachische Verpflichtung, sich gesund zu halten.

Hat sich Ihre bessere Kondition auch auf Ihre Arbeit als Rabbiner und das Torastudium ausgewirkt?

Ja, ich kann mich besser konzentrieren, mehr und effektiver arbeiten. Und manchmal denke ich auch während des Laufens über Pläne für die Arbeit oder das Pensum der nächsten Woche nach. Es ist nicht wirklich wie Meditation, aber ich kann einfach in Ruhe überlegen und eine Zeitlang für mich alleine sein.

Maimonides, der Rambam, hat sich in seinem Werk »Mischne Tora«, konkret im Kapitel »Hilchot Deot«, auch mit Gesundheit und Sport befasst. Kann man daraus eine Halacha ableiten?
Die diesbezüglichen Halachot ändern sich in jeder Epoche: Was wir heute als gesund ansehen, war früher nicht unbedingt dasselbe. Aber wir lesen den Text als Empfehlung, sich gesund zu ernähren und auf die eigene Gesundheit zu achten.

Das Judentum galt lange Zeit nicht gerade als sportfreundliche Kultur …
Das hat sich inzwischen sehr geändert. Sport wurde in der Antike von den Juden als Teil der griechischen Kultur, als Körperkult angesehen. Aber heute betreiben wir Sport einfach deswegen, weil es gesund ist.

Gibt es im Rabbinerseminar zu Berlin eigentlich auch Sporteinheiten?

Nein. Wir haben ein umfangreiches Curriculum, und dafür bleibt leider keine Zeit.

Verfolgen Sie die Fußball-WM?
Ja, zusammen mit meinen Kindern, und viele andere im Rabbinerseminar interessieren sich auch dafür. Allerdings schauen die Leute Fußball zu Hause oder im Café, nicht im Lehrhaus. Bei uns unterrichten viele Kollegen aus England, wir haben auch einen englischen Studenten. Und die verfolgen jetzt natürlich, wie die englische Mannschaft spielt. Aber selbstverständlich nicht am Schabbat. Das Spiel um den dritten Platz an diesem Samstag können wir also nicht sehen.

Aber am Schabbat auf dem Weg zur Synagoge mal auf einen Bildschirm vor einem Café zu schauen, wo es Public Viewing gibt, ist doch erlaubt?
Also, wenn ein Fernseher auf dem Bürgersteig steht, können wir schon mal kurz gucken, wie es steht. Aber wir würden nicht so lange bleiben, dass es so aussieht, als ob wir das Spiel schauen. Es gibt zwar kein striktes Verbot, ein Spiel auf diese Weise anzusehen, aber es passt einfach nicht.

Was ist Ihr Tipp für das Finale?
Ich denke, Belgien und Frankreich haben gute Chancen auf den Weltmeistertitel.

Mit dem Rabbiner von Kahal Adass Jisroel in Berlin sprach Ayala Goldmann.

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026

Bundeswehr

»Wir sind Partner auf Augenhöhe«

Am 21. Juni 2021 begann die jüdische Militärseelsorge bei der Bundeswehr. Militärbundesrabbiner Zsolt Balla zieht nach fünf Jahren eine positive Zwischenbilanz

 18.06.2026