München

Fast ein Paradies

Erinnerungen an das DP-Camp Föhrenwald Foto: Marina Maisel

An ein vergessenes Kapitel der Nachkriegsgeschichte wurde in der vergangenen Woche bei einer Veranstaltung der IKG-Kulturabteilung im Gemeindezentrum erinnert. Hans-Peter Föhrding und Heinz Verfürth stellten dort ihr Buch Als die Juden nach Deutschland flohen vor.

Zusammen mit den beiden Autoren saß ein Herr auf der Bühne, Ruwen Waks, der extra aus Israel angereist war, um der Buchpräsentation beizuwohnen. Er selbst wird in dem Werk zwar auch erwähnt, doch die Hauptrolle darin spielt seine Mutter Lea, die eine jener rund 300.000 Juden war, die nach dem Krieg ausgerechnet nach Deutschland flohen, das Land der Täter.

Sie und ihre Familie lebten bis zu seiner Auflösung im Jahr 1957 im DP-Camp Föhrenwald (Wolfratshausen), der vorübergehenden »Heimat« sogenannter Displaced Persons. In seiner Erinnerung hat Ruwen »Robbi« Waks (Jahrgang 1947) an das DP-Lager im Süden Oberbayerns vor allem positive Erinnerungen: Beerensammeln im Wald, Schwimmen in der Isar, Schlittenfahren auf den beiden Hügeln. Für die »Kinder vom Föhrenwald« sei es fast paradiesisch gewesen. Wie er heute weiß, lag das auch daran, dass die Erwachsenen, auch seine Eltern, das schwere Schicksal, das gerade hinter ihnen lag und sie noch immer im Griff hatte, vor den Kindern verbargen.

Schoa-Überlebende In ihrem akribisch recherchierten Buch haben Hans-Peter Föhrding und Heinz Verfürth sowohl die kleinen Details nicht vergessen, als auch die politischen Zusammenhänge in der unmittelbaren Nachkriegszeit, die Gründe für die Flucht Hunderttausender Schoa-Überlebender ausgerechnet nach Deutschland. Antisemitische Exzesse in Osteuropa, vor allem in Polen, hatten 1946 diese Fluchtbewegung ausgelöst, und auch Lea Waks sah keinen anderen Ausweg, der erneuten Verfolgung zu entkommen.

Bei der Buchpräsentation im Gemeindezentrum machten die Autoren schnell klar, dass Deutschland keinesfalls ein »Wunschziel« gewesen ist. Den Verfolgten sei es vielmehr um den Schutz der westlichen Alliierten auf der Durchreise ins damalige Paläs- tina gegangen, doch sie mussten oft jahrelang in den DP-Lagern leben. Erst 1948, nach der Staatsgründung, hatten sich die Tore Israels geöffnet. Dennoch bestand das Lager Föhrenwald bis zum Jahr 1957.

Unter den Zuhörern, die einen kurzweiligen Abend erlebten, befanden sich auch Jacques Cohen und Josef Pultuskier, zwei Ex-Föhrenwalder. Cohen hatte sogar den Ausweis seiner Mutter aus Föhrenwald mitgebracht, und Pultuskier erinnerte sich zwar nicht mehr an »Robbi« Waks, wusste aber, dass ihre Eltern im Lager gut befreundet waren. Diese Episode war selbst für die beiden Autoren neu.

Hans-Peter Föhrding und Heinz Verfürth: »Als die Juden nach Deutschland flohen«. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2017, 352 S., 24 €

Hamburg

Außenstelle des Militärrabbinats bald bezugsfertig

Zwei jüdische Bundeswehrseelsorger sollen Mitte 2022 ihre Arbeit aufnehmen

 19.01.2022

Düsseldorf

Die Makkabäer sind los!

Zum dritten Mal findet in Nordrhein-Westfalen das größte jüdische Sportfest Deutschlands statt

 03.09.2021 Aktualisiert

Brandenburg

Jüdische Gemeinden feiern 30 Jahre ihrer Wiedergründung

Mit einem Festakt begingen rund 150 Gäste aus der jüdischen Gemeinschaft und der Landespolitik das runde Jubiläum

 01.09.2021

Jubiläum

Seit 151 Jahren Teil der Stadtgesellschaft

1870 beschlossen elf Männer, in Gelsenkirchen eine eigene jüdische Gemeinde zu gründen - jetzt wurde an sie erinnert

von Michael Thaidigsmann  30.08.2021

Bremen

Neue Torarolle zum Jubiläum

In der Hansestadt feierte die jüdische Gemeinschaft am Wochenende den 60. Jahrestag der Eröffnung ihrer Synagoge

von Michael Thaidigsmann  30.08.2021

Freiburg

»Gezielte Provokation«

Eine geplante Demonstration gegen Israel auf dem Platz der Alten Synagoge beunruhigt die jüdische Gemeinde

von Michael Thaidigsmann  14.05.2021

Münster

Jüdische Gemeinde wehrt sich gegen israelfeindliche Kundgebung

Gemeindechef Fehr: »Die Antizionisten wollen israelfeindliche Stereotype im öffentlichen Bewusstsein festigen«

 24.07.2020

Gespräch

Bedrohung und Staatsversagen

Der zweite »Jüdische Salon« des Zentralrats der Juden widmet sich Ronen Steinke und seinem neuen Buch

 02.07.2020

Würzburg

Gepäckstücke erinnern

Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde der »DenkOrt Deportationen 1941–1944« eingeweiht

von Stefan W. Römmelt  18.06.2020