Pessach

Erdbeeren in Zartbitterschokolade

Mit Süßigkeiten lassen sich jüdische Traditionen einfacher lernen. Foto: Wilfried Meyer

Ihre Augen funkeln, die Hände zupfen nervös an den Kleidern, die Familie versammelt sich – für Kinder sind Feiertage etwas Besonderes, und in den Tagen davor können sie es kaum abwarten, bis es endlich so weit ist. Am Sonntag bekamen sie in Düsseldorf einen neuen Festtag geschenkt: Mehr als 100 Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Landesverband Nordrhein feierten zwei Wochen vor Pessach einen »Sweet Seder«. Das war nicht nur spaßig, sondern ganz nebenbei auch lehrreich.

Während im Foyer und im Hof der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf die jungen Besucher aus Aachen, Duisburg, Krefeld, Wuppertal, Essen und Mönchengladbach spielten, ging es im großen Saal nicht wesentlich ruhiger zu. Schnell noch die letzten Kabel anschließen, Computer‐Probleme lösen, nach der Tischdekoration schauen – dann konnten die Türen geöffnet werden, und die Gruppen stürmten hinein.

Überraschung Gabriel Goldberg, Jugendreferent des Landesverbandes, musste seine Stimme schon erheben, um auf sich aufmerksam zu machen. »Wir feiern heute einen richtigen Seder«, kündigte er an. »Nur ein bisschen anders.« Was an diesem vorgezogenen Seder anders war, erschloss sich gleich auf den ersten Blick: Traubensaft statt Wein, dunkle Schokolade statt bitterer Kräuter, Esspapier statt Mazzot.

Und was war das? Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky traute seinen Augen kaum und bat lachend: »Wenn ihr gleich nach Hause geht, dann erzählt nicht, dass ihr gerade mit dem orthodoxen Rabbiner Osterhasen aus Schokolade gegessen habt.« »Das ist ein Lamm«, schallte es von den Tischen vor ihm. Der Rabbiner war verblüfft, wie kreativ hier der Teller bestückt wurde.

Traditionen Für Goldberg ist dieser kuriose Weg genau der richtige: »Wir veranstalten diesen ›Sweet Seder‹, um unsere jüdische Tradition an die Kinder weiterzugeben und ihr Interesse daran wachzuhalten. Und wie geht das besser als mit Süßigkeiten?« Tatsächlich hoben sich nicht allzu viele Arme, wenn Jean Bernstein, Jugendleiter der Düsseldorfer Gemeinde, die jungen Gäste an diesem Nachmittag nach Details zu Pessach fragte.

Doch als er vom Auszug aus Ägypten berichtete, von den Plagen und von Moses, war es still im Saal. Als es um den Sederteller ging, konnten viele Kinder mitreden. Was gegessen wird, wussten sie, doch den Grund dafür kannten nur wenige. Warum man bittere Kräuter und eine in Salzwasser getauchte Erdfrucht isst, merkt man sich aber offensichtlich besonders gut, wenn es nach der Geschichte Zartbitterschokolade und eine Erdbeere, überzogen mit weißer Schokolade, gibt. Jedenfalls wurde an den Tischen viel diskutiert und untereinander korrigiert. »Links anlehnen wie ein König, wenn du trinkst«, hieß es da.

Vergangenheit Lächelnd schaute sich Rabbiner Vernikovsky das Treiben an. »Ihr seid eine Generation, die zukunftsorientiert ist«, rief er. »Ihr könnt sehr viele Dinge, die wichtig sind, und das ist schön. Aber was ist mit der Vergangenheit? Wisst ihr auch, woher ihr kommt?« Diese Frage hatten sich vor dem »Sweet Seder« auch Amanda und Mark gestellt.

»Ich wusste, wann Pessach ist«, erklärte die 16‐jährige Duisburgerin. »Aber was und warum man das isst, das wusste ich nicht«, gab sie zu. »In diesem Jahr möchte ich aber an einem Seder teilnehmen, deshalb bin ich auch hierhergekommen.«

Der 18‐jährige Mark, ebenfalls vom Duisburger Jugendzentrum Tikwatejnu, hat zu Hause noch nie Pessach gefeiert. »Ich wollte es mir hier zumindest mal angucken. In der Gemeinde, beim richtigen Seder, bin ich dann wohl auch dabei.« »Dazu ist man jetzt wirklich motiviert«, ergänzte Amanda. »Man hat ja zusammen Erfahrungen gesammelt und ist nicht allein.«

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