Frankfurt

Einkaufen für den guten Zweck

Was schmeckt am besten? Dieter Graumann lässt sich von den WIZO-Damen beraten. Foto: Rafael Herlich

Handeln gehört zu dem Treiben auf einem Basar. Deshalb hat auch keine der Damen an den Ständen etwas dagegen, wenn die Besucher des Frankfurter WIZO-Basars den genannten Preis drücken wollen. »Es darf und soll gehandelt werden, wir sind ja nicht an der Goethestraße«, sagt WIZO-Präsidentin Diana Schnabel. Wenn aber jemand für Neuware wie etwa für einen Kaschmir-Pullover, der im Geschäft 100 Euro kosten würde, gerade einmal 30 Euro zahlen will, dann stößt das auf Unverständnis.

»Es braucht Geduld und ganz viel Humor, um nicht unfreundlich zu reagieren«, erklärt am Stand eine junge WIZO-Frau, die den Pullover für 45 Euro verkaufen will. »Es ist doch für einen guten Zweck.« Diesen Satz hängt sie an, wenn Kunden einen »unverschämt« niedrigen Preis zahlen wollen.

Warteschlange Der Andrang auf den WIZO-Basar im Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum ist groß. Am Samstag bildete sich sogar eine lange Warteschlage vor dem Eingang. Warten müssen Besucher zwar auch am Sonntag, aber längst nicht mehr so lange wie am Tag zuvor. Dafür haben sie Pech, wenn sie am Sonntag erst nach 14.30 Uhr gekommen sind. Um diese Zeit sind nämlich schon alle 7500 Lose verkauft, und auch etliche der Kleidungsstücke vom WIZO-Outlet und Second-Hand-Stand haben den Besitzer gewechselt.

So manch ein Teil allerdings auch, ohne dass dafür bezahlt wurde, wie Diana Schnabel berichtet. »Es wird geklaut bis zum Gehtnichtmehr«, sagt sie. Schwund gebe es nicht nur bei Pullovern und anderen Bekleidungsstücken, sondern auch bei Tombola-Losen. Statt der zwei bezahlten nehme sich manch einer drei oder mehr Lose.

Das sind die Schattenseiten des WIZO-Basars, diese will Diana Schnabel zwar nicht verheimlichen, sich aber auf den Erfolg des seit mehr als 50 Jahren von Frankfurter WIZO-Damen organisierten Events konzentrieren. In diesem Jahr waren es mehr als 100 Frauen, die sich aktiv am Bestücken der Tombola und des Markts beteiligt haben.

Schwellenangst Der Basar ist seit vielen Jahren eine Attraktion und nimmt Menschen »die Schwellenangst« vor dem Jüdischen Gemeindezentrum, so Schnabel. Dass so viele Besucher aus Frankfurt und Umgebung kommen, hänge unter anderem auch mit den »attraktiven Preisen« der Tombola zusammen, meint Schnabel. »Die WIZO-Damen schnorren das ganze Jahr über für den Basar.«

Die Einschätzung der WIZO-Präsidentin deckt sich mit Beobachtungen vor Ort. Eine Gruppe älterer Damen unterhält sich in unüberhörbar schwäbischem Dialekt über den WIZO-Basar. Eine von ihnen erzählt davon, wie sie im vergangenen Jahr eine Designer-Tasche gewonnen habe. »Leider war sie nicht mein Stil, zu schick für mich, da habe ich sie gleich weiterverschenkt.« In diesem Jahr ist sie mit ihren Freundinnen gekommen, hat im Gemeindezentrum zu Mittag gegessen – Falafel mit Salat – und danach ausgiebig herumgestöbert. Diesmal hat sie bei den Losen aber kein Glück gehabt. »Nur Nieten«, sagt sie.

Preise Nur jedes vierte Los sei eine Niete, berichtet Diana Schnabel, und das werde auch weiterhin so bleiben. Dass mit Rachel Singer in diesem Jahr einer der Hauptgewinne – eine Reise für zwei Personen nach Israel – ausgerechnet an eine WIZO-Aktivistin geht, ist einer der Zufälle, wie es Lotterien so an sich haben.

Zufall spielt hingegen beim Kuchenbüfett keine Rolle. Dass die Auslage am Wochenende reich bestückt ist, dafür haben Paula Altmann und ihre Mitstreiterin Naomi Brunner gesorgt. Es seien mehr als 150 Torten und Kuchen gespendet worden, verrät Paula Altmann. Dafür hat die WIZO-Dame, die hauptberuflich Ärztin ist, mithilfe ihres Telefons gesorgt.

Altmann flitzt am Sonntagnachmittag hin und her und sorgt für Nachschub auf dem Kuchentablett, auf dem Spezialitäten aus unterschiedlichen Ländern angeboten werden. Die vielen Besucher sind ihr Trost für die Anstrengungen der vergangenen Tage. Seit sieben Jahren ist sie für die Logistik am Kuchenbüfett verantwortlich. Die Begeisterung für ihr Ehrenamt ist unüberseh- und unüberhörbar.

Der Erfolg des Frankfurter WIZO-Basars drückt sich auch in Zahlen so aus: »Es ist ein hoher sechsstelliger Betrag zusammengekommen«, verrät Diana Schnabel am Montagnachmittag. Zu dieser Zeit sind die WIZO-Damen noch damit beschäftigt, die Stände abzuräumen.

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