München

Eine Kindheit in Auschwitz

Zeitzeugin Ruth Melcer (M.) Foto: Marina Maisel

Jom Haschoa: Dieser Tag ist den Opfern des Holocaust und zugleich den Helden des Widerstands gewidmet – und damit auch für die IKG ein wichtiger und fester Bestandteil der Erinnerung. Welche Bedeutung hinter dem Gedenktag steckt, machte bei den Feierlichkeiten in diesem Jahr eine zierliche, fast zerbrechlich wirkende Dame deutlich. Ruth Melcer (82) hat als Kind Auschwitz überlebt, was einem Wunder gleichkommt.

»Betrachtungen einer Schoa-Überlebenden« hatte Ellen Presser, Leiterin der IKG-Kulturabteilung und Organisatorin der Gedenkstunde, auf den Veranstaltungs-Flyer geschrieben. Die von Ruth Melcer in der Ohel-Jakob-Synagoge dann vorgetragenen Betrachtungen waren ein bewegendes Stück ihrer Lebensgeschichte.

Ohnmacht Was die Schoa auch mehr als sieben Jahrzehnte danach für sie persönlich bedeutet, wurde schon nach wenigen Sätzen klar. »Hier vor Ihnen zu stehen«, sagte sie, »empfinde ich als Verpflichtung gegenüber meinem im Alter von sechs Jahren ermordeten Bruder Mirek, meinen Großeltern, Tanten und Onkeln. Der Tod meines Bruders und meine Ohnmacht, ihn als ältere Schwester nicht retten zu können, begleiten mich bis heute.«

Die »ältere Schwester«, die ihren kleineren Bruder nicht retten konnte, war bei ihrer Befreiung im Januar 1945 gerade einmal neun Jahre alt und konnte weder lesen noch schreiben. »Ich wusste nur meinen Namen und meine Häftlingsnummer«, beschrieb Ruth Melcer ihren damaligen Zustand. Sie sagte außerdem, dass ihre Erinnerung an ihre Kindheit erst mit Auschwitz beginnt.

Die Besucher der Gedenkstunde, denen Ruth Melcer tiefe persönliche Einblicke gewährte, hörten von der Zeitzeugin auch Zweifel am Zustand der heutigen Gesellschaft. »Der Gedanke an eine Zukunft, in der sich Antisemitismus, Rassismus, Hass und Menschenverachtung weiter ausbreiten, macht mich unendlich traurig«, erklärte die dreifache Mutter, die in München eine Heimat fand.

Geschichte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, die wie in jedem Jahr an der Gedenkstunde teilnahm, hält solche Sorgen für mehr als berechtigt. »Der Jom Haschoa«, sagte sie am Rande der Feier, »ist ein bedeutsamer Tag für uns – und sollte es auch für alle anderen sein. Doch immer mehr Menschen wollen die Geschichte hinter sich lassen, wollen sich den Ungeheuerlichkeiten nicht mehr stellen.«

In der Feierstunde hatte auch Gemeinderabbiner Shmuel Aharon Brodman explizit darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, die Erinnerung an die Opfer der Schoa aufrechtzuerhalten. Dies geschah am Gedenktag wieder in eindrucksvoller Weise. Der Chor Schma Kaulenu unter Leitung von David Rees sowie Vladimir Gaba und Luisa Pertsovska steckten den musikalischen Rahmen ab, das Jugendzentrum Neshama und der Verband jüdischer Studenten in Bayern trugen Texte ermordeter junger Menschen wie Peter Fischl, Selma Meerbaum-Eisinger und Hannah Szenes sowie der Zeitzeugin Eva Szepesi vor.

Potsdam

Neues Synagogenzentrum vor Einweihung

Zu dem Festakt wird auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet

 04.06.2024

Berlin

Mehrere Hundert Menschen bei bunter Lag-BaOmer-Parade

Rabbiner Yehuda Teichtal: Starkes Zeichen für fried- und respektvolles Miteinander

 27.05.2024

Boris Schulman

Dieses Jahr ist Jom Haschoa anders

Zum Tag des Gedenkens an die Schoah reflektiert unser Autor die Bedeutung des Heimatbegriffs in Bezug auf Deutschland und Israel

von Boris Schulman  07.05.2024

Oldenburg

Brandanschlag auf Synagoge: Erste Hinweise auf Tatverdächtigen

Für Hinweise, die zur Tataufklärung führen, ist eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt

 06.05.2024

Berlin

Zeichen der Solidarität

Jüdische Gemeinde zu Berlin ist Gastgeber für eine Gruppe israelischer Kinder

 15.04.2024

Berlin

Koscher Foodfestival bei Chabad

»Gerade jetzt ist es wichtig, das kulturelle Miteinander zu stärken«, betont Rabbiner Yehuda Teichtal

 07.04.2024

Hannover

Tränen des Glücks

Auf der Damentoilette gibt es eine Schminkorgie, während Backstage auch mal die Gefühle durchgehen. Aber »je näher der Abend, desto geringer die Aufregung«

von Sophie Albers Ben Chamo  31.03.2024

Hannover

»Alle sollen uns hören und sehen!«

Tag zwei der Jewrovision beweist, dass immer noch mehr Energie möglich ist. Nach Workshops und Super-Hawdala geht es zur Kirmes und auf die Zielgerade zur Generalprobe am Sonntagvormittag

von Sophie Albers Ben Chamo  30.03.2024

Jewrovision

Perfekter Auftritt

Der Countdown zur 21. Jewrovision läuft. Rund 1300 Teilnehmer und Gäste aus den deutschen Gemeinden purzeln in Hannover aus den Bussen und bereiten sich auf das große Finale am Sonntag vor: Time to Shine!

von Sophie Albers Ben Chamo  29.03.2024