Frankfurt/Main

»Eine große Ehre, mit ihm verbunden zu sein«

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (r.) übergibt den mit 50.000 Euro dotierten Ignatz-Bubis-Preis an Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Foto: Rafael Herlich

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ist am Dienstag mit dem Ignatz-Bubis-Preis 2016 ausgezeichnet worden. Der SPD-Politiker und Kandidat für das Bundespräsidialamt trage wie der 1999 verstorbene Zentralratsvorsitzende Bubis »zum Erhalt und zur Weiterführung einer offenen und friedlichen Gesellschaft in Freiheit« bei, begründete die Preiskommission die Ehrung Steinmeiers.

Dieser bedankte sich in der Frankfurter Paulskirche »von ganzem Herzen für die Auszeichnung, die den Namen eines wirklich großen Frankfurter Bürgers« trage. »Es ist mir eine besondere und große Ehre, durch diesen Preis mit Ignatz Bubis verbunden zu sein«, sagte er. Doch verstehe er den Preis vor allem als »Auftrag, Freiheit und Demokratie unter veränderten Bedingungen zu sichern«.

Bürgerbündnis In seiner Laudatio formulierte der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Tom Koenigs, diesen Auftrag konkret. Bubis’ Befürchtung, dass die Xenophobie in die Mitte der Gesellschaft vordringe, sei so aktuell wie nie, sagte Koenigs. Daher appellierte er an den künftigen Bundespräsidenten, ein Bürgerbündnis zu schmieden, das Werte wie »Weltoffenheit, das Recht auf Anderssein und eine gute Nachbarschaft gegen die Tendenzen der Vereinfachung und Verdummung« verteidige.

Steinmeier selbst sprach sich in seiner Dankesrede für die Schaffung eines »neuen, widerstandsfähigen Demokratieraumes aus, in dem viele zu Wort kommen, aber viele auch zuhören«. Die Unterscheidung von Fakt und Lüge sei nach wir vor eine notwendige Voraussetzung für jede Demokratie.

Im persönlichen Gespräch erzählte Koenigs von einer Begegnung mit Bubis, die er wohl nie vergessen werde. »1989 erhielt ich einen Anruf von Ignatz Bubis. Er lud mich ein, mit ihm zusammen den alten jüdischen Friedhof an der Rat-Beil-Straße in Frankfurt zu besuchen. Dort erzählte er mir die Geschichte meiner Stadt anhand der jüdischen Gräber. Anschließend gingen wir in den neueren Teil des Friedhofs und standen lange vor den Grabstellen der etwa 800 Frankfurter Juden, die sich Anfang der 40er-Jahre aus Angst vor Deportation das Leben genommen hatten.«

Ausdauer »Mich hat immer beeindruckt, wie sehr sich Ignatz Bubis im Gespräch auf sein Gegenüber einlassen oder einstellen konnte«, sagte Rachel Heuberger, die Leiterin der Hebraica- und Judaica-Sammlung in der Frankfurter Universitätsbibliothek. Sie habe auch Bubis’ Ausdauer bewundert. »Nach einem langen Tag voller Termine konnte er, wenn wir manchmal noch zusammensaßen, mit derselben Konzentration und Intensität diskutieren wie am frühen Morgen.«

Er habe Bubis bei vielen Sitzungen des Zentralrats erlebt, sagte Zentralratsvize Mark Dainow. »Doch für mich war er vor allem ein Mensch.« Er erinnerte an den Beginn der Zuwanderung von Juden aus der Sowjetunion: »Die Bundesregierung verlangte damals vom Zentralrat, dafür Sorge zu tragen, dass es tatsächlich nur Juden waren, die man aufnehmen sollte. Daraufhin sagte Ignatz Bubis: ›Ich stand als junger Mensch an der Rampe von Auschwitz, und eine Handbewegung hat darüber entschieden, ob ich leben oder sterben werde, je nachdem, in welche Richtung die Hand wies. Und jetzt soll auch ich Schicksal spielen und entscheiden, wer hier leben darf und wer nicht?‹ Das hat Helmut Kohl, der damalige Bundeskanzler, sofort verstanden.«

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