Pforzheim

Ein Zeichen des Vertrauens

»Wir vertrauen dem Land, in dem wir leben«: Zentralratsvizepräsident Abraham Lehrer (l.) Foto: Tina Kampf

Der Bau einer neuen Synagoge sei ein großer Vertrauensbeweis. Das sagte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, in seinem Grußwort zum zehnjährigen Bestehen der Synagoge Pforzheim. »Eine jüdische Gemeinde, die den Mut fasst, eine neue Synagoge zu bauen, sagt damit: Wir vertrauen dem Land, in dem wir leben. Wir vertrauen darauf, dass wir hier eine Zukunft haben«, sagte Lehrer am Sonntag vor rund 250 geladenen Gästen und Gemeindemitgliedern. Die Pforzheimer Gemeinde mit ihrem Vorsitzenden Rami Suliman setze dieses Zeichen des Vertrauens.

Bei all dem seien die Bedingungen für ein sicheres jüdisches Leben in den vergangenen zehn Jahren nicht besser geworden, betonte Lehrer und erinnerte daran, welche Auswirkungen die Anschläge auf das World Trade Center erreicht haben. »Doch wohl niemand von uns allen hier hätte sich ausgemalt, dass Europa davon so betroffen sein könnte, wie es inzwischen der Fall ist.« Die Demonstrationen 2014 im Zuge des Gaza-Krieges in Berlin, Frankfurt und im Ruhrgebiet hätten die jüdische Bevölkerung stark verunsichert. »Hunderte Demonstranten brüllten judenfeindliche Parolen, wie wir das auf deutschen Straßen nicht mehr für möglich gehalten hätten.«

Flüchtlinge In diesem Zusammenhang sprach Lehrer auch den Zustrom von Kriegsflüchtlingen an. Er mahnte, dass Deutschland überlegen müsse, »welche Kapazitäten da sind, damit die Integration gelingen kann«. Eine erfolgreiche Integration sei die Voraussetzung, damit die Gesellschaft nicht weiter auseinanderdrifte. »Schon jetzt sind die Auswüchse am rechten Rand sehr beunruhigend«, sagte Lehrer. Dennoch nehme er das Jubiläum als Anlass, selbstbewusst zu betonen: »Jüdisches Leben muss weiterhin einen festen Platz in unserer Gesellschaft haben!«

Die Gemeinde sei in der Pforzheimer Gesellschaft angekommen, versicherte ihr Vorsitzender Rami Suliman. »Wir stehen fest in der Pforzheimer Gesellschaft und fühlen uns wohl.« Er betonte, die Synagoge sei der Mittelpunkt des jüdischen Lebens in Pforzheim. »Sie ist zu unserem Heim geworden. Und es ist ein offenes Haus für alle, von dem aus wir Brücken zu anderen Menschen bauen«, sagte Suliman. Offenheit, der Dialog auch mit den christlichen Kirchen und Muslimen sei ihm eine Herzensangelegenheit.

selbstverständlichkeit Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager (SPD) bezeichnet dieses Miteinander als vorbildlich. Die Synagoge sehe er als Beleg dafür, dass das Böse in Deutschland nicht obsiege und jüdisches Leben in Deutschland und in Pforzheim etwas ganz Selbstverständliches sei. Hager versicherte rückblickend, die Bilder der Einweihung hätten sich in sein Herz eingebrannt.

Nach einer jahrelang andauernden Zwischenlösung hatte die Gemeinde 2004 ein geeignetes Gebäude gefunden. Bis 2006 wurde die ehemalige Landeszentralbank nach den Plänen des Architekten Nathan Schächter umgebaut. Das heutige Gemeindezentrum für rund 400 Mitglieder hat eine Synagoge, eine Schule und Verwaltungsräume. ja

 

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