Sport

Ein Traum in Blau und Weiß

Mit dem Maccabi-Herz: Vereinspräsident Robby Rajber Foto: Marina Maisel

Der Dresscode für die Gäste ist schon einmal festgelegt. »Golden Glamorous« soll am 12. Dezember die große Party des TSV Maccabi München in den Räumlichkeiten der IKG am Jakobsplatz dominieren. Angebracht ist es, denn der Sportverein, dem nicht nur der Sport wichtig ist, feiert dann den 50. Jahrestag seiner Wiedergründung.

Rekorde, Bestleistungen, Siege: Solche Ziele hatten die Gründungsväter, Überlebende der Schoa, vor 50 Jahren allenfalls am Rande im Blick, als sie den TSV Maccabi ins Vereinsregister eintragen ließen. Geändert hat sich daran bis heute nichts. Auf der Homepage ist es nachzulesen: »Wenn du Lust hast, Sport zu treiben, und dir Spaß und Freude fast noch wichtiger sind, als unbedingt gewinnen zu wollen, dann schau einfach mal auf unserer Anlage in der Riemer Straße vorbei.«

vorbild Münchens langjähriger Oberbürgermeister Christian Ude freut sich, dass der Verein mehr denn je die sportliche Heimat für Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterschiedlicher ethnischer und konfessioneller Zugehörigkeit geworden ist. »Der Verein«, so Ude, »ist ein Brückenbauer im besten Sinne, der nicht nur auf dem Sportplatz auf vorbildliche Weise gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung und für ein vorurteilsfreies, friedliches Miteinander eintritt.«

Der TSV Maccabi hat seinen besten Fußballplatz auf dem Gelände im Osten der Stadt nach Kurt Landauer benannt. Der Name verrät viel über die Geschichte des Sports in München, das dunkle Kapitel des nationalsozialistischen Wahns und auch über das Selbstverständnis des Vereins. »Landauer ist der passende Pate für den TSV Maccabi, in dem sich Mitglieder aus vielen Nationen treffen«, sagte FC-Bayern-Ikone Uli Hoeneß bei der Eröffnung des Spielfelds 2010.

Kurt Landauer war Präsident von Bayern München und musste, um zu überleben, vor den Nazis in die Schweiz flüchten. Er habe aber auch, so Hoeneß, in beispielhafter Weise Münchens Fußballtradition, Loyalität und Toleranz repräsentiert und sich zu einem großen Visionär des Fußballs entwickelt, weil er frühzeitig dessen völkerverbindende Kraft erkannt habe.

miteinander Jüdische Sportler, nichtjüdische Sportler? Mit der Frage hält sich Maccabi-Präsident Robby Rajber nicht lange auf. »Das spielt bei uns keine Rolle. Jeder kann kommen«, sagt er und meint damit das, was die sportbegeisterte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch so beschreibt: »Maccabi ist auch ein Botschafter für Demokratie und Toleranz. Nicht umsonst wirbt Maccabi auch abseits des Sports für ein vorurteilfreies Miteinander.« Die IKG-Präsidentin spricht noch eine weitere wichtige Ebene des Vereinslebens an: »Hier lernen sich Menschen mit unterschiedlichem nationalen Hintergrund kennen und knüpfen Freundschaften. Berührungsängste, die oftmals von Generation zu Generation bewusst oder unbewusst in den Köpfen der Menschen weitergetragen werden, können durch diese Form des Miteinanders abgebaut werden.«

Charlotte Knobloch lobt ausdrücklich die vielfältigen Aktivitäten und das große Engagement des Vereins gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, das sich nicht auf theoretische Erörterungen erstreckt, sondern ganz konkret umgesetzt wird und gerade in der heutigen Zeit von besonderer Bedeutung ist. »Dieses Engagement ist ganz im Sinne der Gründerväter von Maccabi, die den Holocaust überlebt hatten und trotz ihrer furchtbaren Erfahrungen stets an eine Zukunft in diesem Land geglaubt haben.«

Der Bitte von Robby Rajber, dem Verein für das Jubiläumsfest den gebührenden festlichen Rahmen zur Verfügung zu stellen, ist die IKG-Präsidentin nur allzu gerne nachgekommen. Die Feier findet am 12. Dezember ab 19.30 Uhr im Hubert-Burda-Saal statt. Charlotte Knobloch hat die Schirmherrschaft für das gesellschaftliche Glanzereignis übernommen. Es steht unter dem Motto »Let’s have a golden Party!«

kulinarisch Rund vier Wochen vor dem Termin hat Robby Rajber mit der Organisation der Feier zurzeit alle Hände voll zu tun. Das Restaurant »Einstein« wird das kulinarische Angebot stellen, und die »Afifon Band« aus Israel sorgt für die richtige musikalische Stimmung. Auch die Tombola mit einem Oldtimer als erstem Preis ist bereits organisiert. »Trotzdem gibt es noch viel zu tun«, sagt Maccabi-Präsident Rajber, der in diesem Jahr ebenfalls ein Jubiläum feiern kann. Seit nun schon zehn Jahren steht er an der Spitze des Vereins.

Zu den derzeit noch offenen Posten bei der Planung zählt auch ein gedrucktes Highlight, das bis zum Fest fertiggestellt sein soll: ein Fotobuch, das die Maccabi-Geschichte dokumentiert. »Wir suchen Fotos aus der Vergangenheit, aber auch ganz aktuelle«, sagt Rajber. Er hofft, dass möglichst viele Makkabäer ihre Lieblingsmotive bis zum 25. November an den Verein schicken – über die Postadresse TSV Maccabi München, zu Hd. S. Bruck, Riemerstraße 300, 81829 München, oder über die Website http://bit.ly/1XJTRot. Unter allen Einsendern wird ein Teilnehmer ausgelost, der dann an der großen Tombola teilnehmen kann. Robby Rajber: »Das Los ist 1000 Euro wert.«

Porträt der Woche

»Ich liebe mein Leben«

Levana Emmert wurde in Nordafrika geboren, lebt in Nürnberg und bekocht gern in ihrem Restaurant Gäste

von Katrin Diehl  07.12.2019

Spendengala

Dauerhafte Perspektiven

Die WIZO-Frauen sammelten für Projekte in Israel

von Helmut Reister  05.12.2019

Klimawandel

Trotz allem mobil

Wie Gemeinden ganz individuell Umweltschutz praktizieren

von Elke Wittich  05.12.2019

Repräsentantenversammlung

21-mal Koach

Weil keine Gegenkandidaten antreten, fällt die Wahl zum Gemeindeparlament in diesem Jahr aus

 05.12.2019

Berlin-Tiergarten

Ponchys à la Faradjew

Vater und Sohn servieren in ihrem Imbiss israelisch-kaukasische Familienspezialitäten

von Maria Ugoljew  01.12.2019

Darmstadt

Mit Herz und Bauchgefühl

Der regionale Schabbaton widmet sich jüdischen Influencern

von Eugen El  28.11.2019