Konstanz

Ein Haus für zwei

Verkündet wurde die frohe Botschaft eigentlich zu einem traurigen Anlass. Dennoch hat die Verknüpfung der beiden Ereignisse aber durchaus einen inneren Sinn: Ende Oktober benutzte der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank (Grüne) eine Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Deportation der badischen Juden ins südfranzösische Gefangenenlager Gurs, um einer staunenden Öffentlichkeit zu verkünden, dass Konstanz schon bald eine Synagoge bekommen wird. 2012 werde Konstanz endlich wieder über eine Synagoge verfügen und nicht nur – wie seit Jahren – bloß über einen Betsaal. Bis zur Pogromnacht 1938 hatte auch in der Stadt am Bodensee ein jüdisches Gotteshaus gestanden.

Streit Diese Nachricht, vom ersten Mann der Stadt stolz auch den neugierigen Medien verkündet, war vor Jahresfrist wohl noch kaum vorstellbar. Zu tief war die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) als ursprüngliche Bauherrin in endlose Auseinandersetzungen verstrickt. Zum einen mit der Jüdischen Gemeinde (JG), einer Gruppierung, die sich vor einigen Jahren von der IKG abgespalten hatte. Im Streit lag man aber auch mit dem Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, dem Dachverband mit Sitz in Karlsruhe. Ein Streit, der auch den seit Jahren geplanten Neubau eines Gemeindezentrums mit Synagoge und Mikwe auf dem gleichen Areal verhindert hatte.

Die IKG sollte bis 2008 ein neues Gotteshaus auf dem Areal eines ehemaligen Hotels bauen, konnte das aber wegen mangelnder Finanzen nicht. In die Bresche springt nun als Bauherr das oberste Gremium der Gemeinden. Die Finanzen – sicher wichtigster Punkt beim Neubau – sind nun schon bis ins Detail geregelt: Der Oberrat stellt rund 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. »Dank der sprudelnden Einnahmen aus den uns zustehenden Kultussteuern können wir diesen Betrag sogar ohne Kreditaufnahme stemmen«, freut sich Wolfgang Fuhl, Vorsitzender des Oberrates. Erfreulich sei aber auch, dass sich die Mitgliederstruktur der zehn Badener Gemeinden gut entwickle, meint Fuhl: »Viele gut Ausgebildete, wenige Harz-IV-Empfänger«. Das wirke sich natürlich auch positiv auf die Steuereinnahmen der Gemeinden aus, alles Faktoren, die den geplanten Synagogenbau am Bodensee begünstigen.

Die Stadt Konstanz, die den Bauplatz an der Sigismundstraße zur Verfügung stellt, beteiligt sich außerdem mit 160.000 Euro. Wichtig sei, so Wolfgang Fuhl, dass das ursprüngliche Ziel, nämlich im Stadtzentrum ein sichtbares jüdisches Zentrum entstehen zu lassen, jetzt wie geplant umgesetzt werden könne.

Ausrichtung Einer der weiteren Faktoren ist sicher die Streitmüdigkeit der beiden Gemeinden. Außenstehenden war es ohnehin nur schwer vermittelbar, dass eine so kleine Gemeinschaft von knapp 400 Menschen sich nicht in einer Gemeinde organisieren kann, auch wenn das Aufspalten von Gemeinden aufgrund von unterschiedlichen Ansichten über die religiöse Ausrichtung andernorts bekannt ist.

In den Bauausschuss zur Errichtung der Synagoge entsenden beide Gemeinden Vertreter. Die gemeinsame Aufgabe könnte ein erster Schritt hin zu einer Wiedervereinigung werden, sagt Wolfgang Fuhl. Spätestens Mitte 2012, dann also wenn die neue Synagoge eröffnet werden soll, würde eine neu zu gründende Synagogen-Gemeinde Konstanz wieder für endgültigen Frieden unter den Konstanzer Juden sorgen. Von den direkt Betroffenen, den Gemeindevertretern war allerdings zu einer sozusagen von oben verordneten (Wieder-)Vereinigung kein Kommentar zu erhalten. Die vereinigte Gemeinde soll ab Mitte 2012 im Übrigen auch einen Rabbiner oder Chasan erhalten, so IRG-Vorsitzender Wolfgang Fuhl, und wenn es eine halbe Stelle wäre. Eine weitere Aufgabe der neuen Gemeinde werde dann die Finanzierung der Inneneinrichtung der neuen Synagoge sein: »Diese finanzielle Zweckaufteilung hatten wir schon in Lörrach«, erklärt Fuhl, der selbst in der Grenzstadt wohnt (und dort auch das Amt eines Gemeinde-Vizepräsidenten bekleidet). Wie in der Synagoge in Lörrach soll auch in Konstanz dasselbe und bewährte Architekten-Duo zum Zuge kommen.

Die Grundsteinlegung soll sogar noch im laufenden Jahr stattfinden. An dieser symbolträchtigen Zeremonie, für die bislang jedoch noch kein Termin bestimmt ist, sollen Prominente aus christlichen und jüdischen Kreisen sowie aus der Landespolitik an den Bodensee kommen.

Nur der weise König Salomo, so schrieb ein Kolumnist in der lokalen Zeitung Südkurier vor einiger Zeit, könne den Konstanzer Synagogenstreit letztlich noch lösen. Nun müssen die Beteiligten am Bodensee doch keine biblische Hilfe in Anspruch nehmen, wie es scheint.

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