Tu Bischwat

Ein Hauch von Frühling

Gemeinschaftsprojekt: Kinder pflanzen Setzlinge im Frankfurter Palmengarten. Foto: Rafael Herlich

Tu Bischwat – das Neujahr der Bäume naht. Das Fest, von dem manche behaupten, es sei nur erfunden worden, um Eltern zur Auswanderung nach Israel zu bewegen. Denn während man sich in Deutschland noch Frostbeulen holt, kommen die Kinder mit kleinen Setzlingen aus Schule und Kindergarten, erzählen von blühenden Mandelbäumen und knospenden Blumen. Schließlich sind die Temperaturen Anfang Februar in Israel bereits zweistellig – und Tu Bischwat markiert das Ende der Regenzeit und den Beginn der idealen Pflanzperiode.

Ums Pflanzen geht es deshalb auch in den jüdischen Kindergärten Frankfurts und in der Isaak‐Emil‐Lichtigfeld‐Schule. »Alle Kinder verzieren Blumentöpfe und pflanzen Primeln. Aus Nylonstrümpfen entstehen Kressewürmer und -köpfe«, erklärt Shira Malloy, Leiterin des Kindergartens Bereschit. Die Größeren fahren traditionell in den Palmengarten, Frankfurts grüne Oase inmitten der Stadt.

Ausflug Tu Bischwat wird so zum Ausflugstag: Mit dem Frühstück im Rucksack geht’s für die Bereschitler und die Kindergartenkinder aus Offenbach zur Bahn, die Schützlinge des Westend‐Kindergartens und der Krabbelstube Arche Noah sowie die Eingangsstufenschüler liegt der Palmengarten so nah, dass sie zu Fuß hingehen können.

Im Palmengarten werden alle Gruppen von Vertretern der »Grünen Schule« und meist auch von Beni Bloch, Präsident des Jüdischen Nationalfonds KKL, oder dessen Kollegen Marc Grünbaum erwartet. Schließlich ist der KKL Profi in Sachen Begrünung und Umweltschutz. Und den Kindern vertraut, denn sie werfen an jedem Schabbat eine Münze in die KKL‐Büchsen.

»Tu Bischwat ist dann quasi der ›Büchsenleer‐Tag‹« sagt Keren Muhs vom KKL lachend. Sie ist unter anderem dafür zuständig, dass jedes Kind die auf seinen Namen ausgestellte Urkunde in den Händen halten kann. In der wird bescheinigt, dass durch seine Unterstützung ein Baum in Israel gepflanzt wurde.

Jahresbaum Rund 200 Kinder nehmen jedes Jahr an dem vom KKL finanzierten Projekt im Palmengarten teil: Gemeinsam pflanzen Groß und Klein dort Setzlinge in kleine Tontöpfchen – in einem Jahr »Geldbäume«, im vergangenen Jahr waren es Palmen. Zudem gibt’s für die Kinder eine Führung zu den »biblischen Bäumen«. Beim Rückweg in die Schule und die Kindergärten ist dann Balance gefragt. Gilt es doch, die frisch eingepflanzten Bäumchen möglichst in aufrechter Position zu transportieren.

Für die Erwachsenen veranstaltet der KKL zu Tu Bischwat alljährlich einen »Tag der offenen Tür«. In diesem Jahr wird es am 9. Februar zusätzlich einen Tu‐Bischwat‐Seder geben. Dieser Brauch ist im 16. Jahrhundert in Israel entstanden. Man trinkt vier Gläser Wein: Erst Weißwein, dann ein Glas Weißwein mit einigen Tropfen Rotwein, das dritte Glas enthält mehr Rotwein als Weißwein und das vierte nur Rotwein.

Damit wird die Entwicklung vom Winter (weiß) zum Sommer (rot) symbolisiert. Zudem wird der Sedertisch mit den »sieben Arten« Israels gedeckt. So sollen Rosinen (Weintrauben), Nüsse, Feigen, Datteln, Oliven, Granatäpfel und Getreide bereitliegen.

Festwochen Wenn die vierten Klassen der Lichtigfeld‐Schule ihren Seder feiern, werden die Schüler natürlich Saft statt Wein serviert bekommen. Der Alkohol bleibt den Eltern vorbehalten, die in diesem Jahr mitfeiern dürfen. Auch die jüngsten Schüler feiern im Religionsunterricht einen Tu‐Bischwat‐Seder. Der ist neben dem Ausflug in den Palmengarten allerdings nur das Finale der Tu‐Bischwat‐Festlichkeiten.

Denn bereits in den zwei Wochen vor dem Fest dreht sich bei den Fünf‐ bis Siebenjährigen im Unterricht vieles um das Neujahrsfest. Erleb‐ und begreifbar wird dessen Bedeutung durch einen Baum, der im Flur der Eingangsstufe hängt. Jedes Kind erhält entweder ein Blatt oder eine rosafarbene oder weiße Blüte, die es mit einem Wunsch für Israel bemalt oder beschriftet und daranhängt.

So verwandeln sich seine grünen Blätter pünktlich zum Neujahr in einen Mandelblütenbaum. Gesäumt wird dieser von einer Israel‐Karte, an die jede Klasse kleine Papierbäume hängt, um zu zeigen, wie viele Bäume durch die eingesammelten Spenden in Israel gepflanzt werden können.

Die fünften und sechsten Klassen nähern sich Tu Bischwat mit einem Projekt rund ums Thema Wasser und Bäume. Über alle Altersstufen hinweg entstehen zu Tu Bischwat Bilder und Bastelarbeiten rund um das Erwachen der Natur. So können die Kinder – während es draußen klirrend kalt ist – zumindest einen Hauch von Frühling mit nach Hause bringen.

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