München

Ehrung für einen Freund

Charlotte Knobloch und Horst Seehhofer bei der Verleihung der höchsten IKG-Auszeichnung Foto: Sharon Bruck

Die Feier zum 200-jährigen Bestehen und zum 70. Jahrestag der Wiedergründung der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern am Mittwoch vergangener Woche wurde zu einem glanzvollen gesellschaftlichen Ereignis, das ganz München berührte.

Etliche hochrangige Repräsentanten des Freistaats, der Stadt und der jüdischen Gemeinde besuchten den Festakt im Gemeindezentrum am Jakobsplatz. IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, Gastgeberin der doppelten Jubiläumsfeier, begrüßte jeden Einzelnen der fast 500 geladenen Gäste.

Verbundenheit Allein seine Größe war es nicht, die Horst Seehofer an diesem Abend zu einer herausragenden Person machte. Vielmehr ist es auch seine tiefe Verbundenheit mit den in München und ganz Bayern lebenden Juden, die ihn den Worten von Charlotte Knobloch zufolge in ganz besonderem Maße auszeichnet.

Ein sichtbares Zeichen, mit dem der Ministerpräsident im Rahmen des Festakts für »sein fortwährendes und glaubwürdiges Engagement für die Verständigung zwischen Juden und Nichtjuden« gewürdigt wurde, war die Überreichung der Ohel-Jakob-Medaille in Gold. Es ist die höchste Auszeichnung, die die IKG zu vergeben hat. Für ihn, so der Ministerpräsident, sei dies eine ganz besondere Ehre. »Ich empfinde Freude und Dankbarkeit zugleich.«

Die 200 Jahre lange und wechselhafte Geschichte der IKG und des jüdischen Lebens in München, das Auf und Ab, spiegelte sich auch in der Festveranstaltung im Hubert-Burda-Saal wider. Charlotte Knobloch erinnerte an die schwierigen Anfänge zu Beginn des 19. Jahrhunderts, an die Blütezeit ein Jahrhundert später, an die Zerstörung durch die Nazis – und an die Rückkehr ins Leben der Stadt. Oberbürgermeister Dieter Reiter nahm mit Blick auf den heutigen Stellenwert der IKG im Gesellschaftsgefüge der Stadt das Wort »Wunder« in den Mund.

Ziel »Mia san auch mia« – treffender hätte IKG-Präsidentin Knobloch in ihrer Rede das Selbstverständnis der Juden und ihrer gesellschaftlichen Rolle nicht beschreiben können. Aber sie sagte auch, dass ein wesentliches Ziel noch nicht erreicht sei: »Ich wünsche mir, dass das jüdische Leben hierzulande wieder selbstverständlich und normal ist. Dazu gehört auch, die Frage nicht mehr stellen zu müssen, ob Juden in Deutschland eine Zukunft haben.«

Ministerpräsident Horst Seehofer lässt bei solchen Überlegungen keinen Interpretationsspielraum zu. »Jüdische Kultur und Lebensweise«, erklärte er unter dem Beifall der Festgäste, »sind ein unverzichtbarer Teil unseres Landes.« Folgt man den Worten von Edmund Stoiber, der die Laudatio auf seinen Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten hielt und selbst Träger der Ohel-Jakob-Medaille ist, hat diese Aussage ein ganz besonderes Gewicht. »Horst Seehofer muss viele Kompromisse in seinem Amt machen. In seiner Haltung zur deutschen Geschichte und zu den jüdischen Menschen in Bayern und Deutschland ist er absolut kompromisslos«, so Stoiber.

Zu den vielen Persönlichkeiten, die an der Festveranstaltung teilnahmen, gehörte auch Max Mannheimer, der Auschwitz überlebte und in seiner Unermüdlichkeit ein lebendes Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus ist. Auch das ist Teil der 200-jährigen IKG-Geschichte – nicht nur in der Vergangenheit. Wiederaufflammender Antisemitismus bereitet nicht nur Charlotte Knobloch Sorge. Die IKG-Präsidentin sprach dabei von »Schattenseiten« in Deutschland.

sicherheit Alle Festredner des Abends, darunter Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, und Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle gingen auf diesen Punkt ein. Aber alle machten auch deutlich, sich mit aller Kraft gegen solche Entwicklungen zu stemmen. Innenminister Joachim Herrmann äußerte sich unmissverständlich: »Wir werden alles daran setzen, dass es beim ›Nie wieder‹ bleibt und Juden hier in Sicherheit und Frieden leben können.« Charlotte Knobloch ist sich der Bedeutung dieser Aussagen bewusst. »Bayern ist die beste und sicherste Heimat für Juden in Europa«, erklärte sie.

Lichtprojektionen an den Wänden, Foto- und Filmsequenzen auf der Leinwand, üppige Blumendekorationen auf den Tischen, ein köstliches Drei-Gänge-Menü aus dem IKG-Restaurant Einstein: Die Jubiläumsfeierlichkeit, bei der am Ende der Stolz und die Freude über die wechselvolle IKG-Geschichte überwogen, stieß bei den Gästen auf Zustimmung.

Zum atmosphärischen Wohlbefinden trugen Olga Salogina (Klavier) und Mark Tiktiner (Violine) mit Werken von Lazare Saminsky und Ludwig van Beethoven bei. Kein Wunder, dass IKG-Präsidentin Knobloch die letzten Gäste weit nach Mitternacht verabschiedete.

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