Frankfurt/Main

Drei Rabbiner ins Amt eingeführt

Wurden feierlich ins Amt eingeführt: die Rabbiner Nosson Kaplan, Benjamin Kochan und Jochanan Guggenheim (v.l.) Foto: Rafael Herlich

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat gemeinsam mit dem Rabbinerseminar zu Berlin am Montag in Frankfurt am Main die Ordination von drei Rabbinern gefeiert. »Die Ordination neuer Rabbiner zeigt für mich wie kaum ein anderes Ereignis die Stärke unserer Gemeinschaft«, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster in der Westend-Synagoge.

Schuster warnte, durch den Erfolg der Partei AfD und anderer Rechtspopulisten sowie der steigenden Zahl von Islamisten wehe »ein kalter, heftiger Wind durch Deutschland«. Ihm setzten die jüdischen Gemeinden ihre Werte und Gebote entgegen. »Wir zeigen, dass das geht. Wir lassen unsere Werte nicht einfach wegpusten. Das haben wir schon über Jahrtausende bewiesen«, sagte Schuster.

Ministerpräsident
Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bezeichnete die Ordination der Rabbiner als »ein herausragendes Ereignis und Anlass großer Freude für unser Land«. Es sei »die Fortsetzung eines Stücks bedeutender deutsch-jüdischer Geschichte«, sagte Bouffier. Das jüdische Leben habe wieder einen festen Platz in der deutschen Gesellschaft. »Mit der Rückkehr der jüdischen Kultur ist auch unser Land wieder zu unserer Kultur zurückgekehrt.« Die Perspektive des jüdischen Glaubens sei für die gesamte Gesellschaft eine Bereicherung. Israel- und Judenfeindlichkeit »dulden wir nicht«, sagte der Ministerpräsident.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Salomon Korn, sprach vom Ausdruck wachsender Hoffnung und vorsichtigem Vertrauen in die Weiterentwicklung jüdischen Lebens in Deutschland: »Das damit verbundene Bekenntnis zu Deutschland als jüdische Lebenswelt mit Aussicht auf Dauerhaftigkeit ist eine der Botschaften der heutigen Feierstunde. Eine Botschaft, die Ihnen allen, verehrte Absolventen, Kraft und Selbstbewusstsein geben möge für ihre künftige Aufgaben.«

Rektor Der Rektor des Rabbinerseminars Berlin, Dayan Chanoch Ehrentreu, überreichte die Ordinationsurkunden. Er könne sich noch an das Brennen der Heiligen Schrift in der Pogromnacht 1938 erinnern, sagte der 1932 in Frankfurt Geborene. »Wer hätte sich vor 70 Jahren vorstellen können, dass es wieder ein blühendes jüdisches Leben gibt?« Aber der Geist Gottes sei ewig und könne nicht verbrannt werden.

An der Ordinationsfeier nahmen auch hochrangige Vertreter der Beth Medrash Govoha aus Lakewood/USA sowie führende Rabbiner Europas und eine Vielzahl hochrangiger Repräsentanten der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland teil.

Gemeinden
Die drei heute ordinierten Rabbiner – Nosson Kaplan, Jochanan Guggenheim und Benjamin Kochan – haben ihre Ausbildung am Rabbinerseminar zu Berlin abgeschlossen. Rabbiner Kaplan ist Assistenzrabbiner der Jüdischen Gemeinde Osnabrück. Rabbiner Guggenheim wird ab Oktober in Leipzig als Assistenzrabbiner arbeiten, und Rabbiner Kochan ist als Gemeinderabbiner der Jüdischen Gemeinde Erfurt sowie als Landesrabbiner von Thüringen tätig.

»Für eine jüdische Gemeinde ist es ein großer Gewinn, einen eigenen Rabbiner zu haben. Das stärkt den Zusammenhalt und die Identifikation«, sagte Zentralratspräsident Schuster. »Nach der Schoa brauchte es Jahrzehnte, bis unsere jüdische Gemeinschaft so gewachsen war, dass wir wieder eigene Rabbiner ausbilden konnten und können. Daher werde ich – auch noch wenn wir die zehnte Ordination feiern – tiefe Freude und Dankbarkeit darüber empfinden.«

2009 wurde das Rabbinerseminar in Berlin als Nachfolgeinstitution für das 1938 durch die Nationalsozialisten geschlossene Hildesheimer’sche Rabbinerseminar in Berlin gegründet. Bisher wurden in München, Leipzig, Köln und zuletzt 2014 in Würzburg insgesamt acht junge Männer nach einem Studium zu Rabbinern erklärt. ja/epd

Münster

Jüdische Gemeinde wehrt sich gegen israelfeindliche Kundgebung

Gemeindechef Fehr: »Die Antizionisten wollen israelfeindliche Stereotype im öffentlichen Bewusstsein festigen«

 24.07.2020

Gespräch

Bedrohung und Staatsversagen

Der zweite »Jüdische Salon« des Zentralrats der Juden widmet sich Ronen Steinke und seinem neuen Buch

 02.07.2020

Würzburg

Gepäckstücke erinnern

Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde der »DenkOrt Deportationen 1941–1944« eingeweiht

von Stefan W. Römmelt  18.06.2020

Gemeinden

Aktiv und engagiert

Die Zentralwohlfahrtsstelle veröffentlicht ihre Statistik für 2019 – die Zahlen geben wichtige Hinweise

von Heide Sobotka  18.06.2020

Nachruf

Zeitzeuge, Wissenschaftler, Gabbai

Der Medizinhistoriker Gerhard Baader starb im Alter von 91 Jahren in Berlin

von Christine Schmitt  16.06.2020

Hannover

Tausende spenden für Familie

Im Internet wird für Witwe und Kinder von Rabbiner Wolff sel. A. gesammelt – über eine Million Euro sind schon eingegangen

von Michael Thaidigsmann  30.04.2020 Aktualisiert

Jahrestag

In kleinem Rahmen

Zum 75. Jubiläum sollte es große Feiern geben, doch wegen Corona wurde es ein stilles Gedenken

von Eugen El  23.04.2020

Fraenkelufer

Mufleta mit Schwarzwälder Kirsch

Zum Mimounafest treffen sich die Beter virtuell statt in der Synagoge – und backen zusammen

von Ralf Balke  23.04.2020

München

Alle Hände voll zu tun

Steven Guttmann tritt sein Amt als IKG-Geschäftsführer in schwieriger Zeit an. Ein Porträt

von Helmut Reister  23.04.2020