München

Die Kleinen ganz groß

Fester Termin im jüdischen Terminkalender Münchens: das große Fest des Alexander-Moksel-Kindergartens und der Sinai-Schule vor den Ferien Foto: Marina Maisel

Jedes Jahr, kurz vor den Sommerferien, ist ein Tag im Schul- und Lehrbetrieb der IKG den großen Kleinen der Sinai-Schule und des Alexander-Moksel-Kindergartens gewidmet. Die farbenfrohen Verabschiedungsfeiern, an denen alle Kinder, Pädagogen und Eltern der Abschlussklassen teilnehmen, sind längst zu einer allseits beliebten Tradition geworden. Freude über den bevorstehenden neuen Lebensabschnitt und ein bisschen Wehmut über den Abschied von Mitschülern und Freunden vermischen sich dabei jedes Jahr aufs Neue.

Anja Weigand-Hartmann, die zusammen mit dem Religionswissenschaftler Marcus Schroll die Sinai-Schule leitet, hatte bei der Feier zu Ehren der Viertklässler im Gemeindezentrum einen treffenden Vergleich parat. »Unsere Aufgabe ist es, die Kinder beim Schwimmen sicher durch Strömungen und Untiefen zu bringen und sie auf einen neuen Lebensabschnitt, auf ein neues Becken, vorzubereiten«, so Weigand-Hartmann.

förderung Hinter der einfach klingenden Formulierung verbirgt sich ein ausgereiftes pädagogisches Konzept, auf das die IKG stolz sein kann und auch stolz ist. »Unsere Schüler gehören zu den besten in München«, freut sich IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch über die pädagogische Anerkennung, die die Sinai-Schule nicht nur in Fachkreisen erfährt. Auch viele nichtjüdische Eltern halten ihre Kinder in den pädagogischen Einrichtungen der IKG für bestens aufgehoben.

Fest eingebunden in das pädagogische Gesamtprogramm ist der Alexander-Moksel-Kindergarten, der einzige jüdische Kindergarten in München und ganz Oberbayern. Die Vermittlung jüdischer Religion und Tradition spielt in dem Kindergarten eine wichtige Rolle, ist aber nur ein Teil der Gesamtstruktur. Die individuell ausgerichtete Förderung der Kinder genießt ebenfalls einen besonderen Stellenwert. »Unser modernes Konzept basiert auf dem bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan und ist einzigartig«, betont Kindergarten-Leiterin Irina Sokolov.

Unsere Kinder sind unsere Zukunft – dieser Satz ist eine der festen Überzeugungen von IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, und sie richtet ihr Handeln entsprechend danach aus. Dies hob sie auch vor zwei Jahren hervor, als in der Möhlstraße die Kinderkrippe eröffnet wurde. Das über 100 Jahre alte und denkmalgeschützte Gebäude, in dem bis zur Eröffnung des Gemeindezentrums am Jakobsplatz auch Kindergarten und Grundschule untergebracht waren, wurde entsprechend der »Münchner Qualitätsmerkmale« ausgebaut und entspricht modernstem Standard. Seitdem besteht bei der IKG das perfekt aufeinander abgestimmte und ineinander übergehende Gesamtprojekt von Kinderkrippe, Kindergarten und Grundschule.

tradition Gemeinschaftsgefühl, Toleranz, Individualität: Solche Vokabeln werden mit dem IKG-Schulsystem oft in Verbindung gebracht. Bei den Feiern in der Sinai-Schule und dem Kindergarten war das Vertrauen im Lehrer-Schüler-Eltern-Verhältnis deutlich erkennbar.

Es war rührend, als die Kinder Lieder wie »Leise fließt die Zeit« anstimmten, um den Viertklässlern und den Vorschulkindern den Schritt in einen neuen Lebensabschnitt ein kleines bisschen leichter zu machen. »Dieses Lied gehört traditionell zur Abschiedsfeier«, erklärte Schulleiterin Anja Weigand-Hartmann den Eltern. Trotzdem war dieses Mal in einem wesentlichen Punkt alles anders.

In den vergangenen Jahrzehnten markierte der Abschluss der vierten Klasse in der Sinai-Schule auch das schulische Ende unter dem Dach der IKG. Das Fehlen eines jüdischen Gymnasiums, um die nahtlose Weiterführung der schulischen Ausbildung auf hohem Niveau zu ermöglichen, wurde innerhalb der IKG seit vielen Jahren als schmerzliche Lücke wahrgenommen. Mit einem organisatorischen Kraftakt unter der Regie der IKG-Präsidentin schaffte der Elternbeirat das zunächst nahezu unmöglich Erscheinende: Ab dem neuen Schuljahr, im September, beginnt das jüdische Gymnasium mit seinem Unterrichtsbetrieb.

zukunft Das pädagogische Neuland werden auch etliche Schüler aus der Sinai-Abschlussklasse betreten und damit auch im neuen Schuljahr ins Gemeindezentrum zurückkehren. Die beiden ersten Gymnasiums-Jahrgänge haben zunächst am Jakobsplatz ihr neues Domizil. In zwei Jahren, wenn der Ausbau des IKG-Gebäudes in der Reichenbachstraße abgeschlossen ist, erfolgt dann der Umzug des Gymnasiums.

Ein weiterer Anlass zum Feiern: In diesem Jahr wird die Sinai-Schule 50 Jahre alt. Ein Erfolgsmodell feiert Geburtstag.

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