Geschichte

Der Blick zurück

Engagiert: zwei Mitglieder des Arbeitskreises Foto: Miryam Gümbel

Geschichte

Der Blick zurück

Eine Ausstellung beleuchtet die Rolle der Münchner Polizei im Nationalsozialismus

von Miryam Gümbel  12.11.2012 19:14 Uhr

Das Wissen um die eigene Geschichte ist für den Münchner Polizeipräsidenten Wilhelm Schmidbauer eine unabdingbare Voraussetzung dafür, um stets aufmerksam zu bleiben gegenüber den Gefahren eines polizeilichen Extremismus. Aus diesem Grund hat er 2008 den Arbeitskreis »Münchner Polizeigeschichte« gegründet, dem sich rasch eine ganze Reihe von Beamten angeschlossen hat. »Sie kommen«, so Schmidbauer, »aus den unterschiedlichsten Sparten der Polizei. Aber ihnen allen ist eines gemeinsam: Ihre historische Forschungsarbeit haben sie ganz überwiegend in ihrer Freizeit gemeistert«.

Zusammenarbeit Zu einem der ersten Themen des Arbeitskreises gehört die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus. 2009 zum Beispiel arbeitete er mit dem NS-Dokumentationszentrum zusammen: Dabei trafen polizeiliche Fachkenntnis auf wissenschaftliche Expertise der Historiker. Aus dieser Zusammenarbeit ist nun die Ausstellung Die Münchner Polizei und der Nationalsozialismus entstanden. Die aus vielen interessanten Bild- und Textdokumenten bestehende Schau ist im Rapportsaal des Polizeipräsidiums, Ettstraße 2, bis zum 30. Dezember jeweils dienstags bis sonntags zu besichtigen.

Die Geschichte dieser Zeit zeige, so der Polizeipräsident bei der Eröffnungsrede, »wie schutzbedürftig die demokratische Ordnung unserer Gesellschaft ist, und wie wichtig der Wertbezug auf die Idee der Menschenwürde ist. Wir als Polizei von heute tragen eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Demokratie. Entscheidend ist ein frühes Eingreifen gegenüber extremistischen Bedrohungen.«

Dass dies während des Nationalsozialismus nicht der Fall war, zeigt die Ausstellung. München ist mit der NS-Zeit unauflöslich verwoben. Gestapo und Polizei spielten etwa in dem 1933 in München eingerichteten Verfolgungs- und Unterdrückungsapparat eine tragende Rolle. Es sind unter anderem diese Erkenntnisse, die der politisch-historischen Bildung und der demokratischen Sensibilisierung der Ausstellungsbesucher dienen.

Thematisch ist die Schau gegliedert in drei Bereiche: die Münchner Polizei und der Aufstieg des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik; die Polizei als Herrschaftsinstrument des NS-Regimes; und die Münchner Polizei nach 1945.

Willkürherrschaft Noch in den 1920er-Jahren war die Polizei gegen die NSDAP vorgegangen. Doch am 9. März 1933 wurde Heinrich Himmler Polizeipräsident in München. Danach waren, fasste Polizeipräsident Schmidbauer zusammen, »Münchner Polizisten zunächst nur Statisten zur Wahrung des legalen Scheins für die Gewaltorgien von SA und SS. Schon bald aber ergriffen nicht wenige von ihnen aktiv Maßnahmen im Sinn der nationalsozialistischen Willkürherrschaft«. Es dauerte nicht mehr lange, und »Polizeibeamte sorgten auf der Grundlage förmlicher Gesetze für den Vollzug des NS-Terrors«.

Viele hätten damals nicht mehr wahrgenommen oder es geflissentlich ignoriert, dass sie längst ihren Beruf und ihre Vertrauenswürdigkeit verraten hatten, so Schmidbauer. Somit ist der Blick der Ausstellung zurück zugleich auch ein Blick nach vorne. »Wer die Vergangenheit reflektiert, kann dabei lernen, auch sein heutiges Handeln zu hinterfragen.« Sein Resümee für die Gegenwart: »Leben und Gesundheit, Freiheit und Eigentum – diese Grundwerte der Menschen zu wahren, ist Aufgabe der Polizei. Aufgrund der geschichtlichen Ereignisse muss dies gerade auch Aufgabe der Münchner Polizei sein. Mit vollem Engagement wollen wir einstehen für die persönliche Sicherheit und den Schutz der Grundrechte eines jeden, der in diesem Staat lebt.«

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