Jewrovision

Den Hattrick im Blick

Am Aschermittwoch ist alles vorbei», sangen die Jecken gestern noch in Köln, doch in diesem Jahr passt der alte Karnevals-Hit nicht ganz so in die Domstadt. Denn die nächste Großveranstaltung steht an, bei der es nicht weniger bunt, ausgelassen und spektakulär zugehen wird: die Jewrovision. Die jüdischen Gemeinden in Deutschland schauen auf die Stadt am Rhein.

Doch hier ist man noch ziemlich gelassen. Mary Brunck, die Leiterin des Kölner Jugendzentrums Jachad, kennt den Rummel um die Jewrovision schon seit Jahren. «Als ich noch in Berlin war, haben die Gemeinde und das Jugendzentrum die Organisation selbst übernommen. Aber früher war die Veranstaltung auch nicht so groß», erzählt sie. «Die Jewrovision ist von Jahr zu Jahr stetig gewachsen, deshalb ist es aus logistischen Gründen auch besser, dass sie nun in den Händen des Zentralrats ist.»

Pokal Der änderte auch die Regel, dass die Jewrovision immer in der Stadt des Vorjahressiegers ausgerichtet wird. Dafür hat Brunck Verständnis. «Das ist fair, denn die Jewrovision ist wie ein Pokal, der wandern soll. Jetzt kann er auch in kleineren Städten landen.» Nachdem Köln zwei Jahre hintereinander den ersten Platz holte, ist die Stadt nun auch Austragungsort – zur großen Freude der jungen Teilnehmer.

Mehrarbeit wegen der Großveranstaltung gab es in der Vorbereitungsphase für die Kölner keine. Von der Halle für das Spektakel bis zu den Hotels für die Teilnehmer – alles wird von Berlin aus durch ein Team des Zentralrats geregelt. «Man ist in ständigem Austausch mit unserer Sicherheitsabteilung, wir können bei der Überwachung der Kaschrut unterstützen und Servicekräfte besorgen, aber es sind nur die kleinen Dinge am Rande», erklärt Alexander Sperling, Geschäftsführer der Gemeinde.

Die Stimmung der Mitglieder sei allerdings sehr erwartungsvoll, auch bei denen, die der Jewrovision schon lange entwachsen sind, weil ihnen zum Beispiel die Lautstärke nicht mehr zusagt. «Man ist stolz darauf, dieses Event in Köln zu haben. Mit dem Image, dass die Jewrovision hat und das auch durch die Medien transportiert wird, können sich alle identifizieren.» Gerne hätte die Gemeinde die etwa 1000 Jugendlichen im Rahmen des Mini-Machane in die Synagoge eingeladen, aber das sei aus logistischen Gründen nicht gelungen.

Chance Die Titelverteidiger können sich darauf konzentrieren, vielleicht zum dritten Mal in Folge den Sieg zu holen. Dass sie die Chance haben, dies vor heimischem Publikum zu schaffen, motiviert sie umso mehr. Von Druck ist hingegen gar nichts zu spüren – im Gegenteil. Verwandte und Freunde im Publikum, Favoritenrolle, ganz egal. Die Kinder und Jugendlichen sind überzeugt davon, dass sie noch einmal ganz oben stehen können, und nur daran denken sie.

Denn mit einem weiteren Sieg würde den Kölnern ein Hattrick bei der Jewrovision gelingen, und den gab es noch nie. Damit alles perfekt wird, haben sie sich zunächst zweimal in der Woche getroffen und geprobt, zuletzt sogar viermal. «Natürlich ist das hart, aber wir wollen das Triple unbedingt haben», betont Avi Schotland. Dafür verzichtete der Kölner sogar auf das Karnevalswochenende. Es ist seine dritte Jewrovision-Teilnahme, und nach den Erfahrungen aus den Vorjahren schätzt er die Chancen auf den Titel für Jachad gut ein.

Freunde Auch Alitta Cercaci ist von der Nummer, die das Kölner Jugendzentrum vorbereitet hat, begeistert. So gehe es auch allen anderen, berichtet die 17-Jährige. Um mit ihnen am Samstag für ein paar Minuten auf der Bühne zu stehen, sitzt sie für jedes Training eineinhalb Stunden im Zug. Alittas Motivation ist aber nicht nur die große Show am Samstag, sondern auch das Wiedersehen mit Freundinnen und Freunden aus ganz Deutschland.

«Darauf freut man sich das ganze Jahr. Man sieht sich am Freitag beim Schabbat, kann beim Spaziergang zurück zum Hotel miteinander reden, aber am Samstag wird es dann stressig. Frühstück, Gebet, Generalprobe, Soundcheck» – und danach im besten Fall eine ausgelassene Feier.

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