München

Den Begriff Heimat positiv besetzen

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch Foto: Marina Maisel

München

Den Begriff Heimat positiv besetzen

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch sprach beim Bayerischen Bezirketag

von Helmut Reister  12.07.2019 09:59 Uhr

Heimat im Sinne eines aufgeklärten Patriotismus zu verstehen, forderte Charlotte Knobloch als Gastrednerin bei der Vollversammlung des Bayerischen Bezirketags in der vergangenen Woche. Das Treffen stand diesmal unter dem Motto »Vom Wert der Heimat«.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern sprach in diesem Zusammenhang von der alternativlosen Notwendigkeit, Freiheit und Frieden als Eckpfeiler zu verteidigen.

Tendenzen Dies sei Voraussetzung, um sich gegen jedwede Nationalismen und radikale und rechtsextremistische Tendenzen mit Entschiedenheit wehren zu können, erklärte Charlotte Knobloch.

Vor den Delegierten des Bayerischen Bezirketags nahm die vielleicht bekannteste Repräsentatin der Juden in Deutschland auch Bezug auf ihre Kindheit und ihre Erinnerung an die erlebten Greuel des Nationalsozialismus. Heute, sagte Charlotte Knobloch, fühle sie sich angesichts des erneut aufkommenden Antisemitismus zuweilen wie damals. Es gelte, sich dieser Entwicklung entschieden entgegenzustellen.

Appell Diesen Appell richtete Knobloch speziell an die junge Generation, die den Anbiederungen »extremistischer Rattenfänger«, vor allem im Internet, nicht erliegen sollten. Bayern, Deutschland und Europa seien liebenswert wie die damit verbundenen Werte und müssten auch mutig verteidigt werden.

Sie sei 1945 bewusst im »Land der Täter« geblieben und habe es nicht bereut, sagt Charlotte Knobloch.

Knobloch selbst ist nach 1945 im »Land der Täter« geblieben und hat das nie bereut. »München und Bayern sind meine liebgewordene Heimat«, betonte sie.

Zugleich sei sie stolz darauf, dass es wieder ein so intaktes jüdisches Leben gebe. Daraus resultiert ihrer Überzeugung zufolge auch der Auftrag, den Begriff Heimat immer wieder positiv zu besetzen.

Impuls Der Präsident des Bezirketags, Franz Löffler, bezeichnete die Rede von Charlotte Knobloch als ermutigend und zugleich nachdenklich. Er sei stolz darauf, dass die IKG-Präsidentin der Vollversammlung dadurch einen besonderen und bleibenden Impuls gegeben habe.

Das sahen offensichtlich auch die Delegierten so, von denen sie als Zeichen der Wertschätzung lang anhaltenden Applaus bekam.

Die Vollversammlung verabschiedete auch einen Beschluss zum Heimatbegriff. »Unser Positionspapier hat die Funktion eines Leitbildes und soll die Grundlage sein für weitere politische Diskussionen des Heimatbegriffs und künftig bei Grundsatzfragen unserer regionalen Kulturarbeit und Heimatpflege herangezogen werden«, erläuterte Bezirkstagspräsident Löffler den Hintergrund.

Seinen Worten zufolge ist Heimat kein Synonym für Nationalismus und Egoismus, sondern steht für »Gemeinschaftssinn, Solidarität und eine Kultur des Zusammenlebens, die von Weltoffenheit, Toleranz und gegenseitigem Respekt geprägt ist«.

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026

Bundeswehr

»Wir sind Partner auf Augenhöhe«

Am 21. Juni 2021 begann die jüdische Militärseelsorge bei der Bundeswehr. Militärbundesrabbiner Zsolt Balla zieht nach fünf Jahren eine positive Zwischenbilanz

 18.06.2026

Magdeburg

Juden in Sachsen-Anhalt: Lebendige Gemeinden und Antisemitismus

Nach dem antisemitischen Anschlag vom 9. Oktober 2019 in Halle (Saale) hat Sachsen-Anhalt 2020 ein Landesprogramm für jüdisches Leben beschlossen, um die jüdische Gemeinschaft zu fördern und zu schützen

 17.06.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde zeichnet Jugendengagement mit Beni-Bloch-Preis aus

»Wir ehren unser langjähriges Vorstandsmitglied Benjamin Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft«, sagt der Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Benjamin Graumann

 01.06.2026

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Berlin

»Ein leuchtendes Beispiel«

Jüdische Gemeinde Chabad zeichnet die First Lady Elke Büdenbender für ihr Engagement zur Stärkung jüdisches Lebens in Deutschland aus

 20.05.2026

Chemnitz

Ausstellung zum Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz

»Jetzt erst recht!«: Eine Ausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie erinnert an den mutigen Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945

 18.05.2026