Frankfurt/Main

Das Leben festgehalten

Rafael Herlich (l.) fotografiert Vielfalt. Foto: Rafael Herlich

»Ich liebe Frankfurt. Und besonders seine Menschen», schreibt der Fotograf Rafael Herlich im Vorwort zu seinem jüngst erschienenen Bildband DiverCity FFM. Der Titel des Bandes spielt auf «diversity», das englische Wort für «Vielfalt», an.

Herlich, 1954 in Tel Aviv geboren, arbeitet seit vielen Jahren als Fotograf in Frankfurt. Er gilt als ein wichtiger Chronist des jüdischen Lebens in Deutschland. Von seinen Begegnungen mit Menschen unterschiedlicher Konfessionen zeugt der neue Bildband. Herlich möchte die kulturelle, insbesondere aber die religiöse Vielfalt der Mainmetropole zeigen. Etwa 160 religiöse Gemeinden gibt es dort.

Der Bildband sei «ein wunderbares Spiegelbild Frankfurts», sagt Uwe Becker. Der CDU-Politiker ist Bürgermeister und Kämmerer der Stadt, außerdem ist er Kirchendezernent. Becker präsentierte am vergangenen Montag im Haus am Dom Rafael Herlichs neuen Bildband. Im katholischen Bildungs- und Kulturzentrum in der Altstadt waren schon zwei Ausstellungen mit Herlichs Porträtfotografien zu sehen. Zur Buchpräsentation kamen auch Rafael Herlichs Sohn Benjamin und Tochter Orly. Sie vertraten den kurzfristig erkrankten Fotografen.

Dialog «Wir leisten einen ganz konkreten Beitrag zum interreligiösen Dialog», sagt Joachim Valentin über Herlichs neues Buch. Der Theologe nahm als Hausherr, aber auch in seiner Funktion als Vorsitzender des Frankfurter Rates der Religionen an der Präsentation teil. Das 2009 gegründete Gremium möchte den Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften und der Stadtgesellschaft fördern. Ihm gehören neun Gemeinschaften an, unter ihnen auch die Jüdische Gemeinde. Das Haus am Dom und der Rat der Religionen haben DiverCity FFM mitfinanziert.

Der Bildband ist in fünf Kapitel unterteilt. Unter dem Titel «Eine bunte Vielfalt» zeigt Herlich Einzel- und Gruppenporträts von Frankfurtern aller Altersstufen, die ihre Religion ausüben. Den Bildern ist eine große Wärme und Menschenfreundlichkeit anzusehen. Diesen Eindruck hat auch Uwe Becker. «Mit großem Herzen» sei Herlich dabei, sagt er. Das zweite Kapitel illustriert die Arbeit des Rates der Religionen und stellt die darin vertretenen Religionsgemeinschaften vor.

Herlichs Fotografien werden von Texten ergänzt, die kurz über die jeweilige Gemeinschaft informieren. Einblicke in das oft abseits der breiten Öffentlichkeit stattfindende religiöse Leben werden möglich.

Projekte Überdies porträtiert der Frankfurter Fotograf soziale Projekte und Initiativen, die sich für interreligiöse Verständigung einsetzen. So sieht man beispielsweise den Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung eines «Stolpersteins» für eine Frankfurterin, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Herlich hat aber auch die Obdachlosenspeisung der Ahmadiyya-Jugend fotografiert.

Der vierte Teil des Bildbandes ist Menschen gewidmet, die in sozialen Projekten tätig sind. Dort begegnet man bekannten Frankfurtern wie Uwe Becker und Johnny Klinke, aber auch Bürgern, die sich als ehrenamtliche Flüchtlingshelfer und Seelsorger engagieren. Der Band endet mit Impressionen des täglichen Miteinanders der Konfessionen, ob im Sport, bei der Bundeswehr oder beim Musizieren.

Um Frankfurts kulturell-religiöse Vielfalt öffentlich sichtbar zu machen, planen die Initiatoren von DiverCity FFM mehrere Ausstellungen. Vom 6. bis 25. November wird eine Auswahl der Fotos aus dem Band im Haus am Dom gezeigt.

Die Ausstellung wird anschließend durch die Gemeinden des Rates der Religionen wandern, kündigte Joachim Valentin an. Bis November muss man indes nicht warten. Rafael Herlichs neuer Band ist bereits erschienen.

Noch bis zum 28. August sind zudem Bilder aus seinen Fotoserien «Sehnsucht», «Gwarim» und «Nashim» in Darmstadt zu sehen. Die Ausstellung Jüdisches Leben heute findet im Rahmen der ersten Jüdischen Kulturwochen statt.

Rafael Herlich: «DiverCity FFM». Chai 18, Frankfurt 2018, 216 S., 29,90 €

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