Frankfurt

Catwalk der WIZO-Models

Teure Mode für die gute Sache Foto: Rafael Herlich

Germany’s next Topmodel kommt aus Frankfurt. Das steht seit vergangenem Donnerstag, seit der glamourösen WIZO- Benefiz-Modenschau, vollkommen außer Frage. Aber ob ein Mann oder eine Frau an diesem Abend im Showroom von Mercedes-Benz die beste Figur gemacht hat – das zu entscheiden, dürfte wirklich schwerfallen.

Denn nicht nur zahlreiche Frauen der zionistischen Weltorganisation trauten sich auf den Laufsteg, um aktuelle Mode, Pelze, Schmuck, Brillen, Frisuren und Taschen aus Ateliers, Salons und Boutiquen des Rhein-Main-Gebiets zu präsentieren. Auch unter den Männern der jüdischen Gemeinde Frankfurt hatte man fünf attraktive Models gecastet. Und die legten einen sehenswerten Live-Walk hin, für den sie den begeisterten Beifall des vornehmlich weiblichen Publikums ernteten.

Hilfe Doch der Gang über den Catwalk war bei der »Passion for Cars & Fashion«- Show kein Egotrip oder die Lust an der Selbstdarstellung. Weiterkommen sollten an diesem Abend nicht die Models, sondern die Menschen, die die Hilfe und Unterstützung des Theodor-Heuss-Familienzentrums in Herzlija in Israel in Anspruch nehmen.

Denn der Erlös aus der Tombola und dem Eintrittskartenverkauf soll für den behindertengerechten Umbau des Zentrums verwendet werden. »Das war eine sehr erfolgreiche Benefizveranstaltung«, so das Resümee der scheidenden WIZO-Deutschland-Präsidentin Rachel Singer und Zentralratspräsident Dieter Graumann.

Sich für einen guten Zweck zu engagieren bedeutet aber keineswegs, auf Chic und Stil und vor allem auf Professionalität weniger Wert zu legen. Man habe nur dreimal montagabends geprobt, verriet eine der Mitwirkenden, und das ist bei der Eleganz und Selbstverständlichkeit, mit der sich alle Damen auf schwindelerregenden High Heels über den Laufsteg bewegten, ein erstaunlich kurzes Training.

Ballettlehrerin Inbar Oppenheimer hat die Choreografie einstudiert und dabei wirklich Großartiges aus ihren Schülerinnen und Schülern herausgeholt. Kein Fehltritt, kein Stolpern, keine schwankende Unsicherheit, selbst, als Brautmoden und Abendgarderoben präsentiert wurden und manche Models jede Menge Stoff von Röcken, Schärpen und Schleppen raffen mussten, um sich nur ja nicht darin zu verheddern.

Modische Kreationen Mut zur Opulenz – das war das inoffizielle Motto dieser Show, denn wie TV-Moderatorin Andrea Kiewel, die mit sehr viel Witz und Charme durch den Abend führte, erläuterte: »Weiblichkeit ist angesagt. Man darf wieder Kurven zeigen.«

Doch nicht nur diese. Auch üppiger Goldschmuck, gigantische Sonnenbrillen, gewagte Dekolletés, freche Accessoires wie zum Beispiel ein Bouquet aus Stoffrosen, just dort platziert, wo der Rücken einer Frau endet, und sogar, oh Schreck, breite Schulterpolster sind in der kommenden Saison erlaubt.

Und bei Pelzen zeigt die Frankfurter Designerin Anita Schwarz, eine der Hauptorganisatorinnen des Abends, dass selbst ein gewagter Stilmix schick ist und kein modischer Fauxpas: oben Persianer, unten Nerz, dazu noch Glockenärmel, und das alles zusammengefügt zu einem locker fallenden Cape für die Dame. Während der Herr einen sportlichen Blouson trägt, nur dass dieser, statt aus gegerbtem, harten Leder aus einem flauschigen Kuschelpelz besteht.

Modedesignerin Silke Scholz hat bei ihren Kreationen ebenfalls weder an Stoff noch an Fantasie gespart. Was sie entwirft, ist tragbar auch für Frauen, die nicht mehr ganz in Größe 36 passen. Hier ein mit schwarzer Spitze gefütterter frecher Schlitz an der Rockseite eines knallrot glänzenden Flamenco-Kleides, dort ein züchtig aufgestellter Kragen, der sich hinten zu einer Schärpe verlängert, die den tiefen Rückenausschnitt nur am Rande kaschiert – und das bei einem unschuldigen weißen Brautkleid!

Tombola Alle Firmen, die sich an der Ausstattung der Models beteiligt hatten, stifteten außerdem Gewinne für die Tombola. Die Palette der Preise reichte von einer kostenlosen Probefahrt mit einer neuen Luxuslimousine bis zum Gutschein für dauerhafte Ganzkörperhaarentfernung. Und dass am Ende, anders als bei Heidi Klums Casting-Show, jedes Topmodel sein Foto bekam, als Erinnerung an diesen unvergesslichen Abend, dafür sorgte, wie immer, der unermüdliche Rafael Herlich.

Berlin

Berliner Rabbinerin wird Präsidentin der Rabbinical Assembly

Mit Gesa Ederberg übernimmt erstmals eine Europäerin das Spitzenamt der internationalen Organisation

 18.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

Sicherheit

»Keine jüdische Veranstaltung soll je abgesagt werden müssen«

Nach dem Massaker von Sydney wendet sich Zentralratspräsident Josef Schuster in einer persönlichen Botschaft an alle Juden in Deutschland: Lasst euch die Freude an Chanukka nicht nehmen!

von Josef Schuster  17.12.2025

Osnabrück

Rabbiner Teichtal: »Unsere Aufgabe ist es, nicht aufzugeben«

»Wer heute gegen Juden ist, ist morgen gegen Frauen und übermorgen gegen alle, die Freiheit und Demokratie schätzen«, sagt der Oberrabbiner

 24.10.2025

Köln

»Im Stich gelassen«

Nach einer Kontroverse um einen geplanten Besuch von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst zieht sich die Synagogengemeinde Köln aus dem »Runden Tisch Frieden« im Stadtteil Chorweiler zurück

von Michael Thaidigsmann  04.09.2025

Darmstadt

Jüdische Kulturwochen: Großer Andrang bei Eröffnung

Das Programm schließt den Extremismusforscher Ahmad Mansour mit ein

von Imanuel Marcus  03.09.2025

Interview

Zusammenlegung von jüdischen Gemeinden »schmerzlich«, aber denkbar

Zu wenig engagierter Nachwuchs und mögliche Zusammenschlüsse von jüdischen Gemeinden - so sieht die Lage laut Zentralrat der Juden derzeit aus. Präsident Schuster äußert sich auch zur Rabbinerausbildung in Potsdam

von Leticia Witte  17.07.2025

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde sagt »Resonanzräume«-Festival ab

Grund ist die »die aktuelle Eskalation der Situation zwischen Israel und dem Iran«, so die Kulturabteilung

 17.06.2025

München

Brandanschlag von 1970: Staatsanwaltschaft ermittelt wieder

Sieben Menschen starben beim Anschlag auf das IKG-Gemeindezentrum am 13. Februar 1970. Nun gibt es eine neue Spur und neue Ermittlungen

von Michael Thaidigsmann  29.04.2025