Hemmingen

Brandanschlag auf Privathaus

Am Türrahmen sind noch die Brandspuren und die Hass-Schmiererei zu sehen. Foto: privat

Ein jüdisches Ehepaar in Hemmingen bei Hannover ist in der Nacht zum Samstag Ziel eines antisemitischen Brandanschlags geworden. Dabei wurde die Fußmatte im Eingangsbereich des Privathauses des Paares in Brand gesetzt. Auf die Haustür und den Holzzaun des nahegelegenen Schrebergartens der Familie wurde mit roter Farbe in Großbuchstaben das Wort »Jude« gesprüht. Der Polizeiliche Staatsschutz der Polizeidirektion Hannover hat die Ermittlungen aufgenommen.

Bereits am Sonntag fahndete die Polizei in der Umgebung der Betroffenen nach den Tätern. »Augenscheinlich aus antisemitischen Gründen wurde versucht, das Wohngebäude eines Nachbarn in Brand zu setzen«, heißt es in einem Flugblatt der Polizei, das in der Umgebung des Tatorts verteilt wurde.

Staatsanwaltschaft Am Samstagmorgen hatte das Ehepaar bemerkt, dass die Glasscheibe der Haustür des Einfamilienhauses gesprungen und verrußt war, weil in der Nacht die Fußmatte gebrannt hatte. Nach ersten polizeilichen Ermittlungen zündeten die Täter ein Behältnis mit einer brennbaren Flüssigkeit an. Die Flammen haben nach Mitteilung der Polizei jedoch nicht auf die Fassade übergegriffen. Die Staatsanwaltschaft in Hannover, die für die strafrechtliche Verfolgung des Anschlags in der Kleinstadt zuständig ist, geht deshalb von einer »versuchten schweren Brandstiftung« aus.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sieht mit der Tat in Hemmingen »im negativen Sinne eine neue Qualität erreicht«. Der Zentralratspräsident betonte, es sei »in besonderem Maße erschreckend«, wenn sich Juden in ihren Wohnhäusern nicht mehr sicher fühlen könnten. Das Feuer und die Wandschmierereien riefen schreckliche Erinnerungen wach. »Dieser antisemitische Vorfall macht deutlich, wohin das derzeitige politische Klima führt. Wir müssen der Aggressivität Einhalt gebieten«, sagte Schuster.

Kleinstadt Der Anschlag sei ungewöhnlich, da das Ehepaar aufgrund seines Alters eher zurückgezogen lebe und keine öffentlich exponierte Position in der jüdischen Gemeinde Hannovers habe, berichtete Rebecca Seidler vom liberalen Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden von Niedersachsen. Sie kennt das Paar seit ihrer Kindheit und war am Samstag bei der Familie in der Kleinstadt.

Das Ehepaar lebte eher zurückgezogen und nahm keine exponierte Position in der jüdischen Gemeinde Hannovers ein.

»Jemand muss sich gut auskennen und gewusst haben, dass die Bewohner des Hauses jüdischen Glaubens sind«, sagte Rebecca Seidler der Jüdischen Allgemeinen. Dass auch der Zaun des Schrebergartens besprüht worden sei, deute ebenfalls darauf hin. »Die Gartenpforte liegt etwa drei Minuten Fußweg von dem Einfamilienhaus entfernt. Man muss wissen, dass der Garten den Betroffenen gehört«, sagte Seidler.

Hinweise auf den oder die Täter gebe es noch nicht, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Thomas Klinge, der Jüdischen Allgemeinen. An eine solche Form »persönlichen Angriffs« könne er sich in seiner langjährigen Berufstätigkeit nicht erinnern, sagte der Pressesprecher.  (mit epd)

Sukkot

Gäste willkommen

Fast jede Berliner Synagoge hat ihre eigene Hütte – die älteste ist 100 Jahre alt

von Christine Schmitt  11.10.2019

Porträt der Woche

Auf Kleopatras Spuren

Dora Goldsmith ist Ägyptologin und stellt Düfte nach antiken Vorbildern her

von Jérôme Lombard  11.10.2019

Porträt der Woche

»Ich bin angekommen«

Akiva Weingarten kommt aus einer chassidischen Familie und ist jetzt liberaler Rabbiner

von Jérôme Lombard  28.09.2019

32. Jüdische Kulturtage

Von Moskau nach Berlin

Künstler aus Israel, Russland, Deutschland und den USA geben Einblicke in die Vielfalt jüdischen Lebens

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  26.09.2019

Hass-Rapper

Kritik an Berliner Behörden

Gemeindevorsitzender beklagt »fehlende Sensibilität« im Umgang mit antisemitischen Veranstaltungen

 26.09.2019

Berlin

Zeichen setzen mit Blau-Weiß

Start für neue Kampagne gegen Antisemitismus

von Jérôme Lombard  26.09.2019