Kino

Bewegende Bilder

Regisseur Nadav Schirman Foto: Marina Maisel

Die 6. Jüdischen Filmtage sind am Sonntag zu Ende gegangen und haben die Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre nahtlos weitergeschrieben. Ausverkaufte Vorstellungen, kurzweilige Diskussionen, prominente Gäste: Organisatorin Ellen Presser, Leiterin des IKG-Kulturzentrums, zieht eine durchweg positive Bilanz.

Präsidentin Charlotte Knobloch, die sich immer darüber freut, wenn der große Hubert-Burda-Saal im Gemeindezentrum in einen Kinosaal verwandelt wird und Festival-Atmosphäre einzieht, ging auf die Besonderheit der Veranstaltung ein. »Mit Geschichten von Menschen und Unmenschen«, wie sie sagte, »von Zumutungen und Grausamkeiten des Lebens haben wir Juden eine sehr lange und sehr schmerzliche Erfahrung. Aber wir haben auch eine ebenso alte wie reiche Tradition im Erzählen solcher Geschichten. Es ist die Tradition der Verwandlung von Leben in Literatur, Musik, Bilder und selbstverständlich auch in bewegte Bilder, in Filme.«

Zeugnis Sie selbst sah sich den Film Auf das Leben! an, in dem Hannelore Elsner und Max Riemelt die Hauptrollen spielen. Charlotte Knobloch zeigte sich sehr angetan: »Dieser Film ist ein berührendes Zeugnis wieder erblühten jüdischen Lebens und jüdischen Kulturschaffens in Deutschland.« Bei der Vorführung waren Produzentin Alice Brauner und Co-Produzent Michael Zechbauer unter den Gästen.

Sie gehörten zu den vielen Prominenten, die sich die Filmtage als Zuschauer nicht entgehen lassen wollten oder selbst zu den Mitwirkenden zählten. Doris Dörrie (Männer) zählte dazu, Regisseur Michael Verhoeven, der in Begleitung seiner berühmten Ehefrau Senta Berger kam, Marianne Sägebrecht und Schauspielkollegin Gisela Schneeberger.

Besonders interessante Einblicke lieferte der ebenfalls anwesende Regisseur Nadav Schirman, dessen Politthriller The Green Prince nicht nur auf riesiges Zuschauerinteresse stieß. In der Kategorie »Bester Dokumentarfilm« erhielt Schirman auch den renommierten Bayerischen Filmpreis. Stark beachtet wurde auch der 20-minütige Kurzfilm Tufelki (Schuhe) von Constantin Fam, der es sogar auf die Shortlist der Oscar-Anwärter schaffte. Der Film, der anhand roter Pumps die Geschichte des Holocaust erzählt, kommt ohne ein einziges Wort aus. Tufelki beendete die drei Wochen dauernden Filmtage.

Eherecht Ebenfalls auf die Liste der Oscar-Anwärter schaffte es ein weiteres, bei den Filmtagen gezeigtes Werk: Get – Der Prozess der Viviane Amsalem, in dem es um die Trennung einer Beziehung geht. Rabbiner Steven E. Langnas erklärte nach der Vorführung die Besonderheiten des jüdischen Ehe- und Scheidungsrechts.

In diesem Jahr beschäftigten sich viele gezeigten Filme mit der Schoa und ihren Folgen. Charlotte Knobloch sagte dazu: »Es ist die Freiheit des Künstlers und der Kunst, die diese Traumata mit Fantasie, Witz und Poesie überwindet und den Opfern die Würde und Lebensfreude zurückgibt.«

Kulturzentrumsleiterin Ellen Presser warf bereits einen organisatorischen Blick auf das kommende Jahr: Bei den nächsten Filmtagen werden Kinder- und Jugendthemen mit ins Programm genommen.

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