Jüdische Kulturtage

Berliner Mix

Vielfältiges Programm mit vollem Etat: Die 24. Jüdischen Kulturtage Berlin bringen vom 26. August bis zum 5. September wieder bekannte Bands aus Israel, aber auch internationale Musiker auf die Bühne der Synagoge Rykestraße. Fans israelischer Texte und Klänge können sich auf Konzerte mit dem Pop-Superstar Rami Kleinstein, der Chanson-Diva Chava Alberstein, der Frauenband HaBanot Nechama und der Jazzsängerin Efrat Alony freuen.

Das Eröffnungskonzert bestreiten die Kantoren Azi Schwartz aus New York und Gideon Zelermyer aus Montreal. »Die fantastischen jungen Kantoren, die mit dem RIAS-Kammerchor auftreten, lassen die Tradition des großen Estrongo Nechama ein bisschen aufleben und interpretieren sie neu für das 21. Jahrhundert«, sagte Martin Kranz, Intendant der Jüdischen Kulturtage, bei der Vorstellung des Programms in der Synagoge Rykestraße.

Premiere Eine Welturaufführung können Besucher des Abschlusskonzertes erleben: Der 23 Jahre alte Chefdirigent der Neuen Philharmonie München, Yoel Gamzou, wird seine Fassung der unvollendeten 10. Symphonie von Gustav Mahler präsentieren. »Es gibt viele Leute, die nicht wissen, was sie mit ihrem Leben machen sollen. Mir war immer klar: Meine Rolle als Mensch auf dieser Erde ist es, die 10. Symphonie von Mahler zu vollenden«, sagte der Israeli, der sich bereits als Siebenjähriger für Mahlers Werk begeisterte. Gamzou dirigiert das International Mahler Orchestra; alle Musiker spielen ohne Gage. Als Pianist tritt Elisha Abas aus Israel auf – ein Ausnahmetalent, das bereits als Elfjähriger in der Carnegie Hall in New York spielte, dem Klavier aber nach einem Zusammenbruch schon mit 14 Jahren den Rücken drehte. Später wurde Abas Profifußballer, um sich im Alter von 30 Jahren wieder der Musik zuzuwenden. Mit einem erneuten Auftritt in der Carnegie Hall kehrte der Pianist 2007 in die Konzertwelt zurück. »Er ist der größte Musiker, mit dem ich jemals gearbeitet habe, ein richtiges Genie«, sagte Yoel Gamzou. Beim Abschlusskonzert wird Elisha Abas das Klavierkonzert op. 54 von Robert Schumann in a-moll spielen. Ferner gibt die Band Jewdysee mit Maya Saban und Walera Goodman eine »Strandparty«. Und beim Konzert »Klezmer meets Jazz« treffen sich der Trompeter Frank London, Gründungsmitglied der Klezmatics, und das Leon Gurvich Projekt.

Der Kabarettist und Romanautor Georg Kreisler wird bei den Kulturtagen seinen ersten Lyrikband Zufällig in San Francisco vorstellen, der mit dem Hölderlinpreis ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit dem StandUp-Comedian Oliver Polak stellt Kreisler sich der Moderatorin Shelly Kupferberg und der Frage: »Wie lebt es sich als Jude?«. Außerdem zeigt das Centrum Ju-
daicum eine Ausstellung der israelischen Fotografin Aliza Auerbach sowie ein multimediales Kunstwerk von Ruth Kuperman, Ola Lewin und Frank Blum über die Erfahrungen jüdischer Migrantinnen.

Kennenlernen Vor dem Gemeindehaus in der Fasanenstraße wird erneut der »Shuk HaCarmel«, der Markt aus Tel Aviv, aufgebaut. Lala Süsskind, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, freut sich auf die Lange Nacht der Synagogen am 28. August, die in diesem Jahr mit der Langen Nacht der Museen zusammenfällt. Mit dem Shuttle-Bus sind in dieser Nacht alle Gotteshäuser, die sich an der Veranstaltung beteiligen (Herbartstraße, Fraenkelufer, Passauer Straße, Oranienburger Straße, Joachimstaler Straße und das Centrum Judaicum) zu erreichen. Süsskind bat die Gäste ausdrücklich darum, auch die orthodoxen Synagogen zu besuchen. Gesetzestreue Juden in Berlin seien »kein Klüngel für sich«; es sei wichtig, sich untereinander kennenzulernen.

Budget Zu den etwa 25.000 Besuchern der Kultutage zählten Berliner, Touristen und zunehmend auch Gemeindemitglieder, sagte Martin Kranz. Das Gesamtbudget beträgt wie im Vorjahr 350.000 Euro – inklusivedem Erlös aus den Kartenverkäufen. Die Gemeinde steuert 35.000 Euro bei, den Löwenanteil trägt der Berliner Senat. Trotz der knappen Finanzlage sei die Realisierung des größten und renommiertesten jüdischen Kulturfestivals Deutschlands »kein Thema«, so Kranz. Dies gelte auch für das kommende Jahr: »Ich bin schon fast mit 2011 fertig, und da sagt der Senat: Ja, definitiv, machen wir.« Der Kartenvorverkauf für die Kulturtage 2010 hat bereits begonnen.

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