Geschichte

Antisemiten auf dem Index

Die Treitschkestraße in Berlin-Steglitz Foto: Marina Maisel

Wie soll die Stadt München mit Straßennamen umgehen, die historisch belastet sind? Wie dies künftig konkret aussehen soll, damit befasst sich ein derzeit laufendes Projekt der Stadtverwaltung unter Federführung des Münchner Stadtarchivs. In einer gemeinsamen Sitzung von Kommunal-, Verwaltungs- und Personalausschuss des Stadtrates stellte Kommunalreferent Axel Markwardt die derzeit gehandhabte Praxis bei der Benennung neuer Straßennamen vor. Er betonte, dass der Stadtrat bei der Verwendung von Personennamen bereits jetzt streng auf die Themenfelder Antisemitismus, Rassismus und Kolonialismus achte.

In der Vergangenheit ging die Auswahl von Straßennamen in München keineswegs so historisch korrekt vonstatten. »Nicht immer«, erklärte der Kommunalreferent in der Sitzung, »waren Stadtverwaltung und Politik bei der Auswahl von Personen so sorgfältig wie heute. Insbesondere die Rolle einzelner Personen während der NS-Zeit haben zu Entscheidungen geführt, die aus heutiger Sicht problematisch sind.«

Sensibilität Wie viele Straßen davon genau betroffen sein könnten, ist nicht bekannt. Deshalb soll nach dem Willen des Stadtrats erst einmal eine umfassende Bestandsaufnahme aller als problematisch angesehenen Straßennamen durchgeführt werden. Auf die besondere Sensibilität der Thematik ging bei der Sitzung auch Michael Stephan ein, der Leiter des Stadtarchivs.

»Entnennungen oder Umbenennungen von Straßen stellen immer eine grundsätzliche Problematik dar. Jede Tilgung eines Straßennamens ist eine erinnerungskulturelle Intervention mit nachhaltiger Wirkung«, erklärte Michael Stephan und wies dabei auf die Meiserstraße und den Leonhard-Moll-Bogen als exemplarische Beispiele hin.

Die Tatsache, dass sich Bürgerschaft, politische Entscheider oder die Verwaltung zu einem bestimmten Zeitpunkt für oder gegen einen Straßennamen aussprechen, ist nach Überzeugung von Michael Stephan auch Ausdruck eines zeitgebundenen Normen- und Wertesystems. Sobald spätere Akteure Korrekturen an diesen Positionsbestimmungen vornehmen würden, erfolge zugleich eine Art Flurbereinigung der Erinnerung. »Das kann«, sagt Stephan, »nicht im Sinne einer Stadtgesellschaft sein, die sich zu einem kritischen und offenen Umgang mit der Vergangenheit bekennt.«

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