Berlin

Zeichen gegen Teheran

Vor der israelischen Botschaft in Berlin haben sich am Montag Exil-Iraner versammelt, um ihre Solidarität mit Israel auszudrücken und zugleich ihre Hoffnung auf einen politischen Umbruch im Iran zu bekräftigen. Die Kundgebung war geprägt von Dankesbekundungen an den Staat Israel – und scharfer Kritik am iranischen Regime.

»Wir sind heute hier, um unsere Dankbarkeit zu zeigen«, sagt Amir Hussein Samir, einer der Teilnehmer. Der Ort sei bewusst gewählt worden: direkt vor der israelischen Botschaft. Die Beziehung zwischen Iranern und Juden reiche historisch weit zurück, erklärt er.

Hoffnung trotz angespannter Lage

Mehrere Demonstrierende betonten im Gespräch, militärische Aktionen Israels richteten sich gezielt gegen Einrichtungen der Revolutionsgarden, nicht gegen die iranische Bevölkerung. »Die Propaganda, Israel schieße wahllos, ist aus unserer Sicht falsch«, sagt Samir. »Viele Menschen im Iran sind erleichtert. Sie haben die Nase voll vom Regime.«

Tatsächlich berichten Teilnehmer von Videos aus dem Iran, die Menschen zeigen sollen, die trotz der angespannten Lage Hoffnung schöpfen. In den vergangenen Jahren sei der Druck auf die Bevölkerung massiv gestiegen. Immer wieder verweisen Oppositionelle auf tausende Tote bei Protesten – insbesondere junge Menschen seien betroffen gewesen.

Scharfe Worte fanden einige Redner auch für Teile der deutschen Linken. Diese würden sich stark mit dem Gazastreifen solidarisieren, aber die Lage im Iran nicht ausreichend thematisieren. »Menschen sind Menschen«, sagt ein Demonstrant. »Warum gibt es so wenig Unterstützung für die iranische Bevölkerung?«

Dankbarkeit gegenüber Israel

Bereits in den vergangenen Tagen haben Exil-Iraner in Berlin demonstriert, unter anderem am Brandenburger Tor und am Potsdamer Platz. Einige Teilnehmer schwenkten iranische und israelische Flaggen, andere skandierten »Netanjahu, Dankeschön« und brachten damit ihre politische Haltung deutlich zum Ausdruck.

Nik Jafarzadeh, einer der Demonstranten, betonte die aus seiner Sicht historisch gewachsene Freundschaft zwischen dem iranischen Volk und Israel, die bis zu 500 Jahre zurückreiche. Er sprach von Dankbarkeit gegenüber Israel und äußerte die Hoffnung auf eine dauerhafte, friedliche Verbindung zwischen beiden Völkern.

Zugleich kritisierte er die Darstellung Israels als Aggressor und warf der iranischen Führung vor, mit gezielter Propaganda ein verzerrtes Bild zu verbreiten. Trotz der repressiven politischen Lage im Iran, so Jafarzadeh, zeigten viele Menschen dort Lebensfreude und Hoffnung auf Freiheit. Enttäuscht äußerte er sich zudem über Teile der deutschen Linken, denen er vorwirft, die Proteste der Iraner nicht ausreichend zu unterstützen.

Lesen Sie auch

Auch Amir Hossein Saemian, ein weiterer Teilnehmer der Kundgebung, äußerte sich sinngemäß dankbar gegenüber dem Internationalen Währungsfonds und dem Staat Israel für deren Unterstützung des iranischen Volkes in schwierigen Zeiten. Er schilderte die emotionalen Belastungen seit Beginn der aktuellen Entwicklungen, zeigte sich jedoch optimistisch, dass bald positive Nachrichten folgen könnten.

Zudem sprach er sich für die Rückkehr des international anerkannten, im Exil lebenden Königs des Iran aus und zeigte sich überzeugt, dass dies mit der Unterstützung des iranischen Volkes möglich sei.

Abschließend verwiesen die Demonstrierenden auf eine bevorstehende Feier im Iran und in Deutschland, die mit dem persischen Neujahrsfest zusammenfällt – ein Anlass, der für viele nicht nur kulturelle Bedeutung hat, sondern auch als Symbol für Neubeginn und Hoffnung verstanden wird. dpa/ja

Israel

Dafür stehen die arabischen Parteien in Israel

Die arabisch geprägten Parteien in Israel haben bei der Parlamentswahl überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Wofür setzen sie sich ein, was sind ihre Ziele?

 28.10.2026

Regierungsbildung

Berliner Linke berät erneut über Vanessa Emde

Kurz vor dem geplanten Beginn von Koalitionsgesprächen mit Grünen und SPD diskutiert die Berliner Linke über Antisemitismus - einmal mehr

 27.10.2026

Berlin

Berliner Linke berät zum wiederholten Mal über umstrittene Abgeordnete

Vanessa Emde steht wegen Äußerungen zu Israel und zum Nahost-Konflikt massiv in der Kritik

 27.10.2026

Weimar

Verein will Gedenken an KZ-Außenlager stärken

Buchenwald war mehr als ein einzelnes NS-Konzentrationslager. Mehr als 100 Außenstandorte gehörten zu diesem Lagerkomplex. Längst nicht an alle wird heute erinnert – ein Verein will das ändern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Kino

Film über einen kreativen Geist

»Biermann« ist ein dokumentarisches Porträt des Liedermachers Wolf Biermann, der auch 50 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR noch immer künstlerisch aktiv ist. Allerdings hat der Film auch Leerstellen

von Reinhard Kleber  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Schwerin

Schwesig wirbt für Bund-Länder-Gruppe zur Prüfung der AfD

Den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD prüfen? Gut, findet Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin – und spricht sich für den Vorstoß eines CDU-Ministerpräsidenten aus

 22.10.2026

Nahost

Israels Armee erhöht Alarmbereitschaft vor den Wahlen

Vor der Wahl herrscht laut einem TV-Bericht die Sorge vor Anschlagsversuchen, mit denen Einfluss auf die Wahl genommen werden könnte. Der Militärchef ordnet umfassende Sicherheitsmaßnahmen an

 19.10.2026