Bund jüdischer Soldaten

Zartes Pflänzchen

Zartes Pflänzchen

Eine Tagung des Bundes jüdischer Soldaten

In der Armee des deutschen Kaiserreichs dienten während des Ersten Weltkriegs rund 100.000 jüdische Soldaten. 80.000 von ihnen kämpften an der Front, 35.000 wurden für Tapferkeit ausgezeichnet, und 12.000 starben auf deutscher Seite. Die Fundamente jüdischer Soldatenexistenzen – Teil bürgerlicher Emanzipationsbestrebungen – in deutschen Streitkräften reichen bis in die Zeit der anti-napoleonischen Befreiungskriege. In Expertenkrei- sen längst bekannt, sind in der Öffentlichkeit die Überlieferungen jüdischen Soldatentums kaum präsent.
Dieses Wissen aufzuhellen und an Traditionslinien anzuknüpfen, die während der Nazizeit durchtrennt wurden, hat sich der vor einem Jahr unter Schirmherrschaft des Deutschen Bundeswehrverbandes gegründete »Bund jüdischer Soldaten « (BjS) auf die Fahnen geschrieben. Der Beiname »RjF« (»Reichsbund jüdischer Frontsoldaten«) erinnert an die institutionellen Wurzeln: 1919/20 als Soldatenbund »zur Wahrung der Ehre des jüdischen Frontsoldaten« gegründet, zählte der Zusammenschluss rund 40.000 Mitglieder, bis er sich 1938 auflöste. Als Traditionsnachfolgeverein des Reichsbundes begreift sich der BjS allerdings nicht – lediglich die Reflexion auf die Vergangenheit soll hergestellt werden.
Dies wurde bei seiner ersten Tagung am 18. und 19. November in Berlin deutlich. Zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Zentralrat der Juden in Deutschland im Leo-Baeck-Haus ausgerichtet, betonte der BjS-Vorsitzende Michael Berger, Hauptmann am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam, dass die rückhaltlos positive Resonanz der Bundeswehrführung die Richtigkeit der Gründung des ersten jüdischen Soldatenbundes nach 1938 bestätige. Nach vorsichtigen Schätzungen gibt es heute rund 200 jüdische Soldaten in der Bundeswehr.
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, sieht in dem Umstand, dass junge deutsche Juden im Dienst in der Bundeswehr »keine unüberwindbare Hürde« mehr sehen, ein »hoffnungsvolles Signal«. Nach Einschätzung von Oberstleutnant Gideon Römer-Hillebrecht diene der BjS künftig vor allem zur Identitätsfindung und Standortbestimmung von Juden in Deutschland, »weil wir uns mit dem Dienst klar positioniert haben«. Trotz mancher Vorbehalte spricht Römer-Hillebrecht der Bundeswehr sein Vertrauen aus: Selbst ein neo-orthodoxer Lebensstil sei mit dem Dienst vereinbar. Die Präsenz jüdischer Soldaten in den deutschen Streitkräften sei, so wiederum Berger, trotz aller Verdienste der Bundeswehr weiterhin ein »zartes Pflänzchen«, das »gepflegt werden« müsse.
Anwesend war auch der erste offiziell registrierte jüdische Bundeswehrsoldat: Michael Fürst. Der heute 60-Jährige diente bereits 1966 als Fallschirmjäger. Für Fürst, Rechtsanwalt und Ehrenvorsitzender des BjS, war die Einberufung völlig normal. »Aufgewachsen bin ich als deutscher Jude, aber nicht vorrangig mit jüdischer Identität – so war das für mich eine Selbstverständlichkeit.« Volker Schubert

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026