Sachsen-Anhalt

Zahl der politischen Extremisten erreicht Höchststand

Tamara Zieschang (CDU), Innenministerin von Sachsen-Anhalt Foto: picture alliance/dpa

In Sachsen-Anhalt gibt es statistisch gesehen so viele politische Extremisten wie nie zuvor. Das ist ein zentrales Fazit des aktuellen Verfassungsschutzberichts für das Jahr 2023, den Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) und der Leiter des Verfassungsschutzes, Jochen Hollmann, am Dienstag in Magdeburg vorgestellt haben.

Demnach liegt das extremistische Personenpotenzial im Land inzwischen bei 5480 Menschen, rund 70 Prozent mehr als im Jahr zuvor und ein neuer Höchststand in der Statistik. Die hohe Zahl sei vor allem auf die Einstufung der AfD als gesichert rechtsextreme Bestrebung im Oktober vergangenen Jahres zurückzuführen.

Zieschang warf der Partei vor, gegen grundlegende Prinzipien des Grundgesetzes zu verstoßen, insbesondere die Menschenwürde und das Demokratieprinzip.

»Ethnisch homogen«

Der Leiter des Landesverfassungsschutzes, Hollmann, bezeichnete die AfD als parlamentarischen Arm der Neuen Rechten. Mit Begriffen wie Bevölkerungsaustausch propagiere sie eine ethnisch homogene Volksgemeinschaft, in der Migranten Bürger zweiter Klasse wären.

Hollmann verwies zudem auf die wachsende Szene der sogenannten Reichsbürger und Selbstverwalter, die im vergangenen Jahr um 50 auf rund 700 Personen angestiegen sei. Damit habe sich der Trend seit der Corona-Pandemie fortgesetzt, sagte Hollmann. Es handle sich um einen gesamtgesellschaftlichen Trend, der nicht nur Sachsen-Anhalt betreffe.

Zieschang bezeichnete den Rechtsextremismus als die weiterhin größte Bedrohung der inneren Sicherheit. Rund 3350 Personen zählten zum rechtsextremen Personenpotenzial, über 60 Prozent aller bekannten Extremisten im Land. Fast 80 Prozent aller Fälle politisch motivierter Kriminalität kamen laut Zieschang im Jahr 2023 aus dem rechten Spektrum.

Antisemitisch und israelfeindlich

Auch die linksextreme Szene habe sich radikalisiert, betonte die Innenministerin. Dies gehe vor allem auf den Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 zurück. In der Folge hätten vor allem Personen aus der sogenannten antiimperialistischen Szene auf zahlreichen Kundgebungen antisemitische und israelfeindliche Propaganda verbreitet.

Verfassungsschutz-Chef Hollmann ergänzte, dem linksextremistischen Personenpotenzial seien im vergangenen Jahr rund 680 Personen zugerechnet worden, 80 mehr als im Vorjahr. Dies sei vor allem auf einen Zuwachs im nicht gewaltorientierten Spektrum zurückzuführen, hieß es. Im gewaltorientierten Spektrum des Linksextremismus habe das Personenpotenzial unverändert bei 295 Personen gelegen.

Hybride Bedrohungen

In Sozialen Medien würden neben Rechtsextremisten auch Islamisten den Hamas-Angriff verherrlichen oder glorifizieren, sagte Zieschang.
Dem radikalen Islam sind laut Verfassungsschutzbericht etwa 400 Personen zuzuordnen, etwa so viele wie im Vorjahr. »Das Bestreiten des Existenzrechts Israels ist nicht hinnehmbar und ein Fall für die Strafverfolgungsbehörden«, sagte die Ministerin.

Eine Gefahr stellen demnach auch sogenannte hybride Bedrohungen durch Desinformationskampagnen, Spionage und Cyberangriffe dar.
Insbesondere russische Nachrichtendienste und Medien hätten versucht, gezielt Propaganda und Desinformationen zu verbreiten. epd

Brandenburg

»Was soll der Scheiß?«: Nach Brandanschlag - Büttner übt scharfe Kritik an Linken-Spitze

Die Hintergründe

 10.01.2026

Brandenburg

Generalstaatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen nach Anschlag auf Büttner

Nach dem Brandanschlag und die Morddrohung gegen den Antisemitismusbeauftragten haben die Ermittler eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt

 07.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist immer wieder Drohungen ausgesetzt. Nach einem Brandanschlag und einer Morddrohung per Brief verschärft er nun Sicherheitsmaßnahmen. Die Solidaritätsbekundungen für ihn reißen nicht ab

 07.01.2026

Westjordanland

Netanjahu schreibt Siedlergewalt einer »Handvoll Kids« zu

Nach Kritik der Trump-Regierung an Israels Vorgehen in der Westbank wiegelt Israels Premierminister ab - und zieht noch mehr Kritik auf sich

 01.01.2026

Israel

Israel führt Gedenktag für marokkanische Juden ein

Die Knesset hat beschlossen, einen Tag zur Erinnerung an die marokkanisch-jüdische Einwanderung zu schaffen

 31.12.2025

Gaza

37 Hilfsorganisationen in Gaza und im Westjordanland droht Lizenz-Entzug

Israel will sich vor Terrorverbindungen in Hilfsorganisationen schützen. Die Einrichtungen warnen vor humanitären Konsequenzen

 31.12.2025

Bulletin

Terrorangriff in Sydney: 20 Verletzte weiter im Krankenhaus

Fünf Patienten befinden sich nach Angaben der Gesundheitsbehörden in kritischem Zustand

 17.12.2025

Terror

Polizei: 9 Tote bei Angriff in Sydney

Was bislang bekannt ist - und was nicht

 14.12.2025

Sydney

Jewish organizations decry the »scourge« of antisemitism

This time the focus is on Australia. It is hosting a conference of the international Jewish initiative »J7.« The group is presenting figures on Jew-hatred on the continent – and speaks of historic highs.

von Leticia Witte  03.12.2025