Gottesdienst

Woanders zum Schabbat

von Annette Lübbers

Eigentlich sind Gäste in den etwa 90 jüdischen Gemeinden in Deutschland gerne gesehen. Christen, die einmal einen jüdischen Gottesdienst erleben möchten oder Juden aus anderen jüdischen Gemeinden sind willkommen. In einem Land, in dem jüdische Gotteshäuser mehr oder minder deutlich unter Polizeibewachung stehen, gelangt der Gast jedoch nicht so ohne Wei-
teres in eine Synagoge.
Wer die Kölner Synagoge an der Roonstraße besuchen möchte, sollte seinen Besuch auf jeden Fall vorher planen. »Wir bitten unsere Besucher, sich vorher telefonisch anzumelden. Dann schicken wir unseren Gästen ein Formular, das sie ausgefüllt zurücksenden müssen. Am Besucher-
tag wird dann auf jeden Fall nach einem Ausweis gefragt«, erläutert der Sicherheitsbeauftragte der Gemeinde.
In der jüdischen Kultusgemeinde in Hannover werden einzelne Besucher auch unangemeldet eingelassen. »Bei uns gibt es keine Schleusen, aber einen älteren Herrn, der alle Gemeindemitglieder kennt und Fremde nach ihren Wünschen fragt. Und bei größeren Taschen wird durchaus auch einmal gefragt, was darin ist«, erklärt Arkadi Litvan, der zweite Vorsitzende der etwa 4.000 Menschen umfassenden Gemeinde, Leon Reichert, Sicherheitschef in Düsseldorf, hält es zumindest für sinnvoll, sich vorher telefonisch anzumelden. »Wir haben durchaus immer mal wieder Fälle, wo wir Leute an der Sicherheitsschleuse bitten müssen, wieder zu gehen. Weniger, weil wir meinen, dass diese Besucher etwas im Schilde führen, sondern weil sie unpassend gekleidet oder betrunken sind. Das kommt durchaus schon einmal vor. Dann und wann erleben wir auch, das die Besucher unsere Fragen nicht beantworten wollen und jede Kooperation einfach ablehnen.«
Auch in der Jüdischen Kultusgemeinde in Stuttgart müssen Nicht-Mitglieder ihren Ausweis hinterlegen, ihre Taschen kontrollieren lassen und eine Sicherheitssperre passieren. »Zwar ist hier noch nie etwa passiert. Aber das Sicherheitspersonal bemüht sich bewusst darum, wachsam zu bleiben und das Risiko gering zu halten«, erklärt der Geschäftsführer Werner Meier.
Mit Kamera und Gegensprechanlage ausgerüstet ist auch die Jüdische Gemeinde in Halle. »Passiert ist bei uns bislang auch noch nichts. Unsere Gottesdienststätte ist allerdings auch von einer Mauer umgeben und das Gebäude ist von außen nicht einzusehen. Viele Bürger wissen gar nicht, dass das hier eine Synagoge ist. Die Mauer wurde zwar schon einmal mit Grafitti beschmiert, aber das ist hier generell ein Problem. Antisemitische Sprüche gab es unter den Schmierereien aber nicht«, erklärt Ines Wahl, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit in der Gemeinde.
In der Dessauer Gemeinde ist eine Anmeldung nicht erforderlich. Aber der Eingangsbereich überträgt die Bilder der Eintrittsuchenden auf einen Monitor im Sekretariat und bevor jemand die Tür per Knopfdruck öffnet, wird natürlich auch hier nach den Wünschen des Besuchers gefragt. Ein Mehr an Überwachungseinrichtung ist finanziell für die Gemeinde nicht tragbar. Hilfreich sind hier wie überall in deutschen Gemeinden die guten Beziehungen zur Polizei. Immerhin wurden in Dessau schon einmal Steine in die Scheiben der Synagoge geworfen.
Präsenz zeigt die Polizei auch vor dem Bremer Gemeindezentrum regelmäßig. »Wir haben einen Kindergarten im Haus. Und solange die Kinder hier sind, ist auch die Polizei vor Ort«, erzählt Elvira Noa, Vorsitzende der Bremer Gemeinde. Eine Videoüberwachung des Eingangs und ein Gespräch mit dem Pförtner ist auch in Bremen Standard – trotz des Sicherheitszauns, der das Gebäude umgibt. Auf jeden Fall rät auch Elvira Noa: »Vorher anmelden ist immer gut.«

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