Landjudentum

Wirtschaft, Recht und Politik

von Constanze baumgart

Landjudentum, das ist eine Bevölkerungsgruppe, die immer noch ein wenig im Schatten der deutschen jüdischen Geschichtsschreibung steht. Und das, obwohl das Leben auf dem Land für die meisten Juden seit Ende des Mittelalters Lebensrealität war. Aus fast allen deutschen Städten waren sie vertrieben worden. Bedeutung und Verbreitung des Landjudentums spiegelt die jetzt in der Reihe Geschichtlicher Atlas der Rheinlande erschienene Karte Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts wider.
Was zuerst ein wenig spröde klingt, erweist sich bei genauerem Hinsehen als ein spannendes Stück sichtbar gemachter Geschichte. Die Karte zeigt, wie die politischen und wirtschaftlichen, aber auch die rechtlichen Entwicklungen der letzten 200 Jahre die jüdische Landkarte der Rheinlande geprägt haben.
Vier Zeitschnitte hat die Historikerin und Judaistin Ursula Reuter angelegt und so herausgearbeitet, wann es im Rheinland wo jüdische Gemeinden gab und wie viele Menschen dort lebten. Ausschlaggebend dafür, was eine Gemeinde ausmacht, war für die Autorin dabei nicht in erster Linie die staatliche Anerkennung, sondern »der autonome Wille vor Ort, eine Gemeinde zu sein«. Dieser Wunsch war sehr ausgeprägt. Zeugnis davon geben die zahlreichen Synagogen, Betstuben und Friedhöfe, viele wurden im 19. Jahrhundert gegründet.
618 Orte mit Gemeinden verzeichnet die Karte, die das gesamte Territorium der ehemaligen preußischen Rheinprovinz umfasst. Ausgangspunkt ist die Zeit um 1815: Nach der Französischen Revolution beginnt für die jüdische Bevölkerung das Zeitalter der Emanzipation. Um 1880 ist die rechtliche Gleichstellung der Juden abgeschlossen. In der nun beginnenden Hochindustrialisierung neigt sich die Zeit der größten Blüte der Landgemeinden allerdings auch ihrem Ende zu. Viele Menschen wandern ab in die großen Industriestädte.
Das Ergebnis zeigt der Zeitschnitt 1932: Viele Kleingemeinden existieren nicht mehr, die jüdischen Gemeinden der großen Städte sind gewachsen. Die jüdische Metropole des Rheinlands, das nach Berlin die meisten jüdischen Einwohner hatte, ist Köln. Bereits 1945 bauen die wenigen Holocaust-Überlebenden die jüdischen Gemeinden wieder auf oder gründen neue. Sie entstehen jedoch allesamt in Groß- und Mittelstädten. Jene Landgemeinden, die zu Beginn der NS-Zeit noch bestanden, waren nun endgültig ausgelöscht und organisatorisch wie physisch zerstört.
Der Landschaftsverband Rheinland, der das Projekt Geschichtlicher Atlas seit mehr als zwei Jahrzehnten unterstützt, sorgte dafür, dass die Präsentation der Karte am angemessenen Ort stattfand: im Vorsteherhaus der ehemaligen Synagoge des kleinen Ortes Rödingen unweit von Jülich, einem der 618 Schauplätze der Karte.

Die Karte ist auch online zu sehen unter: www.geschichtlicheratlas.lvr.de

geschichtlicher atlas der rheinlande, jüdische gemeinden vom frühen 19. bis zum beginn des 21. jahrhunderts, kartenblatt und beiheft, 95 s., bearbeitet von ursula reuter, 17.90 €. habelt-verlag bonn 2007

Israel

Hamas-Terrorist misshandelt? Anklage gegen fünf Reservisten fallengelassen

Den fünf Männern wurde vorgeworfen, im berüchtigten Militärgefängnis Sde Teiman einen Terroristen so stark sexuell misshandelt zu haben, dass dieser ins Krankenhaus gebracht werden musste

 12.03.2026

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026

Jerusalem

Wadephul: Iranische Waffen gefährden »nicht nur Israel, sondern auch uns in Europa«

Bei seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Gideon Sa’ar sei es auch um diese Frage gegangen: Wie kann dieser Konflikt irgendwann beendet werden, wenn man dem Iran die entscheidenden Waffen aus der Hand geschlagen hat?»

 11.03.2026

Reisen

Lufthansa setzt weiterhin viele Nahost-Flüge aus

Flüge nach Tel Aviv, Teheran und in andere Städte bleiben ausgesetzt. Lufthansa reagiert weiter auf die Lage im Nahen Osten – Charterflüge für Rückholaktionen laufen jedoch weiter.

 09.03.2026

Südlibanon

Zwei israelische Soldaten bei Hisbollah-Angriff getötet

Nach einer vorläufigen Untersuchung der israelischen Armee begann der Vorfall, als ein Panzer während eines Einsatzes stecken blieb

 08.03.2026

Washington

USA intervenieren gegen mögliche Russland-Hilfe für den Iran

Sondergesandter Steve Witkoff kritisiert Moskau dafür, dass es Teheran im Krieg zu unterstützen scheint

 08.03.2026

Iraner in Deutschland

»Einfach leben«

Der Exil-Iraner und Musikmanager Babak Shafian war bisher skeptisch, wenn es um den möglichen Fall des Mullah-Regimes ging. Diesmal ist er hoffnungsvoll. Der Grund dafür ist Israel

 04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Interview

»Ich bin für die klare Haltung Deutschlands dankbar«

Israels Botschafter Ron Prosor zu deutschen Reaktionen nach den Angriffen auf den Iran, zur Sicherheitslage israelischer und jüdischer Einrichtungen sowie zu einer Nachricht zu Purim

von Detlef David Kauschke  02.03.2026