Fritz-Bauer-Institut

Wenn Forscher hassen

von Matthias Arning

Nicht schon wieder, mag Dietfrid Krause-Vilmar für einen Augenblick gedacht haben. Die ständigen Anwürfe seiner Beiratsmitglieder Joachim Perels und Gerhard Hirschfeld versteht der emeritierte Pädagogikprofessor und Interimsleiter des Frankfurter Fritz-Bauer-Instituts inzwischen nicht mehr als nur lästig. Irgendwie findet Krause-Vilmar auch gemein, was Perels und Hirschfeld seit geraumer Zeit mit ihm machen. Dabei geht es ihm doch nur darum, das Institut wieder in ein ruhigeres Fahrwasser zu bringen, es den Mitarbeitern möglich zu machen, sich auf Wesentliches zu konzentrieren. Gemessen an der Aufgabe, die der kommissarische Leiter des Instituts vor einem Jahr übernommen hat, daran lassen Kenner der Einrichtung keinen Zweifel, leistet der Pädagoge gute Arbeit.
Wenn da nicht Perels und Hirschfeld wären. In den Spalten der Feuilletons halten sie Krause-Vilmar vor, er beschädige das Beste, was das Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust bislang in den zehn Jahren seiner Existenz hervorgebracht habe: die historisch-dokumentarische Ausstellung »Auschwitz-Prozeß, 4 Ks 2/63, Frankfurt am Main«. Von »fatalen Vorgängen« sprachen Perels und Hirschfeld in einer öffentlichen Protestnote. Erstens sei die Ausstellung, nicht, wie geplant, in München gezeigt worden. Krause-Vilmar habe behauptet, das ginge aus finanziellen Gründen nicht. Außerdem habe er vorgeschlagen, die Fotos diverser Nazi-Größen aus der Ausstellung zu nehmen. So etwas könne man doch nicht machen, schließlich werde damit die Geschichte verfälscht.
Anschuldigungen dieser Art, sagt Krause-Vilmar, zielten darauf ab, »das Institut öffentlich zu diskreditieren«. Kenner der Diskussion verweisen darauf, daß die überlebensgroßen Abbildungen führender Nazis, die noch in den Anfängen der Ausstellung zu sehen gewesen waren, schon längst aus der Dokumentation genommen wurden, weil man früh zu der Einsicht gekommen war, daß diese Bilder den Zuschauern den falschen Eindruck vermittelten, die Anführer der Nazis seien alle überdimensionale Scheusale gewesen.
Es ist nicht der erste öffentlich ausgetragene Streit zwischen Krause-Vilmar und Perels. Im September hatte sich der Rechtswissenschaftler aus Hannover an einem im Vorjahr im Newsletter des Instituts erschienenen Text des Institutsmitarbeiters Werner Renz über die rechtliche Bedeutung des Auschwitz-Prozesses gestört. Perels schrieb eine Erwiderung, in der er ausführte, die rechtliche Aufarbeitung der Verbrechen folge mitunter der Logik nationalsozialistischen Rechts, so auch bei Renz. Krause-Vilmar stellte sich vor seinen »integeren Mitarbeiter« und verfügte, Perels’ Entgegnung dürfe nicht im Newsletter erscheinen, unabhängig davon, ob die Kritik »sachlich zutreffend« sei.
Perels bedauert, daß Krause-Vilmar nicht den wissenschaftlichen Konflikt suche. Krause-Vilmar seinerseits will sich Anwürfe, die er als »infam« empfindet, nicht länger bieten lassen, setzt sich mit Unterlassungserklärungen zur Wehr, wenn behauptet wird, er betreibe »eine rabiate Institutspolitik«. Schließlich will er sich seinen Ruf nicht kaputtmachen lassen.
Die Situation wirkt verfahren. Unruhe kann das Institut gerade jetzt nicht gebrauchen. Mit dem Historiker Dieter Pohl vom Institut für Zeitgeschichte in München ist ein neuer Direktor gefunden. Pohl, zuletzt mit Frank Bajohr hervorgetreten mit einer Studie über den Holocaust als offenes Geheimnis, verhandelt mit dem Land Hessen noch darüber, ob seine Professorenstelle befristet bleibt oder nicht. Davon macht er seinen Umzug nach Frankfurt abhängig. Sagt der renommierte Holocaust-Forscher ab, stehen dem Institut anderthalb Jahre der Ungewißheit bevor, weil wohl ein neues Ausschreibungsverfahren nötig würde. Wenn Pohl wirk- lich kommen sollte, findet er »sein Terrain bestens bereitet«. Sagt Krause-Vilmar.

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