Amia-Attentat

Weltweiter Haftbefehl

von Jürgen Vogt

Interpol hat jetzt die Haftbefehle gegen fünf iranische Politiker und einen Libanesen bestätigt. Der zwölfköpfige Exekutivausschuss der internationalen kriminalpolizeilichen Organisation stimmte vergange- ne Woche den sechs Haftbefehlen zu, die die argentinische Justiz im November 2006 erlassen hatte. Die sechs Personen werden für den Anschlag auf das jüdische Hilfswerk Asociación Mutual Israelita Argentina (AMIA) in Buenos Aires mitverantwortlich gemacht.
Bei dem Bombenanschlag im Juli 1994 waren 85 Menschen getötet und etwa 300 verletzt worden. Das siebenstöckige Gebäude wurde vollständig zerstört. Jüdische Organisationen in Argentinien vermuten seit Langem, dass iranische Hintermänner die Tat in Auftrag gaben. Die argentinische Staatsanwaltschaft hatte Klage gegen den Iran und die libanesische Hisbollah erhoben. Sie hält es für erwiesen, dass der Anschlag »im Iran geplant und von der Hisbollah ausgeführt wurde«. Der Iran be- streitet jegliche Beteiligung. Bis heute wurde niemand für den Anschlag verurteilt.
Als einen großen Erfolg wertete die argentinische Regierung die Entscheidung von Interpol. Die argentinische Justiz hatte gegen insgesamt acht iranische Politiker und einen Libanesen Haftbefehle erlassen, darunter auch der ehemalige iranische Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani, Ex-Außenminister Ali Akbar Velayati und der damalige Botschafter in Buenos Aires, Hadi Soleimanpour.
Die Haftbefehle gegen die drei letzteren wurden jedoch von Interpol nicht bestätigt. Laut Artikel 3 der Interpolstatuten werden keine politischen Straftaten zur Fahndung ausgeschrieben. Im Fall des ehemaligen Botschafters Soleimanpour verwies Interpol auf dessen Verhaftung vor vier Jahren in London. Die britische Regierung hatte den argentinischen Auslieferungsantrag abgelehnt und Soleimanpour wegen Mangel an Beweisen freigelassen.
Die sechs bestätigten Haftbefehle betreffen den ehemaligen iranischen Sicherheitsminister Ali Fallahijan, zwei frühere Kommandanten der Revolutionswächter, Mohsen Rezai und Ahmad Vahidi, die damals in der Botschaft in Buenos Aires tätigen Iraner Mohsen Rabbani und Ahmad Reza Ashgari sowie den ehemaligen Sicherheitschef der Hisbollah, den Libanesen Imad Moughnieh.
Für Sergio Burstein von der »Vereinigung der Familienangehörigen der Opfer des AMIA-Anschlags« ist die Entscheidung von Interpol deshalb auch unzureichend. »Drei Verdächtige bleiben außen vor«, bedauerte Burstein. Ähnlich äußerte sich der Präsident der AMIA, Luis Grynwald, fügte jedoch hinzu: »Noch vor vier Monaten konnte sich niemand vorstellen, dass internationale Haftbefehle ausgestellt werden. Jetzt müssen wir darauf vertrauen, dass die Beschuldigten ausgeliefert werden.«
Auch Israel bewertete die Entscheidung positiv. Anlässlich der Gedenkveranstaltung in Buenos Aires zum 15. Jahrestag des Anschlags auf die israelische Botschaft am 17. März 1992 machten die israelischen Vertreter erneut den Iran als Drahtzieher sowohl für den Anschlag auf die Botschaft als auch den auf die AMIA verantwortlich. »Der Iran hat den Terrorismus der neunziger Jahre unterstützt, und auf seinen Funktionären lastet heute ein Haftbefehl«, sagte Israels Vizeaußenminister Aaron Abramovich vergangene Woche in der argentini- schen Hauptstadt. Bei dem Bombenanschlag auf die israelische Botschaft, zwei Jahre vor dem Attentat auf AMIA, waren 29 Menschen getötet worden.
Zu einer gänzlich anderen Einschätzung kommt der iranische Handelsattaché in Buenos Aires, Mohsen Baharvand. »Die Entscheidung von Interpol hat keinerlei Auswirkungen. Wer glaubt, die Iraner werden in Argentinien vor ein Gericht kommen, lebt im Märchenland«, sagte Baharvand. Interpol hat auch gar nicht die Verhaftung der sechs angeordnet. Ihre Namen werden als »Red Notice« in Umlauf gebracht, womit Interpol lediglich darauf hinweist, dass die argentinische Justiz ihre Verhaftung und Auslieferung fordert. Die roten Meldungen sollen am 31. März veröffentlicht werden. Bis dahin kann jedes Mitgliedsland Widerspruch einlegen. Sollte dies geschehen, liegen die Haftbefehle bis zur nächsten Vollversammlung der Interpol Ende November ohnehin auf Eis.

Nahost

Israels Kriegsstrategie gegenüber Iran und der Hisbollah

Israels Armee greift Irans Führung unerbittlich an. Es gibt jedoch warnende Stimmen: Die gezielten Tötungen von Anführern könnten das System noch radikaler machen. Welche Ziele verfolgt Israel?

von Sara Lemel  19.03.2026

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026

Jerusalem

Wadephul: Iranische Waffen gefährden »nicht nur Israel, sondern auch uns in Europa«

Bei seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Gideon Sa’ar sei es auch um diese Frage gegangen: Wie kann dieser Konflikt irgendwann beendet werden, wenn man dem Iran die entscheidenden Waffen aus der Hand geschlagen hat?»

 11.03.2026

Reisen

Lufthansa setzt weiterhin viele Nahost-Flüge aus

Flüge nach Tel Aviv, Teheran und in andere Städte bleiben ausgesetzt. Lufthansa reagiert weiter auf die Lage im Nahen Osten – Charterflüge für Rückholaktionen laufen jedoch weiter.

 09.03.2026

Südlibanon

Zwei israelische Soldaten bei Hisbollah-Angriff getötet

Nach einer vorläufigen Untersuchung der israelischen Armee begann der Vorfall, als ein Panzer während eines Einsatzes stecken blieb

 08.03.2026

Washington

USA intervenieren gegen mögliche Russland-Hilfe für den Iran

Sondergesandter Steve Witkoff kritisiert Moskau dafür, dass es Teheran im Krieg zu unterstützen scheint

 08.03.2026

Iraner in Deutschland

»Einfach leben«

Der Exil-Iraner und Musikmanager Babak Shafian war bisher skeptisch, wenn es um den möglichen Fall des Mullah-Regimes ging. Diesmal ist er hoffnungsvoll. Der Grund dafür ist Israel

 04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Interview

»Ich bin für die klare Haltung Deutschlands dankbar«

Israels Botschafter Ron Prosor zu deutschen Reaktionen nach den Angriffen auf den Iran, zur Sicherheitslage israelischer und jüdischer Einrichtungen sowie zu einer Nachricht zu Purim

von Detlef David Kauschke  02.03.2026