Mohammed-Karikaturen

Welle der Wut

von Sabine Brandes

Brennende Autos, beschädigte Büros, verletzte Menschen. Die Welle der Wut und Gewalt, die seit der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen über die arabische Welt schwappt, hat die palästinensischen Gebiete erreicht. In Gasa und der West Bank kam es zu Angriffen auf europäische Einrichtungen. Aufgebrachte Palästinenser hatten vergangene Woche sowohl die Vertretung der EU-Kommission als auch die Außenstelle des deutschen Verbindungsbüros in Gasa-Stadt attackiert. Beide Gebäude waren zu der Zeit nicht besetzt, es sei jedoch Sachschaden entstanden, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. In Hebron ist das gesamte Personal der internationalen Beobachtermission (TIPH) abgezogen worden, nachdem das Gebäude mit Steinen beworfen und Autos in Brand gesetzt worden waren. Die elf dänischen Mitarbeiter hatten sich bereits zuvor in ihrer Botschaft in Tel Aviv in Sicherheit gebracht.
Begonnen hatten die Übergriffe in Gasa mit einer Demonstration junger palästinensischer Männer außerhalb des EU-Gebäudes, berichtete Kommissions-Mitarbeiterin Anna Henrikson. »Schon da war die gesamte Stimmung unheimlich aufgeheizt.« Am Tag darauf seien Drohplakate an die Wände geklebt worden, die ersten Steine flogen. Die teils maskierten und bewaffneten Palästinenser drangen in den Garten ein, feuerten Schüsse ab und versuchten, ins Haus zu gelangen. Grund für den Delegationsleiter, das Büro auf unbestimmte Zeit schließen zu lassen. Die EU-Flagge ersetzten die Randalierer durch die palästinensische Fahne. Anschließend richtete sich die Gewalt auch gegen das deutsche Verbindungsbüro, das sich gegenüber befindet. In einer Stellungnahme aus Brüssel hieß es, es sei bedauerlich, daß Europäer, die sich um ein besseres Leben der Palästinenser mühten, angegriffen würden. Erst nachdem die örtlichen Sicherheitsbehörden mehrfach Verstärkung angefordert hatten, gelang es ihnen, die wütende Menge abzudrängen. Henrikson berichtet auch vom Entfernen dänischer Produkte aus arabischen Geschäften. »Aus Protest gegen die Mohammed-Karikaturen, betonen die Ladeninhaber.« Zwar sei ihr in Jerusalem kein direkter Groll gegen Europäer begegnet, »aber die Stimmung hat sich verändert und ist äußerst gereizt«. Das Auswärtige Amt bestätigte, daß es neben dem regulären Hinweis, von Reisen in den Gasastreifen werde dringend abgeraten, eine zusätzliche Warnung aufgrund der jüngsten Ausschreitungen gebe.
Eine TIPH-Sprecherin sagte, daß nach den tätlichen Übergriffen alle 73 Beschäftigten unter dem Schutz israelischer Soldaten aus Hebron abgezogen werden mußten. Die Sicherheit des Teams sei nicht mehr gewährleistet gewesen. »Wir können nicht einmal sagen, ob und wann wir zurückkehren werden.« Die zivile TIPH ist seit 1994 in der West-Bank-Stadt stationiert, ihre Mitarbeiter sollen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Israelis verhindern. Auch eine Anzeige in lokalen Zeitungen, in der die TIPH die Veröffentlichung der Karikaturen mißbilligte, besänftigte die Palästinenser nicht.
Vergangenen Sonntag sind zudem vier Menschen bei einer weiteren Eskalation der Gewalt in der West Bank verletzt worden. Am Morgen war an der Wand einer Moschee ein beleidigendes Graffito entdeckt worden, das den moslemischen Propheten als Schwein bezeichnete, also mit einem unreinen Tier verglich. Laut Polizeierklärung sind wahrscheinlich jüdische Extremisten dafür verantwortlich.
Sofort nach der Entdeckung entschuldigten sich Vertreter der israelischen Armee für den Vorfall und entfernten das Graffito. Junge Palästinenser begannen dennoch, Steine auf israelische Autos zu werfen. Eine Frau wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Knessetmitglied Rabbiner Michael Melchior verurteilte die Schmierereien: »Jeder gläubige Jude sollte gegen dieses Verbrechen protestieren.« Sie seien nicht nur gegen den Islam gerichtet, sondern beschädigten auch das Ansehen der Juden und die Koexistenz mit den arabischen Nachbarn.

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026

Die israelische Raketenabwehr hat eine aus dem Libanon anfliegende Terror-Rakete im Visier.

Nahost

Libanon muss jetzt handeln

Die Hisbollah hat äußeren Druck jahrzehntelang in politische Stärke verwandelt. Doch ihr aktueller Legitimitätsverlust ist hausgemacht — und eröffnet dem Libanon erstmals die Chance, das Machtgefüge im eigenen Land zu verändern.

von Leo Benderski  26.03.2026

Berlin

»Grenzen der Erinnerung erweitern«

Argentinien hat von Israel die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance übernommen. In der Botschaft des südamerikanischen Landes wurde das mit einer Zeremonie gefeiert

 26.03.2026

Nahost

Israels Kriegsstrategie gegenüber Iran und der Hisbollah

Israels Armee greift Irans Führung unerbittlich an. Es gibt jedoch warnende Stimmen: Die gezielten Tötungen von Anführern könnten das System noch radikaler machen. Welche Ziele verfolgt Israel?

von Sara Lemel  19.03.2026

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026