Lehrhaus

Was lange währt

von Markus Zimmermann-Dürkop

Nach dem Vorbild des in den 20er-Jahren in Frankfurt am Main gegründeten Freien Jüdischen Lehrhauses will die Jüdische Gemeinde von Emmendingen ein Bildungsangebot für Juden und Nichtjuden einrichten. Erste Seminarreihen haben als Versuch im November begonnen. »Bei entsprechender Resonanz ist vom neuen Jahr an ein Semesterprogramm vorstellbar«, sagt Klaus Teschemacher, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Emmendingen.
»Es ist eine Idee, die wir schon länger hegen«, erklären übereinstimmend Klaus Teschemacher und Carola Grasse, die Vorsitzende des Emmendinger Vereins für jüdische Geschichte und Kultur. Die Organisation des Lehrhauses übernehmen Ge- meinde und der überkonfessionelle Verein in Kooperation. Das Lehrhaus soll auch ein Ort der Begegnung sein. »Ich begrüße es sehr, dass wir hier jetzt ein Forum haben, in dem jüdische Bildung, Tradition und Kultur gefördert, gepflegt und ausgeübt werden«, sagt Carola Grasse. Für sie ist das Haus Teil europäischer Kultur, denn diese ist jüdisch-christlich. Grasse unterstreicht das ganz bewusst entgegen der oft zu hörenden Betonung auf die christlich-abendländische Kultur, was sie für eine Reduzierung hält.
Wichtig ist den Gründern des Emmendinger Jüdischen Lehrhauses, dass dort die auf Franz Rosenzweig zurückgehende Tradition des dialogischen Lernens gepflegt wird. »Sicher kann nicht ganz auf theoretische Erklärungen, die Vermittlung von Basiswissen verzichtet werden«, weiß Dozentin Rivka Hollaender, die Hebräisch-Sprachkurse anbietet. Gelernt werden soll aber vor allem im Dialog. »Es soll nicht exegiert, sondern gemeinsam erarbeitet werden, welche Bedeutung Texte insbesondere für das heutige Leben haben können«, betont Klaus Teschemacher, der ein Seminar zur Geschichte der Juden in Deutschland anbietet. »Ich will neben Lehrender auch Lernende sein«, ergänzt Monika Miklis. Sie hat Politikwissenschaften und Judaistik studiert und bietet ein Seminar zur jüdischen Kunst an.
Vierter im Bunde der Dozenten der ersten Stunde ist Vladimir Itamar Baum, Dozent für jüdische Fächer an der Universität Freiburg. Er bietet ein Seminar zur jüdischen Philosophie und zu jüdischen Gebeten an. Baums Seminare stehen doppelt auf dem Lehrplan, denn er wird diese sowohl in Deutsch als auch in Russisch anbieten. Damit sollen vor allem die Mitglieder der jüdischen Gemeinde angesprochen werden, die aus den ehemaligen Sowjetrepubliken kommen. »Es gibt aber auch andere russisch sprechende Mitbürger«, sagt Teschemacher, zu denen auf diese Weise eine Brücke geschlagen werden könnte.
»Es gibt bereits in anderen Städten jüdische Lehrhäuser«, weiß Teschemacher. Dass jedoch eine kleine Gemeinde – momentan zählt Emmendingen etwa 350 Mitglieder – diese Idee aufgreift, sei außergewöhnlich. Gelehrt werden soll an verschiedenen Orten. Genutzt werden die Mikwe und das jüdische Museum, aber auch Räume in der Synagoge. »Wir verstehen uns keinesfalls als Konkurrenz zur Volkshochschule«, betont Teschemacher.
Allein schon deshalb, weil diese derartige Themen gar nicht anbiete. Bei den Inhalten für das Semesterprogramm des Lehrhauses gehen die Vorstellungen sehr weit. »Es gibt ein riesiges Spektrum jüdischer Tradition und jüdischen Lebens, das es lohnt näher kennenzulernen.«

Glosse

Der Rest der Welt

Einmal Gastro, immer Gastro

von Margalit Edelstein  14.10.2026

7. Oktober

Steinmeier: Antisemitische Hetze unerträglich aufgeflammt

Der schlimmste Anschlag auf Jüdinnen und Juden seit der Schoa: Der Bundespräsident verurteilt den Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023. Und blickt auch auf die Lage im Gazastreifen

 08.10.2026

Terror

US-Präsident Trump glaubt, dass Iran hinter Flydubai-Attentat steckt

Noch ist unklar, ob und zu welchen ausländischen Organisationen der Attentäter Verbindungen hatte

 06.10.2026

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026