Barbra Streisand

Viva la Diva

Von christian Böhme
und Sylke Tempel

Der Berliner an sich ist ziemlich schwer zu beeindrucken. Falsche Prominenz straft er mit Nichtachtung. Diva ist er selber. Aber einer echten Diva huldigt er. Barbra Streisand ist eine, und die Berliner, inklusive der Zugereisten, ehren die 65-Jährige an diesem Samstagabend, noch bevor sie im schwarzen langen Kleid in Erscheinung tritt. Es ist kurz vor acht, als die erste La-Ola-Welle durch die Waldbühne wogt. Immer wieder werden die Arme dem pastellfarbenen Himmel entgegengestreckt. Eine Huldigung, der auch das 58-köpfige Orchester Instrumente schwingend freudig Folge leistet. Es ist der Beginn eines kleinen Sommernachtstraums. Ein Abend mit stehenden Ovationen nach beinahe jedem Lied als unüberhörbare Gunstbezeugungen. Und mit einem Star, der die Kontaktaufnahme mit dem Publikum so meisterhaft beherrscht wie kaum ein anderer. Während des gut zweistündigen Konzerts entwickelt sich eine stürmische Liebesaffäre zwischen der Streisand, dem professionellsten Bühnenross in der hohen Schule des amerikanischen Entertainments, und Fans, die jahrzehntelang geduldig auf ihren Star gewartet haben, die jeden Song nach dem ersten Takt erkennen und stürmisch begrüßen. Und die sich willig verzaubern lassen. Schon nach ein paar Minuten ist das Familienglück perfekt.
Sie haben ja auch einiges gemein, Barbra und die Berliner. Schön im klassischen Sinn waren beide nie, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Aber sie stehen dazu, denn sie haben Charakter, Stolz und den Charme der Selbstironie. »Diesen Song habe ich auf Französisch gesungen«, kommentiert die Sängerin, »ein Erfolg wurde er nur in Vietnam und Algerien«. Diva zu sein, bedeutet eben, die richtige Mischung aus Nähe und Unerreichbarkeit zu finden. Da steht Streisand, die von der frei eingestandenen Liebe zum Essen etwas rundlich gewordenen Formen unter mehrfach gewechselten schwarzen Roben verborgen, und wirft die zehn Zentimeter hohen Stilettos ab, als sei sie zu Hause angekommen. »Was für eine Erleichterung.« Die zweite, nach nicht enden wollendem Applaus gewährte Zugabe absolviert sie in Hausschlappen. »Darling, ich komme gleich«, ruft sie dem hinter der Bühne wartenden Ehemann James Brolin zu.
Aber die Diva smalltalkt nicht nur, sie singt auch. Und das mit einer Stimme, die immer noch beeindruckt. The Way We Were, You Don’t Bring Me Flowers, all die großen Hits sind dabei. Auch Papa, Can You Hear Me? Das Lied aus ihrem Herzensfilmprojekt Yentl, bei dem sie selbst die Rolle eines Jeschiwa-Schülers spielte und Regie führte, mag für viele ein Schmachtfetzen sein. Aber hier, im weiten Rund der 1936 errichteten Waldbühne, gewinnt es eine tiefere Bedeutung. Es ist wohl ohnehin eine Mär, die Jüdin Streisand habe Deutschland wegen seiner NS-Vergangenheit nicht bereisen wollen. Bereits in den siebziger Jahren verabschiedete sie sich von ihrem (amerikanischen) Publikum mit »Good-Bye, Au revoir, Auf Wiedersehen.« Später warb sie für Yentl in Joachim Fuchsbergers Show »Auf los geht’s los«. Nur musikalisch hat Streisand in Deutschland bisher noch nie Station gemacht. Das galt aber für das ganze Kontinentaleuropa. Sie verehre, sagt sie, deutsche Kultur wegen der großen Komponisten: Beethoven, Bach, Brahms. Gemurmelt ist auch der Name Richard Wagner zu hören. »Brecht, Weill, Einstein« be- deuteten Streisand besonders viel. Klar, alles Emigranten. Die Besten hatten das Land nun einmal verlassen. Im Übrigen liebe sie deutsches Essen – Boulette, Döner, Currywurst und Apfelstrudel. Das mag sie vom Teleprompter abgelesen haben – aber Atmosphäre und echte Zuneigung lassen sich nicht durch Technik herbeizaubern. »Ihr seid fantastisch! Wollt ihr mit mir reisen?«, fragt sie. Aus dem Publikum schallt es zurück: »Barbra, we love you.«

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026

Jerusalem

Wadephul: Iranische Waffen gefährden »nicht nur Israel, sondern auch uns in Europa«

Bei seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Gideon Sa’ar sei es auch um diese Frage gegangen: Wie kann dieser Konflikt irgendwann beendet werden, wenn man dem Iran die entscheidenden Waffen aus der Hand geschlagen hat?»

 11.03.2026

Reisen

Lufthansa setzt weiterhin viele Nahost-Flüge aus

Flüge nach Tel Aviv, Teheran und in andere Städte bleiben ausgesetzt. Lufthansa reagiert weiter auf die Lage im Nahen Osten – Charterflüge für Rückholaktionen laufen jedoch weiter.

 09.03.2026

Südlibanon

Zwei israelische Soldaten bei Hisbollah-Angriff getötet

Nach einer vorläufigen Untersuchung der israelischen Armee begann der Vorfall, als ein Panzer während eines Einsatzes stecken blieb

 08.03.2026

Washington

USA intervenieren gegen mögliche Russland-Hilfe für den Iran

Sondergesandter Steve Witkoff kritisiert Moskau dafür, dass es Teheran im Krieg zu unterstützen scheint

 08.03.2026

Iraner in Deutschland

»Einfach leben«

Der Exil-Iraner und Musikmanager Babak Shafian war bisher skeptisch, wenn es um den möglichen Fall des Mullah-Regimes ging. Diesmal ist er hoffnungsvoll. Der Grund dafür ist Israel

 04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Interview

»Ich bin für die klare Haltung Deutschlands dankbar«

Israels Botschafter Ron Prosor zu deutschen Reaktionen nach den Angriffen auf den Iran, zur Sicherheitslage israelischer und jüdischer Einrichtungen sowie zu einer Nachricht zu Purim

von Detlef David Kauschke  02.03.2026

Nahost

Iran greift erstmals europäisches Ziel an: Drohne trifft britischen Stützpunkt auf Zypern

Nach Ausrufung einer Sicherheitswarnung erschütterten Explosionen die Basis. Kampfjets der Royal Air Force hoben nach Angaben von Flugbeobachtern ab, um den Luftraum zu sichern

 02.03.2026