gelsenkirchen

»Viel Glück für die Gemeinde«

Ursula Heinen treten Tränen in die Augen, als sie der Jüdischen Gemeinde »ganz viel Glück in ihrem neuen Zentrum« wünscht. Die Stimme bricht der 66-jährigen Gelsenkirchenerin. Elisabeth Buschkönig neben ihr hat das jüdische Gotteshaus brennen sehen. Die 78-Jährige sitzt auf ihrem Rollator vor der Absperrung zum neuen Gemeindezentrum am Platz an der alten Synagoge. Beide wollen trotz dräuender Wol- ken am Himmel auf das Eintreffen der Torarollen warten.
Etwa 80 Menschen warten vor dem alten Betsaal der Jüdischen Gemeinde in der Von-der-Recke-Straße. Im Halbkreis harren sie schon eine halbe Stunde aus und hoffen, dass sich endlich die Tore öffnen. Wie Mila Berschanska, eine Zuwandererin aus Moskau. Vor zehn Jahren ist sie nach Gelsenkirchen gekommen und hat viel Positives durch die Gemeinde erfahren. Zilia Kusmenich aus Kiew bestätigt ihre Bekannte: »Es ist ein großer Tag für die Gemeinde, auf den wir lange gewartet haben. Wir danken allen Deutschen, die diesen Bau unterstützt und das Fest heute möglich gemacht haben.« Die kleinen Frauen drängen nach vorne, sie wollen die Torarollen fotografieren, wenn sich die Türen öffnen.
In der Von-der-Recke-Straße stehen auch Miriam und Michael Kleber. Ihre sieben- und zwölfjährigen Söhne sind in der Schule, und sie nutzen den freien Urlaubstag, sich den feierlichen Umzug anzusehen. Der 39-jährige Michael hat aus Zeitungen und vor allem durch den Gelsen- kirchener Heimatbund vom Neubau des jüdischen Gemeindezentrums erfahren. Er selbst bezeichnet sich als Agnostiker, interessiere sich aber fürs Judentum. »Auch den Kindern wollen wir davon etwas vermitteln«, sagt der Familienvater. Den ältesten Sohn wollen sie daher am Sonntag mit zum Tag der offenen Tür nehmen.
Auch Doris und Wolfgang Tonk sind sehr am Judentum interessiert. Die Mittsechziger haben bereits den alten Betsaal der Gemeinde besichtigt und waren mehrmals in Israel. Sie freuen sich über den Neubau des neuen jüdischen Zentrums. Genauso wie die 81-jährige Elisabeth Homölle. »Ich habe die Synagoge brennen sehen, jetzt möchte ich sehen, wie sie eingeweiht wird.« Die rüstige Frau schließt sich dem Torazug an. Vor der katholischen Kirche stehen mehrere Hundert Menschen, unter ihnen die CDU-Ratsmitglieder Hiltrud Verse und Werner Wölle. Sie haben dazu beigetragen, dass der Stadtrat den Zuschuss für den Neubau der Synagoge einstimmig verabschiedet hat.
Einige Meter weiter, vor der evangelischen Altstadtkirche, stehen noch einmal Hunderte Menschen. Sie ergänzen den anschwellenden Zug hinter den Torarollen. Unter dem blauen Baldachin werden diese vom Gelsenkirchener Vorbeter und von Rabbinern aus Düsseldorf, Köln und Dortmund getragen. Begleitet werden sie von der Berliner Gruppe »Klezmer chidesch«. Die Rabbiner tanzen, bleiben beim mächtigen Glockengeläut vor der katholischen Kirche stehen. Eine Hora bildet sich. Bis sich schließlich der Zug wieder in Gang setzt. Fast eine Stunde braucht er für die kaum vierhundert Meter vom alten Betsaal zur neuen Synagoge. Heide Sobotka

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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