Meinung

Über Verbrechen sprechen

Alexander Friedman Foto: privat

Im UN-Sicherheitsrat stand ausgerechnet an Jom Hasikaron, dem Gedenktag für gefallene israelische Soldaten und Terror­opfer, der Nahostkonflikt auf der Tagesordnung. Israels UN-Botschafter Gilad Erdan befürchtete eine einseitige Verurteilung seines Staates und verließ aus Protest die Sitzung.

Dabei warf er die Frage auf, wie wohl Moskau reagieren würde, wenn das UN-Gremium am 9. Mai – dem in Russland pompös gefeierten »Tag des Sieges« über Nazi-Deutschland – russische Soldaten verurteilen würde?

vergleich Jedoch hinkt der Vergleich des israelischen Vertreters. Der 9. Mai ist genau der richtige Tag, um die Gräueltaten des Regimes zu diskutieren, das sich in der Tradition des sowjetischen Kriegssiegers sieht und den »Tag des Sieges« vereinnahmt hat, um die Ukraine und ihre westlichen Partner als »moderne Nazis« zu diffamieren.

Der Kremlchef lebt weiterhin in seiner eigenen Traumwelt und weigert sich, die Realität zu akzeptieren.

Dabei ist es die russische Führung, die den Krieg gegen die Ukraine angezettelt hat, die Welt mit einem Atomkrieg bedroht, die Ukraine systematisch zerstört und den ukrainischen Präsidenten antisemitisch angeht. Putin und seine Mitstreiter sind dafür verantwortlich, dass im Europa des 21. Jahrhunderts Kinder verschleppt, Zivilisten in Gruben exekutiert, Kriegsgefangene enthauptet und »Verräter« aus den eigenen Reihen mit Hämmern hingerichtet werden.

papiertiger Vor einem Jahr hatte die ganze Welt gebannt auf Putins Rede zum 9. Mai gewartet. Eine Kriegserklärung an die NATO wurde befürchtet. Die Rede war jedoch blass. So wie inzwischen auch der Kremlchef, dessen scheinbar übermächtige Armee sich als ein Papiertiger entpuppte. Ein Jahr später trauen manche Experten Kiew sogar einen spektakulären Sieg zu.

Und Putin? Am 9. Mai lässt er Teilnehmer seiner »militärischen Spezialoperation« auf dem Roten Platz aufmarschieren. Damit sollen sie die Kontinuität des »antifaschistischen Kampfes« bestätigen. Der Kremlchef lebt weiterhin in seiner eigenen Traumwelt und weigert sich, die Realität zu akzeptieren.

Der Autor ist Historiker und lebt in Düsseldorf.

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026

Nach der Wahl

Grüne und SPD in Berlin stellen Bedingung für Sondierungen

Linke, Grüne und SPD in der Hauptstadt wollen an diesem Donnerstag erstmals über eine Regierungsbildung sprechen. Es soll sich aber noch nicht um formelle Sondierungsgespräche handeln

 28.09.2026

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026

Sanktionen

Iran will weiter internationale Ziele anfliegen

Ab Mittwoch sollen iranische Airlines nach Worten der US-Regierung internationale Ziele nicht mehr anfliegen können. Die zivile Luftfahrtbehörde in Teheran widerspricht

 23.09.2026

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Berlin

Gideon Joffe: »Mit Elif Eralp wird Geis zur Gärtnerin gemacht«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde mahnt, dass die Hauptstadt vor massiven Herausforderungen stehe

 22.09.2026

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026