ITB

Tourismus mit und ohne Politik

Es war die kürzeste Veranstaltung der Internationalen Tourismusbörse Berlin, ITB 2008: Nur knapp 14 Minuten dauerte am Freitag die Diskussion zwischen Avi Primor, Direktor des Zentrums für Europäische Studien an der Universität Herzlija und ehemaliger israelischer Botschafter in Deutschland, Abdallah Al-Frangi, Leiter der Außenpolitischen Kommission der Palästinensischen Nationalen Befreiungsbewegung und ehemaliger Generaldelegierter in Deutschland, und Peter-Mario Kubsch, Gesellschafter von Studiosus Reisen.
»Licht(blicke) im Morgenland? Israel und Palästina verhandeln. Wird der Nahe Osten wieder zum ‚normalen‘ Reiseziel?« So lautete das Thema der Veranstaltung »ZwischenRufe« auf der ITB, der weltgrößten Tourismusmesse. Manch frühere Diskussion in dieser Reihe im Dachgarten-Foyer des ICC dauerte schon mal zwei hitzige Stunden lang. Doch viel zu sagen hatten sich der Israeli Avi Primor und sein früherer palästinensischer Kollege Abdallah Al-Frangi offenbar nicht. Sofort verhakten sich die beiden in eine Grundsatzdiskussion über die Golanhöhen. Das war’s. Nach der Diskussion sagte Primor dieser Zeitung mit Verweis auf die tödliche Terror-attacke in Jerusalem: »Jedes Mal, wenn es einen Anschlag gibt, leidet natürlich auch der Tourismus darunter.« Während der zweiten Intifada standen die Hotels in Israel oft leer. »Einen normalen Tourismus kann man nur im Frieden haben«, meinte Al-Frangi. Die Fronten sind verhärtet.
»Business as usual« dagegen draußen auf der Messe, wo sich in Halle 23b Palästina als das »Heilige Land« präsentierte, in direkter Nachbarschaft des israelischen Standes, an dem 63 Vertreter der Tourismusbranche – von Fremdenverkehrsverbänden, Hotels und Autovermietern bis zu Fluggesellschaften und dem Jugendherbergsverband – für ihre Angebote warben. Es herrschte gute und betont optimistische Stimmung angesichts wieder steigender Buchungszahlen und des bevorstehenden 60-jährigen Staatsjubiläums. Schon im vergangenen Jahr waren 2,3 Millionen Touristen ins Land gereist. In diesem Jahr rechnen die Experten nochmals mit einem Anstieg der Zahlen.
Sichtlich zufrieden gab sich Shaul Ze-
mach, Staatssekretär im israelischen Tourismusministerium vor Journalisten. »Das Reiseland Israel ist einzigartig in der Welt. Besucher können von Archäologie über Geschichte, Religion, Kultur, Freizeit bis hin zum Nachtleben alles erleben«, hob er hervor. Das sei für ihn auch die Erklärung eines wohl einzigartigen Phänomens: 40 Prozent aller Israelbesucher kommen im-
mer wieder. »Die stärkste Reisegruppe sind natürlich Menschen, die Freunde und Verwandte in Israel besuchen«, erklärte Pinny Millo, scheidender Direktor des Israelischen Verkehrsbüros in Deutschland. Dichtauf folgt die Gruppe der Geschäftsreisenden und an dritter Stelle die Freizeiturlauber. »Bis 2012 wollen wir fünf Millionen Besucher empfangen«, verkündete Shaul Zemach.
Auch die Besucherzahlen aus Deutschland, sie liegen an vierter Stelle hinter den USA, Frankreich und Großbritannien, sollen bis dahin mehr als verdoppelt werden. 90.000 waren es im vergangenen Jahr, Ziel sind 200.000. »Wir haben viele Freunde in der Welt«, sagte Pinny Millo. Doch das Band zwischen Israel und Deutschland sei ein besonderes. Für gute Verbindungen sorgen dabei auch die Airlines. 44 Flüge pro Woche sollen im Sommer die starke Nachfrage im Jubiläumsjahr befriedigen – demnächst auch direkt von Köln/Bonn und Stuttgart und ab Mai von Hamburg nach Tel Aviv. Helmut Kuhn

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